Psychotrope Substanzen Teil 1: Überblick und Klinische Syndrome
Shownotes
Die wichtigsten Inhalte dieser Folge:
- Die F1-Landkarte: Wir geben dir den Überblick über die ICD-10 Kodierung und welche Substanzen wie Alkohol, Opioide oder Cannabinoide du für die Prüfung wirklich kennen musst.
- Die NPS-Gefahr: Warum neue psychoaktive Stoffe ("Badesalze") so gefährlich sind und wie der Gesetzgeber mit dem NpS-Gesetz darauf reagiert hat.
- Wichtige Differenzierung (F55): Erfahre, warum Antidepressiva zwar psychotrop wirken, aber im Gegensatz zu Benzodiazepinen nicht abhängig machen – ein Muss für die Heilpraktikerprüfung.
- Die 4 Problemtypen: Wir gehen die "Treppe" der klinischen Syndrome gemeinsam durch: Akute Intoxikation, Schädlicher Gebrauch, Abhängigkeitssyndrom und Entzugssyndrom.
- Schädlicher Gebrauch vs. Abhängigkeit: Wir klären die harten Fakten – ab wann spricht man von einem nachweisbaren Schaden und wann beginnt die chronische Abhängigkeit?
- Exkurs F63: Warum auch nicht-stoffgebundene Süchte wie Spielsucht oder Kleptomanie in dein Wissensnetz gehören.
- Substanz-Check: Kurze Profile zu Opiaten, Stimulanzien (Ritalin-Besonderheit!) und Halluzinogenen.
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Prüfung im Oktober 2026 oder März 2027
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Erstelle dir eine Tabelle für die 10 Substanzgruppen (F10-F19). Notiere dir zu jeder Gruppe zwei typische Beispiele und einen markanten Prüfungsaspekt (z.B. F11 Heroin vs. F17 Tabak). Das hilft dir, die "Schubladen" in deinem Kopf für die mündliche Prüfung zu sortieren.
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00:00:00: SARAH: Hallo zusammen! Willkommen bei den Heilpraktiker-Hacks! Hier sind wieder eure Prüfungsknacker Sarah und Lukas. Heute starten wir eine neue Kurzerie – und zwar zu einem Thema, das in der Prüfung immer wieder auftaucht: F1, die psychotropen Substanzen!
00:00:09: LUKAS: Genau! Und ich sag's gleich vorweg: Das Thema ist umfangreicher als man denkt. Deshalb teilen wir es auf drei Folgen auf. Heute geht's um die Grundlagen – welche Substanzen gibt's überhaupt und wie unterscheiden wir die verschiedenen Problemtypen?
00:00:18: SARAH: Perfekt. Lukas, dann fang doch mal an: Wie ist das Ganze im ICD-10 eigentlich aufgebaut?
00:00:35: LUKAS: Also, die psychotropen Substanzen haben alle eine F1 vor der Nummer. Dann kommt eine zweite Ziffer, die die Substanz selbst kennzeichnet. F1-0 ist Alkohol, F1-1 sind die Opioide, F1-2 Cannabis, F1-3 Sedativa und Hypnotika...
00:00:55: SARAH: Moment, Moment! Das wird ja eine lange Liste. Lass uns das anders machen. Welche sind denn die prüfungsrelevanten Klassiker, die man wirklich draufhaben muss? Und muss man die ICD10 Nummern so genau wissen?
00:01:06: LUKAS: Nein, Es genügt wenn Du weisst, dass wir im Kapitel F1 sind. Und die Top-Kandidaten, das sind: Alkohol – das ist der absolute Prüfungsliebling. Opioide, da gehören Morphium, Heroin, Codein und Fentanyl dazu. Cannabinoide und dann noch Sedativa und Hypnotika, das sind vor allem Barbiturate und Benzodiazepine wie Valium oder Diazepam.
00:01:29: SARAH: Und dann gibt es noch die Gruppen Kokain, Stimulanzien – da fallen Amphetamine drunter, Koffein, Ritalin, und auch Ecstasy, also XTC oder MDMA. Und es gibt noch die Halluzinogene wie LSD und Mescalin. Dann noch Tabak und flüchtige Lösungsmittel...
00:01:49: LUKAS: ...und F1-9 ist der "Sammeltopf" für multiplen Substanzgebrauch. Also wenn jemand mehrere Drogen gleichzeitig nimmt und man nicht mehr entscheiden kann, welche Substanz jetzt die Störung ausgelöst hat.
00:02:00: SARAH: Super! Und es gibt noch zwei besondere Kategorien, die man kennen sollte und die der ICD10 hier nicht aufgreift. Erstens: Die neuen psychoaktiven Stoffe, die NpS. Die werden oft als "Kräutermischungen" oder "Badesalz" verkauft. Total gefährlich, weil man nie genau weiß, was da drin ist!
00:02:19: LUKAS: Genau, und der Gesetzgeber hat da reagiert. Das NpS-Gesetz verbietet jetzt nicht mehr einzelne Substanzen, sondern gleich ganze Stoffgruppen, weil er sonst den ständigen Neuerungen nicht hinterherkommt. Synthetische Cannabinoide zum Beispiel, oder Cathinone. Schließlich können die zu akuten Psychosen führen, so wie andere solcher Subatanzen auch.
00:02:40: SARAH: Und die zweite Besonderheit ist eine andere Gruppe von Stoffen, die auch an einer anderen Stelle im ICD10 aufgeführt werden: F55 – die nichtabhängigkeitserzeugenden Substanzen. Also Sachen, die zwar psychotrop wirken können, aber nicht abhängig machen. Welche gehören da dazu?
00:02:56: LUKAS: Das ist eine wichtige Prüfungsfalle! Antidepressiva zum Beispiel. Die wirken psychotrop, aber sie machen nicht abhängig. Dann Laxanzien, Schmerzmittel, Antazida, Vitamine, Anabolika. Merk dir: Antidepressiva sind psychotrop, aber keine Suchtstoffe!
00:03:13: SARAH: Perfekt! Damit haben wir die Landkarte. Jetzt wird's aber richtig wichtig: Wir müssen vier verschiedene Problemtypen bei Substanzen unterscheiden. Das gilt für alle dieser Substanzen. Jede kann diese Probleme machen - natürlich in unterschiedlicher Stärke. Lukas, kannst du diese vier klinischen Syndrome mal auflisten?
00:03:32: LUKAS: Klar! Erstens: Akute Intoxikation. Zweitens: Schädlicher Gebrauch. Drittens: Abhängigkeitssyndrom. Und viertens: Entzugssyndrom. Es gibt noch ein paar mehr, aber diese vier sind die wichtigsten. Der Vollständigkeit halber aber: Es gibt zum Beispiel noch die Flashbacks oder die akuten Psychosen oder das amnestische Syndrom (das wir als Korsakow-Syndrom kennen). Das Wichtige ist aber: Ein und dieselbe Substanz kann alle diese Problemtypen auslösen – je nachdem, wie und wie oft man sie konsumiert.
00:04:05: SARAH: Ja! Und das ist der Knackpunkt: Man muss zeitlich und qualitativ unterscheiden. Fangen wir mit der akuten Intoxikation an. Was ist das?
00:04:13: LUKAS: Das ist einfach eine Vergiftung – einmalig oder selten. Denk an jemanden, der einmal im Jahr an Silvester zu viel trinkt. Keine Dauerhaftigkeit, keine Gewohnheit. Einfach eine vorübergehende Vergiftung.
00:04:25: SARAH: Und wie definiert das ICD-10 genau?
00:04:27: LUKAS: Das ICD-10 sagt: Ein Zustandsbild mit Störungen des Bewusstseins, der kognitiven Funktionen, der Wahrnehmung, des Affekts, des Verhaltens oder anderer psychophysiologischer Funktionen. Klingt kompliziert, heißt aber einfach: Der Mensch ist akut vergiftet und funktioniert gerade nicht normal. Wie es genau aussieht, hängt jetzt natürlich von der Substanz ab, die die Intoxikation verursacht hat. Dazu kommen wir aber erst im zweiten Teil dann genauer.
00:04:54: SARAH: OK, verstanden. Und was ist dann der Unterschied zum schädlichen Gebrauch?
00:04:58: LUKAS: Beim schädlichen Gebrauch wird's ernst. Da haben wir wiederholte Intoxikationen – also nicht nur einmal im Jahr, sondern regelmäßig. Und – das ist ganz wichtig – es müssen deutliche körperliche oder psychische Schäden nachweisbar sein!
00:05:11: SARAH: Also zum Beispiel eine Hepatitis durch Alkohol, oder eine Depression durch Cannabis?
00:05:17: LUKAS: Exakt! Der ICD-10 sagt: mindestens einen Monat lang oder wiederholt innerhalb von 12 Monaten. Und es ist sozusagen das Vorstadium zur Abhängigkeit. Wichtig: Es liegt noch keine Abhängigkeit vor, auch kein Entzug! Der schädliche Gebrauch ist ja eine eigene Diagnose im ICD10, genauso wie dann eben die Abhängigkeit oder der Entzug.
00:05:38: SARAH: Das kann ich mir gut merken. Jemand trinkt regelmäßig, hat vielleicht schon eine kaputte Leber, aber ist noch nicht abhängig. Der kann theoretisch noch aufhören, ohne Entzugserscheinungen zu bekommen.
00:05:48: LUKAS: Genau so ist es! Und dann kommt die nächste Stufe: Das Abhängigkeitssyndrom. Das ist der chronische Zustand. Da reden wir in der nächsten Folge ganz ausführlich drüber, weil das super prüfungsrelevant ist.
00:06:00: SARAH: Richtig. Und die letzte Kategorie ist das Entzugssyndrom. Das tritt auf, wenn die Substanz plötzlich nicht mehr verfügbar ist, oder?
00:06:08: LUKAS: Ja, genau! Das ist das klassische Symptom bei Abhängigkeit. Der Körper hat sich an die Substanz gewöhnt, und wenn sie fehlt, rebelliert er. Aber Achtung: Bei nur gelegentlicher Intoxikation gibt's keinen Entzug!
00:06:23: SARAH: Verstehe. Also nochmal zum Mitschreiben: Vier Problemtypen bei der gleichen Substanz möglich. Akute Intoxikation ist einmalig, schädlicher Gebrauch ist wiederholt mit Schäden, Abhängigkeit ist chronisch, und Entzug kommt, wenn die Substanz fehlt.
00:06:38: LUKAS: Perfekt zusammengefasst! Und jetzt noch ein wichtiger Hinweis für die Prüfung: Man muss bei Substanzen immer auch an die nicht-stofflichen Abhängigkeiten denken. Die fallen unter F63.
00:06:47: SARAH: Ah ja, das sind dann Spielsucht, Internetsucht, Kaufsucht, Pyromanie, Kleptomanie... Also Abhängigkeiten, die nichts mit Substanzen zu tun haben.
00:06:57: LUKAS: Genau! Die Kategorie heißt "Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle". Wichtig zu wissen: Abhängigkeiten sind nicht nur für Substanzen möglich!
00:07:07: SARAH: Super! Und dann gibt's noch den Begriff "Politoxikomanie". Was ist das?
00:07:11: LUKAS: Das ist die Mehrfachabhängigkeit – also wenn jemand von verschiedenen psychotropen Substanzen abhängig ist. Die WHO definiert das so: Abhängigkeit von mehr als einer Droge, Konsum gleichzeitig oder nacheinander, um Wirkungen zu beschleunigen, zu verstärken oder ihnen entgegenzuwirken.
00:07:28: SARAH: Aber der Begriff steht nicht im ICD-10, oder?
00:07:32: LUKAS: Richtig! Im ICD-10 heißt das einfach F19 – multipler Substanzgebrauch. Politoxikomanie ist eher ein WHO-Begriff.
00:07:40: SARAH: OK, ich glaube, wir haben jetzt einen richtig guten Überblick. Lass uns nochmal kurz die wichtigsten Substanzklassen durchgehen, damit die auch wirklich sitzen.
00:07:50: LUKAS: Gute Idee! Also, bei den Opiaten muss man sich merken: Morphium, Opium, Heroin, Codein, Fentanyl. Bei den Sedativa und Hypnotika sind die Stars die Barbiturate und Benzodiazepine – letztere heißen zum Beispiel Valium, Diazepam oder Lorazepam.
00:08:06: SARAH: Und bei den Stimulanzien?
00:08:08: LUKAS: Da haben wir Amphetamine, Koffein, Ritalin – das ist übrigens Methylphenidat und wird bei ADHS verschrieben – und dann Ecstasy, also MDMA.
00:08:19: SARAH: Wobei Ritalin eine Besonderheit hat, oder? Das wirkt bei Kindern anders als bei Erwachsenen?
00:08:25: LUKAS: Exakt! Bei Kindern wirkt es beruhigend, bei Erwachsenen stimulierend. Und es hat kein Abhängigkeitspotenzial – das ist auch wichtig für die Prüfung!
00:08:33: SARAH: Und dann noch schnell zu den Halluzinogenen: LSD und Mescalin sind die Klassiker. Die führen nur zu sehr geringer körperlicher Abhängigkeit, können aber heftige psychische Wirkungen haben.
00:08:44: LUKAS: Genau! Und nicht vergessen: Cannabis ist die häufigste illegale Droge in Deutschland. Das kommt in der Prüfung gern mal vor.
00:08:50: SARAH: Wahnsinn, wie viel da zusammenkommt! Aber ich finde, wir haben das gut strukturiert. In der nächsten Folge gehen wir dann richtig in die Tiefe – mit der akuten Intoxikation und dem Abhängigkeitssyndrom.
00:09:02: LUKAS: Ja, da wird's richtig spannend! Da schauen wir uns dann an, wie die verschiedenen Substanzen wirken – welche fahren den Körper "hoch", welche fahren ihn "runter", und wie erkennt man das?
00:09:12: SARAH: Und wir klären die berühmte "Einser-Frage": Welche fünf Hormone heben den Blutzucker... Ach nee, falsches Thema!
00:09:20: LUKAS: Hahaha! Das war beim Hormonsystem. Hier heißt die Einser-Frage: Welche sechs Kriterien braucht's für ein Abhängigkeitssyndrom nach ICD-10?
00:09:28: SARAH: Genau! Aber das kommt alles in Folge 2. Für heute haben wir die Grundstruktur gelegt: F10 bis F19, die vier Problemtypen, und ein paar wichtige Sonderfälle.
00:09:39: LUKAS: Mein Tipp für euch: Macht euch eine Übersicht mit den Substanzklassen F10 bis F19 und schreibt zu jeder ein, zwei Beispiele. Dann habt ihr das Grundgerüst schon mal im Kopf!
00:09:48: SARAH: Und merkt euch die vier Problemtypen wie eine Treppe: Erst die akute Intoxikation, dann schädlicher Gebrauch, dann Abhängigkeit, dann Entzug. Jede Stufe ist ein bisschen ernster als die vorherige.
00:10:01: LUKAS: Perfekt! Dann sagen wir: Bis zur nächsten Folge! Da wird's dann richtig praktisch mit Pupillen, Promillewerten und dem CAGE-Test!
00:10:09: SARAH: Ich freu mich drauf! Macht's gut und viel Erfolg beim Lernen, ihr Lieben!
00:10:12: LUKAS: Ciao, bis bald!
00:10:14: SARAH: Tschüss!
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