Hormonsystem Teil 2: Welche Hormone sind im Spiel
Shownotes
Die wichtigsten Inhalte dieser Folge:
- Kopf-zu-Fuß-Schema: Wir gehen die Hormondrüsen systematisch durch – von der Epiphyse (Melatonin) bis zu den Gonaden.
- Neurotransmitter oder Hormon? Warum Oxytocin und ADH im Hypothalamus gebildet, aber erst in der Neurohypophyse (Hinterlappen) gespeichert und abgegeben werden.
- Die Adenohypophyse: Wir unterscheiden zwischen glandotropen Steuerhormonen (TSH, ACTH, FSH, LH) und direkten Effektorhormonen wie STH (Wachstum) und Prolactin.
- Schilddrüse & Epithelkörperchen: Die Bedeutung von T3, T4 und das wichtige Zusammenspiel von Calcitonin und Parathormon im Kalziumhaushalt.
- Nebennieren-Check: Warum die Nebennierenrinde (Steroide wie Aldosteron und Cortisol) und das Nebennieremark (Katecholamine wie Adrenalin) biochemisch zwei völlig verschiedene Welten sind.
- Pankreas-Inseln: Die Zuordnung der Zelltypen – B-Zellen (Insulin), A-Zellen (Glucagon) und D-Zellen (Somatostatin).
- Keimdrüsen & Bonus-Hormone: Alles zu Östrogen, Progesteron, Testosteron sowie EPO und Renin aus der Niere.
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00:00:00: SARAH: Hallo, wir freuen uns, dass Du wieder dabei bist bei den Heilpraktiker-Hacks mit uns zwei Prüfungsknackern.
00:00:05: LUKAS: Ja, und wir sind diesmal schon mitten im Thema drin. Diesmal: Teil 2 vom Hormonsystem.
00:00:11: SARAH: Ja, lass uns loslegen. Lukas, wir haben im ersten Teil ja schon das Spielfeld markiert – von der „Chefetage“ im Zwischenhirn bis hinunter zu den Gonaden und sogar den Gewebehormonen. Jetzt wird es Zeit, dass wir die „Postboten“ auch beim Namen nennen.
00:00:26: LUKAS: Genau! Bisher haben wir Frage 1 beantwortet: Welche Hormdrüsen gibt es denn. Jetzt kommen die Fragen: Welche Hormone werden von den Drüsen produziert, wie wird die Bildung der Hormone reguliert und welche Hauptwirkungen gehören zu den Hormonen. Wir gehen jetzt tief in die Physiologie und beantworten diese drei verbleibenden Fragen. Wir fangen direkt mit Frage 2 an: Welche Hormone produzieren diese Drüsen genau? Und Sarah, lass uns dabei direkt die Stoffgruppen aus Teil 1 verknüpfen, damit wir die Biochemie auch gleich mitnehmen.
00:00:58: SARAH: Gute Idee. Ich fange wieder ganz oben an: Immer Kopf-Zu-Fuß-Schema. Das kennen wir ja schon von der Untersuchung her. Die Epiphyse produziert das Melatonin. Da es aus Serotonin gebildet wird, gehört es zu den Aminosäure-Derivaten. Es steuert unseren zirkadianen Rhythmus, also wann wir müde werden.
00:01:18: LUKAS: Genau. Und darunter der Hypothalamus. Der produziert die beiden Hormone, die mit den Axonen in den Hypophysen-Hinterlappen gehen und dort gespeichert werden: Oxitocin und ADH, das Antidiuretische Hormon. Es wird auch Adiuretin genannt.
00:01:34: SARAH: Ah, das ist diese Geschichte mit der Verbindung von Nervensystem und Hormonsystem. Eigentlich sind diese Stoffe ja Neurotransmitter, weil sie aus einer Nervenzelle freigesetzt werden. Weil sie aber hier im Blut landen, sind es eben dann doch Hormone.
00:01:50: LUKAS: Stimmt. Und dann geben ja auch Nervenzellen vom Hypothalamus direkt diese Neurotransmitter-Hormone ins Blut ab, die Inhibbiting- und Releasing-Hormone, die dann über ein zweites kapillarnetz die Drusenzellen vom Hypophysen-Vorderlappen steuern.
00:02:02: SARAH: Oja, da gibt eine ganze Menge. Wir lernen aber nur zwei als Beispiel: CRH, das - Achtung Zungenbrecher: Corticotropin-Releasing-Hormon und das TRH, das Thyroidea-Releasing-Hormon. Diese beiden aktivieren dann im Hypophysenvorderlappen die Bildung von ACTH, beziehungsweise TSH.
00:02:24: LUKAS: Ehrlich gesagt, bin ich immer froh, wenn ich den Hypothalamus erledigt habe. Der schüchtert mich mit seinen ganzen Hormonen schon etwas ein.
00:02:30: SARAH: Ja, das geht mir auch so. Aber wir lernen ja nur diese beiden. Und jetzt komm. Gehen wir weiter.
00:02:36: LUKAS: Ok, direkt unter dem Hypothalamus in der Hypophyse wird es jetzt richtig prüfungsrelevant. Wir erinnern uns: Der Vorderlappen, die Adenohypophyse, ist die echte Drüse. Sie produziert die „Steuerhormone“, also die glandotropen Hormone wie TSH für die Schilddrüse, ACTH für die Nebennierenrinde und FSH/LH für die Keimdrüsen.
00:02:58: SARAH: Aber der Vorderlappen kann auch direkte Effektorhormone produzieren, oder?
00:03:04: LUKAS: Absolut! Er schüttet auch Effektorhormone aus, die direkt am Körper wirken, ohne Umweg über eine andere Drüse. Das wichtigste ist das Wachstumshormon STH (oder GH). Und denk an das Prolactin für die Milchbildung. Das dritte im Bunde ist dann das MSH, das Melanozytenstimulierende Hormon.
00:03:21: SARAH: Und beim Hinterlappen, der Neurohypophyse, müssen wir höllisch aufpassen: Er produziert gar nichts! Er ist nur der Speicher für die „Nervenhormone“ des Hypothalamus: ADH für die Niere und Oxytocin für die sozialen Bindungen und die Wehen.
00:03:38: LUKAS: Perfekt. Gehen wir einen Stock tiefer zum Hals. Die Schilddrüse (Glandula thyroidea) liefert uns T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin). Das sind Aminosäure-Derivate, die Jod brauchen. Und wir hatten ja die C-Zellen erwähnt: Die machen das Calcitonin. Das ist ein Peptidhormon.
00:03:40: SARAH: Und direkt „Huckepack“ auf der Rückseite der Schilddrüse sitzen die Epithelkörperchen, die Nebenschilddrüse. Die produzieren das Parathormon. Das ist der direkte Gegenspieler zum Calcitonin – dazu kommen wir gleich noch bei der Wirkung.
00:04:11: LUKAS: Jetzt zum Bauchraum, mein Lieblingsthema: Die Nebennieren. Sarah, hier müssen wir für die Prüfung wirklich präzise sein, weil die Nebennierenrinde und das Nebennierenmark biochemisch völlig verschiedene Welten sind.
00:04:14: SARAH: Stimmt. In der Nebennierenrinde entstehen die Steroidhormone, also die lipophilen Fette aus Cholesterin. Da haben wir das Aldosteron, unser wichtigstes Mineralocorticoid in der äußeren Schicht der Rinde, und das Cortisol, das berühmte Glucocorticoid in der mittleren Schicht. Und dann sogar noch Sexualhormone in der inneren Schicht der Rinde. Da werden zB beim Mann die weiblichen Sexualhormone hergestellt, wie Östrogen. Und bei der Frau werden dort die männlichen Sexualhormone, die Androgene wie Testosteron hergestellt.
00:04:45: LUKAS: Also bei beiden werden beide Hormone hier hergestellt. Männliche und weibliche. OK. Und im Nebennierenmark?
00:05:04: SARAH: Da sitzen die Katecholamine: Adrenalin und Noradrenalin. Das sind Aminosäure-Derivate. Die werden bei Stress direkt rausgehauen. Und wir erinnern uns an Teil 1: Das Mark wird direkt vom Sympathikus angesteuert – das ist unser erster Sonderfall der Regulation! Dazu aber gleich noch genauer.
00:05:23: LUKAS: Sehr gut aufgepasst. Kommen wir zum Pankreas. Hier haben wir die Langerhans-Inseln. Wir müssen die Zelltypen den Hormonen zuordnen: Die B-Zellen machen das lebenswichtige Insulin, die A-Zellen das Glucagon und die D-Zellen das Somatostatin, das quasi als „Bremse“ für die anderen beiden fungiert.
00:05:34: SARAH: Und jetzt die Keimdrüsenhormone, also Östrogen und Testosteron. Wo kommen die her?
00:05:39: LUKAS: Die Keimdrüsen der Frau sind die Eierstöcke, bzw eigentlich sogar die Eier mit ihrer Hülle drum herum, also der Follikel. Vor dem Eisprung produziert er Östrogen, nach dem Eisprung produziert die übriggebliebene Hülle, der sogenannte Gelbkörper, das Progesteron.
00:06:03: SARAH: Und beim Mann ist der Hoden die Keimdrüse. Genauer gesagt die Leydigschen Zwischenzellen im Hoden. Dort wird das Testosteron hergestellt. Der Hoden hat nämlich auch einen exokrinen Drüsenanteil: die Samenkanälchen, wo die Samenzellen gebildet werden.
00:06:18: LUKAS: Klasse. Jetzt haben wir es, oder?
00:06:20: SARAH: Naja, zum Abschluss der Inventur noch die „Bonus-Hormone“: Die Niere liefert uns Erythropoetin (kurz EPO) für die Bildung der roten Blutkörperchen und das Renin für den Blutdruck. Und unsere Gewebehormone wie das Gastrin aus dem Magen oder das Histamin aus den Mastzellen dürfen wir nicht vergessen – die wirken oft lokal, dort wo sie gebraucht werden.
00:06:42: LUKAS: Das war eine lange Liste. Bevor jetzt zur Regulation und den Wirkungen kommen, lass uns einmal durchatmen.
00:06:49: SARAH: Oja, das ist eine gute idee. Jetzt kennen wir die Drüsen, verstehen ihre Verschaltungen miteinader und kennen auch schon die ganzen Hormone. Da wird es Zeit für meinen Espresso. Magst Du auch einen?
00:07:02: LUKAS: Sehr gern. Vielleicht wollt ihr auch kurz Pause machen oder geht ihr gleich weiter in den 3. Teil? Wie auch immer, liebe Zuhörer, bis gleich.
00:07:09: SARAH: Ja, Leute. Bis gleich.
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