Hormone Teil 3: Das Orchester der Regulation

Shownotes

Die wichtigsten Inhalte dieser Folge:

  • Feedbacksysteme verstehen: Lerne den Unterschied zwischen der komplexen Steuerung über die "Chefetage" (Hypothalamus-Hypophysen-System) und der direkten, selbstregulierenden Steuerung (z.B. beim Blutzucker).
  • Die Schilddrüsen-Achse: Warum TRH, TSH und T3/T4 wie ein Thermostat funktionieren und wie die Drüse von oben kontrolliert wird.
  • Die Königsklasse RAA-System: Wir drillen den Ablauf von Renin über Angiotensin II bis zum Aldosteron – ein Muss für jede Heilpraktikerprüfung.
  • Gegenspieler-Prinzip: Warum das Insulin der einzige Senker ist, während eine "Armee" aus fünf Hormonen (Glucagon, Adrenalin, Cortisol, T3/T4, GH) den Blutzucker anhebt.
  • Stress-Achse & Cortisol: Die Unterschiede zwischen der schnellen "Fight-or-Flight"-Reaktion durch Adrenalin und der langfristigen Wirkung von Cortisol auf das Immunsystem.
  • Sexualhormone: Die anabole Wirkung von Testosteron und die Rolle von Östrogen beim Knochenaufbau sowie im weiblichen Zyklus (LH/FSH).
  • Struktur von oben nach unten: Nutze die anatomische Reihenfolge von der Epiphyse (Melatonin) bis zu den Keimdrüsen, um in der Prüfung nichts zu vergessen.


☑️ Aktueller Hinweis

Prüfung im Oktober 2026 oder März 2027
Dein roter Faden: Der HPA24-Intensivkurs
► HIER findest Du alle Infos



Dein Wissensnetz-Tipp:

Erstelle dir eine Tabelle der Gegenspieler (Antagonisten). Trage links das Hormon ein, das einen Wert senkt (z.B. Calcitonin oder Insulin) und rechts die Hormone, die ihn steigern (Parathormon oder die 5 Blutzucker-Anheber). Das hilft dir, die funktionellen Zusammenhänge blitzschnell abzurufen.



.
💥 Dein nächster Schritt

Besuche unsere Webseite:
► HIER geht es zu Heilpraktikerausbildung24.de

Besuche meinen Youtube-Kanal:
► HIER geht es zum Youtube-Kanal

Transkript anzeigen

00:00:00: SARAH: Hallo an euch alle! Willkommen zurück zu den Heilpraktiker-Hacks, Teil 3 unserer Hormonreise. Lukas, wir haben im ersten Teil das Hypothaamus-Hypophysen-System kennengelernt und uns einen Überblick über die Hormondrüsen verschaft. Im zweiten Teil haben wir dann die einzelnen Hormone der Drüsen zusammengestellt und auch schon einige Wirkungen und Regulationen kennengelernt.

00:00:23: LUKAS: Ja, vor allem haben wir uns mit den glandotropen Hormonen beschäftigt. Jetzt wollen wir das auf die anderen Hormone ausdehnen. Wann kommen sie eigentlich auf`s Spielfeld und als vierte Frage: Was machen sie da eigentlich.

00:00:34: SARAH: OK, legen wir los.

00:00:36: LUKAS: OK, Sarah, dann sag mir doch mal, was ist ein Feedbacksystem und was hat es mit den Hormonen zu tun?

00:00:42: SARAH: Aber gern, Lukas. Jede Hormondrüse reagiert auf das Vorhandensein oder Fehlen von einem bestimmten Stoff.

00:00:48: LUKAS: Und bei manchen ist das einfach ein bestimmter Blutwert, dass ist dann sehr direkt. Bei anderen geht es über die Chefetage, den Hypothalamus und die Hypophyse. Das ist das die komplexere Rückmeldung.

00:00:59: SARAH: Ganz genau. So habe ich es gemeint. Fangen wir mit der Schilddrüse an: Stell es dir vor wie ein Thermostat an der Heizung. Der Hypothalamus (der Chef), chekct den Spiegel von T3 und T4 im Blut. Je nachdem schickt er mehr oder weniger vom Releasing-Hormon (TRH) zur Hypophyse (dem Abteilungsleiter). Die Hypophyse schickt dann mehr oder weniger TSH zur Schilddrüse. Und die Schilddrüse produziert dann mehr oder weniger T3 und T4. Sobald der Spiegel dieser Hormone im Blut also steigt oder fällt, merkt das der Hypothalamus und sagt: „Okay, wir haben genug oder zuwenig, Produktion drosseln, beziehungsweise steigern!“

00:01:17: LUKAS: Das ist der glandotrope Weg. Die Schilddrüse wird also von oben, vom Hypothalamus-Hypophysen-System kontrolliert. Aber wir haben ja gesagt, es gibt Ausnahmen. Der Blutzucker zum Beispiel wird nicht über das Gehirn gesteuert. Das Pankreas misst den Zucker im Blut einfach selbst. Das ist die selbstregulierende, direkte Steuerung. Insulin und Glucagon unterliegen also einer ganz engen Rückkopplung direkt über den Glucosewert im Blut.

00:01:30: SARAH: Und dann unser zweiter großer Sonderfall: Das RAA-System (Renin-Angiotensin-Aldosteron). Das ist die „Königsklasse“ der Regulation. Lukas, erklär das nochmal kurz für die Prüfung!

00:02:13: LUKAS: Okay, ganz einfach: Die Niere bemerkt, dass der Blutdruck oder das Blutvolumen sinkt. Sie schüttet Renin aus. Das Renin trifft im Blut auf das Angiotensinogen (aus der Leber) und spaltet es zu Angiotensin I. Ein Enzym namens ACE, Angiotensin-Converting-Enzym wandelt das dann in Angiotensin II um. Und Angiotensin II ist ein echtes Multitalent: Es verengt die Gefäße UND sagt der Nebennierenrinde: „Schütt mal Aldosteron aus!“. Aldosteron sorgt dann dafür, dass die Niere Natrium und Wasser zurückhält. Ergebnis: Der Blutdruck steigt!

00:02:45: SARAH: Sammeln wir mal die glandotrop gesteuerten Hormone: Da war zuerst die Schilddrüse mit T3 und T4, die durch TSH gesteuert wird, das wiederrum durch TRH gesteuert wurde. Allerdings nicht vergessen: Die Schilddrüse produziert auch Calcitonin. Das ist aber direkt reguliert über den Blut-Kalzium-Spiegel.

00:03:04: LUKAS: Und dann haben wir noch das Kortisol aus der mittleren Schicht der Nebennierenrinde. Das wird durch ACTH aus der Hypophyse gesteuert.

00:03:08: SARAH: Und das ACTH selber wird durch CRH aus dem Hypothalamus gelenkt. So langsam habe ich den Bogen raus, Lukas!

00:03:18: LUKAS: OK, dann noch die letzten glandotropen Hormone: Das sind die Hormnone der Keimdrüsen. Im Hypophysen-Vorderlappen, wo ja die ganzen glandotropen Hormone herkommen, gibt es dafür das LH und das FSH. D LH, das Luteinisierungshormon, das, wie man am Namen schon hört - Lutein ist ein gelber Farbstoff - sich um den Eisprung und dann um den Gelbkörper bei der Frau kümmert und dort die Progesteronproduktion anschiebt. Beim Mann aktiviert das LH die Testosteronbildung in den Leydigschen Zwischenzellen im Hoden.

00:03:20: SARAH: Und das FSH, das Follikelstimulierende Hormon. Das fördert bei der Frau die Reifung des Eifollikels und seine Östrogenproduktion und beim Mann aktiviert es die Bildung der Samenzellen in den Samenkanälchen des Hodens. Und LH und FSH werden auch wieder vom Hypothalamus reguliert. Da lassen wir aber die Einzelheiten weg.

00:03:30: LUKAS: Wow, das muss man erstmal sacken lassen. Aber es ist logisch: Jedes Glied in der Kette hat eine Aufgabe. Ich finde ja den Zusammenhang beim EPO auch sehr spannend. Die Niere bildet nämlich dann mehr Erythropoetin, wenn es zu einem Sauerstoffmangel im Blut kommt. Und es macht ja total Sinn, denn denkt der Körper: OK, da ist zuwenig Sauerstoff, also mache ich mehr Erys, dann kann ich vielleicht doch mehr Sauerstoff transportieren.

00:04:25: SARAH: Jetzt muss ich mal überlegen: Welche Hormone fehlen denn jetzt noch? Wir haben die Schilddrüse schon gehabt, den Pankreas, die Niere, die Nierenrinde und die Keimdrüsen. Ah, ich weiss: Es fehlt noch das Nebennierenmark.

00:04:35: LUKAS: O ja, das dürfen wir nicht vergessen. Wie wird das denn reguliert? Irgendetwas vom Sympathikus hast da doch erwähnt.

00:04:44: SARAH: Ja, es gehen direkt Nerven von dem Sympathikuszentren im Zentralnervensystem zu den Zellen des Nebennierenmarks und aktivieren sie. Das ganze wird also vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Und weisst Du was?

00:04:56: LUKAS: Ja, ich weiss, an was Du denkst. Und wer reguliert das vegetative Nervensystem? Das ist tasächlich auch wieder der Hypothalamus. Mit dem freunde ich mich ab jetzt richtig gut an. Dann ist das mit Prüfungsstress kein Thema mehr für mich.

00:05:09: SARAH: Ok, dann machen wir jetzt mit der Frage 4 weiter: Was sind die wichtigsten Wirkungen der Hormone. Und dann: Was geschieht im Körper eigentlich durch diese Wirkung. Was ist sozusagen der große Plan hinter der kleinen Aktivität?

00:05:18: LUKAS: Genau. Ein Hormon hat einen spezifischen Wirkmechanismus an seiner Zielzelle, den wir kennen sollten. Und darüber hinaus wollen wir auch wissen, wozu diese Wirkung führen soll. Was passiert mit dem Patienten? Nehmen wir das Beispiel Insulin. Die Wirkung ist: Es macht die Zellen durchlässig für Glukose. Die Glucose geht in die Zellen hinein. Die Zielwirkung ist: Der Blutzuckerspiegel sinkt.

00:05:40: SARAH: Und jetzt kommt die absolute „Einser-Frage“ in der Prüfung: Wer sind die Gegenspieler des Insulins?

00:05:49: LUKAS: Da muss man sich merken: Insulin ist der einzige „Senker“. Es gibt aber fünf Hormone, die den Blutzuckerspigel anheben können. Wenn der Zucker zu tief ist, gerät der Körper in Panik und mobilisiert alles, was er hat. Deswegen haben wir fünf große Gegenspieler, die den Zucker erhöhen.

00:05:56: SARAH: In unserer Evolution war der Zucker wohl eher rar, wenn es nur einen Senker und dafür fünf Anheber gibt. ich kann sie auch mal aufzählen: Glucagon (der direkte Gegenspieler aus dem Pankreas), Adrenalin (für die schnelle Energie im Stress), Cortisol (für die dauerhafte Energiebereitstellung), T3 und T4 (die den gesamten Stoffwechsel und Grundumsatz anheizen), Das Wachstumshormon GH (denn Wachstum braucht Energie),

00:06:28: SARAH: Das ist eine Armee gegen einen Solisten! Ähnlich spannend ist das Calcium-Duo: Das Parathormon ist der „Knochenräuber“ – es baut die ganze Knochensubstanz ab und holt Calcium und Phosphate aus dem Knochen ins Blut, um den Spiegel dort konstant zu halten. Das Calcitonin ist der „Knochenschützer“ – es schiebt das Calcium zurück in den Knochen und senkt damit den kalzium-Blutspiegel.

00:06:50: LUKAS: Und jetzt die Stress-Achse: Adrenalin sorgt für die „Fight-or-Flight“-Reaktion (Herzschlag hoch, Pupillen weit, Blutdruck hoch, Bronchien weit - was übrigens alles die gleichen Wirkungen sind, die auch der Sympathikus erzielt. Da sieht man also auch, dass die beiden aus einem Guss sind). Cortisol hingegen ist das Langzeit-Stresshormon. Es wirkt entzündungshemmend (wichtig für die Prüfung!), unterdrückt aber auch das Immunsystem und erhöht eben den Blutzucker. Es wird gerade als Entzündungshemmer oft als Medikament verabreicht, was bei chronischer Einnahme zum Cushing-Syndrom führen kann.

00:07:21: SARAH: Wahnsinn. Wenn man diese Zusammenhänge sieht, versteht man auch, warum Dauerstress krank macht – weil das Cortisol das Immunsystem dauerhaft „schlafen“ legt und gleichzeitig werden die Reserven des Köpers abgebaut, weil er denkt, dass Energie von Nöten ist.

00:07:35: LUKAS: Jetzt haben wir wieder ein paar Hormone übersprungen. Kriegen wir die noch zusammen?

00:07:38: SARAH: Klar. Lass uns einfach nochmal von oben nach unten durchgehen: Also, im Kopf die Epiphyse mit dem melatonin. Das habenw ir übrigens bei der Regulation ganz übersehen. Es wird durch Lich reguliert, deshalb ist es das Schlafhormon. Wenn es Dunkel wird, wird die Produktion hoch gefahren und wir werden müde und schlafen ein.

00:07:54: LUKAS: Hypothalamus und Hypophyse haben wir durch - ach, nein. In der Hypophyse gibt es noch ein Hormon: das MSH, das Melanozyten-stimulierende Horm. Und wie der Name schon sagt: Es stimuliert die Melanozyten der Haut und führt zu einer verstärkten Pigmentierung. Das bringt es total, diese Struktur von oben nach unten. Dann vergisst man einfach nichts.

00:08:15: SARAH: Ja, jetzt also zum Hals. Die Schildrüse haben wir schon und die Nebenschlddrüse auch. Den Thymus im Brustkorb haben wir noch nicht. Man weiss aber auch noch nicht soviel über ihn. In irgendeiner Weise unterstützt der mit dem Hormon Thymosin das Immunsystem.

00:08:17: LUKAS: OK, der Bauchraum. Pankreas haben wir, die Niere auch. Aber in der Nebennierenrinde, da fehlt noch eins: Das Aldosteron. Das wirkt auf die Niere und die Harnbildung. Aus dem Primärharn holt es Natrium und Wasser zurück ins Blut und scheidet dafür Kalium und H-Plus, also die Säurevalenzen des Blutes aus. Es ist also am Wasserhaushalt, am Elektrolythaushalt und am Säure-Basenhaushalt beteiligt und hilft, die Homöostase im Körper aufrecht zu halten.

00:08:34: SARAH: Top! Nebennierenmark hatten wir und die Keimdrüsen - ok, dazu noch ganz knapp: Sexualhormone wirken anbol. Sie bauen den Körper auf. Denk nur an die Anabolika, da ist oft Testosteron mit drin. Östrogen hilft zum Beisiel, die Knochensubstanz aufzubauen, deshalb haben viele Frauen ab der Menopause mit Osteoporose zu tun. Im monatlichen Zyklus sorgt es für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut.

00:08:52: LUKAS: Und die gestagene, also Progesteron, sorgen dann für das Erhalten der Gebärmutterschleimhaut, damit sich das Ei bei Bedarf einnisten könnte. Wenn das Progesteron dann am Ende des Zyklus sinkt, wird die Schleimhaut abgestoßen.

00:09:20: SARAH: Und dann muss das Östrogen wieder für den Aufbau sorgen.

00:09:22: LUKAS: Das ist ein Hammer, Sarah, wirklich. Und wir haben ja nur an der Oberfläche gekrazt. Hormone haben so vielseitige Wirkungen und Vernetzungen, das ist einfach absolut ein Wunder, dass unser Körper so funktioniert.

00:09:43: SARAH: Ja! Ein wichtiger Tipp noch für alle: Schaut euch die Hormone immer als Paare oder Gegenspieler an. Insulin/Glucagon, Parathormon/Calcitonin, Sympathikus/Parasympathikus. Dann lernt man nur halb so viel und versteht doppelt so viel.

00:09:58: LUKAS: Das war ein super Schlusswort. In einer anderen Folge schauen wir uns vielleicht mal die Pathologie an – was passiert, wenn dieses Orchester mal schief spielt, zum Beispiel beim Diabetes oder bei Schilddrüsenerkrankungen.

00:10:09: SARAH: Oh ja, das wird spannend! Aber für heute machen wir Feierabend. Danke fürs Zuhören beim Med-Check!

00:10:14: LUKAS: Macht’s gut und viel Erfolg beim Lernen! Ciao!

00:10:17: SARAH: Bis bald!

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.