Psychotrope Substanzen Teil 2: Intoxikation & Abhängigkeit sicher erkennen

Shownotes

Die wichtigsten Inhalte dieser Folge:

  • Die Pupillen-Regel: Lerne, wie du durch den Check von Pupillenweite (Mydriasis vs. Miosis), Puls und Antrieb sofort erkennst, ob eine Substanz das Nervensystem hoch- oder runterfährt.
  • Alkohol-Fakten: Wir klären die biphasische Wirkung, die wichtigsten Promille-Grenzen und warum der pathologische Rausch eine unberechenbare psychotische Episode darstellt.
  • Abhängigkeitssyndrom (F1x.2): Erfahre, warum du genau drei der sechs Kriterien (wie Craving, Kontrollverlust oder Toleranzentwicklung) für die Diagnose benötigst.
  • CAGE-Test: Ein schnelles Screening-Tool für die Praxis, um eine wahrscheinliche Alkoholabhängigkeit in Sekunden einzuschätzen.
  • Suchtpotenzial im Vergleich: Warum Crystal Meth extrem gefährlich ist, während Antidepressiva entgegen vieler Vorurteile kein Abhängigkeitspotenzial besitzen.
  • Therapie & Recht: Die vier Phasen der Alkoholtherapie und das klare Verbot der Substitutionsbehandlung für Heilpraktiker.


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Dein Wissensnetz-Tipp:

Erstelle dir eine Tabelle für die wichtigsten Substanzen (Alkohol, Opiate, Kokain, Cannabis). Trage in die Spalten die Pupillenweite, den Puls und den Antrieb bei einer akuten Intoxikation ein. Wenn du dieses Muster einmal verinnerlicht hast, kann dich keine Fangfrage zur Symptomatik mehr aus der Ruhe bringen.



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Transkript anzeigen

00:00:00: SARAH: Hallo zusammen! Willkommen zurück bei den Heilpraktiker-Hacks! Hier sind wieder eure Prüfungsknacker Sarah und Lukas. Heute geht's um Folge 2 unserer F1-Serie mit den psychotropen Substanzen – und zwar wird's jetzt richtig praktisch!

00:00:15: LUKAS: Genau! In der ersten Folge haben wir die Grundstruktur kennengelernt – F10 bis F19 und die vier Problemtypen. Heute tauchen wir in die ersten beiden Problemtypen tiefer ein: Wie erkenne ich eine akute Intoxikation? Und wann liegt ein Abhängigkeitssyndrom vor?

00:00:31: SARAH: Los geht's! Lukas, fang doch mal mit dem Wichtigsten an: Wie unterscheide ich, ob jemand eine Substanz genommen hat, die ihn "hochfährt" oder "runterfährt"?

00:00:41: LUKAS: Das ist die Grundregel für alle Intoxikationen! Es gibt zwei Hauptrichtungen: "hochfahren" und "runterfahren". Denk dabei an Sympathikus versus Parasympathikus – das ist nicht hundertprozentig physiologisch korrekt, aber als Merkhilfe super!

00:00:56: SARAH: Und woran erkenne ich das?

00:00:58: LUKAS: An drei einfachen Markern: Die Pupillen! Bei "hochfahren" sind die Pupillen groß – Mydriasis. Der will alles sehen! Bei "runterfahren" sind sie klein – Miosis. Der pennt gleich ein. Dann der Puls: hochfahren = Tachykardie, runterfahren = Bradykardie. Und das Verhalten: hochfahren = gesteigerter Antrieb, runterfahren = sediert, liegt nur rum.

00:01:06: SARAH: Das ist genial einfach! Also wenn ich in der Prüfung "Mydriasis, Tachykardie, gesteigerte Vigilanz" lese, dann denke ich: Der hat was genommen, das ihn hochfährt!

00:01:32: LUKAS: Exakt! Und jetzt müssen wir nur noch wissen: Welche Substanz fährt hoch, welche runter? Fangen wir mit dem Prüfungsliebling an: Alkohol. Der ist aber ein Sonderfall.

00:01:37: SARAH: Warum Sonderfall?

00:01:43: LUKAS: Weil Alkohol biphasisch wirkt! Wenig Alkohol = anregend, hochfahrend. Viel Alkohol = sedierend, runterfahrend. Deswegen sind manche auf Partys erst lustig und dann liegen sie in der Ecke.

00:01:56: SARAH: Verstehe! Und was muss ich noch über die Alkoholintoxikation wissen?

00:02:00: LUKAS: Die Promillewerte! 0,3 bis 0,5 Promille: gehobene Stimmung, Enthemmung. 0,5 bis 1,5: Rauschstadium mit Gleichgewichtsstörungen. 1,5 bis 2,5: Betäubungsstadium. Ab 3 Promille wird's lebensgefährlich, ab 4 tödlich!

00:02:18: SARAH: Und dann gibt's noch den pathologischen Rausch, oder?

00:02:21: LUKAS: Ja! Das ist eine psychotische Episode nach geringster Menge – bei Menschen mit Hirnschädigung oder starker Erschöpfung. Kommt schnell, dauert nur Minuten, und die Leute können gewalttätig werden. Total unberechenbar!

00:02:34: SARAH: Krass. Und welche Substanzen fahren sonst noch runter?

00:02:38: LUKAS: Die Opioide – also Heroin, Morphin, Codein. Die klassischen Zeichen: Miosis, die Pupillen sind ganz eng. Atemdepression, Bradykardie. Die Leute sind sediert, schlafen ein. Wenn du einen bewusstlosen Menschen mit Atemstörung und Miosis findest – denk an Heroin!

00:02:54: SARAH: Und was fährt hoch?

00:02:57: LUKAS: Cannabis fährt hoch – Mydriasis, gerötete Augen, Ideenflucht. Kann aber auch zu Horrortrips führen. Kokain fährt massiv hoch: Mydriasis, Tachykardie, Euphorie, erhöhte Vigilanz, Hypertonie. Und Amphetamine natürlich auch.

00:03:13: SARAH: Wobei Cannabis die häufigste illegale Droge in Deutschland ist, richtig?

00:03:17: LUKAS: Genau! Das sollte man sich merken. Und noch was Wichtiges: Halluzinogene wie LSD. Die führen zu Wahrnehmungsstörungen, Denkstörungen, Horrortrips. Am ehesten fahren sie hoch, aber nicht so wie die anderen Drogen. Es kommt sehr auf den Trip an, den die Leute gehen. Ist er serh Angstbesetzt, dann haben wir natürlich das ganze Sympatikusprogramm.

00:03:27: SARAH: Okay, das muss ich mir merken. So - ich glaube, die Intoxikation haben wir ganz gut im Griff. Jetzt wird's ernst: Das Abhängigkeitssyndrom. Das ist doch das mit den sechs Kriterien, oder?

00:03:50: LUKAS: Richtig! Das ist die "Einser-Frage" für die Prüfung. Man braucht mindestens drei der sechs Kriterien, und die müssen während des letzten Jahres gleichzeitig vorhanden gewesen sein.

00:04:00: SARAH: OK, dann zähl mal auf!

00:04:02: LUKAS: Erstens: Craving – also starker Wunsch oder Zwang zur Substanzeinnahme. Das unwiderstehliche Verlangen. Zweitens: Kontrollverlust. Wichtig: Das heißt nicht, dass man sein Leben nicht mehr im Griff hat! Es heißt: Wenn ich anfange zu trinken, kann ich nicht mehr aufhören.

00:04:18: SARAH: Also nicht ein Gläschen, sondern bis zum Umkippen?

00:04:25: LUKAS: Genau! Drittens: Körperliches Entzugssyndrom – wenn die Substanz fehlt, rebelliert der Körper. Viertens: Toleranzentwicklung – man braucht immer mehr für die gleiche Wirkung.

00:04:32: SARAH: Das sind vier. Was sind fünf und sechs?

00:04:35: LUKAS: Fünftens: Einengung auf den Stoff. Das Leben dreht sich nur noch um die Substanz – Beschaffung, Konsum, Vernachlässigung von allem anderen. Denk an jemanden, der im Winter rausgeht zum Rauchen, obwohl es eiskalt ist.

00:04:38: SARAH: Und sechstens?

00:04:49: LUKAS: Anhaltender Konsum trotz negativer Folgen. Die Leber ist kaputt, der Job ist weg – aber man trinkt weiter. Das ist das tragische Kennzeichen der Abhängigkeit. Das ist übrigens ja auch das Zeichen für schädlichen Gebrauch. Hier in der Abhängigkeit haben wir ja natürlich den schädlichen Gebrauch mit inbegriffen.

00:05:06: SARAH: Das ist heftig. Und wichtig ist: mindestens drei dieser sechs Kriterien müssen vorliegen?

00:05:13: LUKAS: Genau! Und sie müssen im letzten Jahr gleichzeitig da gewesen sein. Nicht nacheinander, sondern zusammen. Und noch was Wichtiges: Die Trinkmenge allein ist kein Kriterium! Es geht um das Muster, nicht um die Menge.

00:05:25: SARAH: Ah, das ist eine gute Prüfungsfalle! Also nur weil jemand viel trinkt, heißt das nicht automatisch Abhängigkeit?

00:05:33: LUKAS: Richtig! Es kommt auf die Kriterien an. Und es gibt auch einen schnellen Test, den man kennen sollte: den CAGE-Test.

00:05:39: SARAH: CAGE – das ist eine Abkürzung, oder?

00:05:42: LUKAS: Ja! C wie Cut down – haben Sie jemals daran gedacht, weniger zu trinken? A wie Annoyed – haben Sie sich über Kritik geärgert? G wie Guilty – haben Sie sich schuldig gefühlt? E wie Eye-opener – trinken Sie morgens als erstes?

00:05:58: SARAH: Und wie wertet man das aus?

00:06:00: LUKAS: Null Punkte: keine Gefahr. Zwei bis vier Punkte: sehr wahrscheinlich Abhängigkeit. Aber schon eine Ja-Antwort kann ein Hinweis sein!

00:06:09: SARAH: Super! Jetzt noch was zum Abhängigkeitspotenzial. Welche Stoffe machen am stärksten abhängig?

00:06:14: LUKAS: Die "Starken" mit Potenzial drei: Heroin, Methadon, Kokain, Tabak, Barbiturate, Crystal Meth. Crystal Meth ist übrigens extrem – wahrscheinlich schon nach einmaligem Konsum Abhängigkeit möglich!

00:06:28: SARAH: Krass! Und mittleres Potenzial?

00:06:29: LUKAS: Alkohol, Benzodiazepine, Cannabis, Amphetamine. Bei Benzodiazepinen ist das Problem, dass sie oft als Schlafmittel verschrieben werden – und dann rutschen viele Menschen in die Abhängigkeit.

00:06:40: SARAH: Und niedriges Potenzial?

00:06:45: LUKAS: LSD, Halluzinogene, Ecstasy, Koffein. Und ganz wichtig für die Prüfung: Antidepressiva haben kein Abhängigkeitspotenzial! Die sind psychotrop, aber nicht suchterzeugend. dafür gab es ja die eigene Schublade im ICD10: F55.

00:06:52: SARAH: Das ist eine wichtige Unterscheidung! Und Ritalin, das bekannte ADHS-Mediakament?

00:06:57: LUKAS: Ritalin hat auch kein Abhängigkeitspotenzial. Und es wirkt altersabhängig – bei Kindern beruhigend, bei Erwachsenen stimulierend. Das wird gerne in der Prüfung gefragt!

00:07:07: SARAH: OK, lass uns noch kurz über die Therapiephasen sprechen. Wie läuft die Behandlung bei Alkoholabhängigkeit?

00:07:14: LUKAS: Es gibt vier Phasen: Erst die Motivationsphase, dann die Entgiftung – die dauert ein bis drei Wochen und kann lebensbedrohliche Symptome haben! Dazu kommen wir im dritten Teil, wenn es um den Entzug geht. Dann die Entwöhnungsphase, die geht zwei bis sechs Monate, meist stationär. Und zuletzt die Nachsorge mit Selbsthilfegruppen.

00:07:33: SARAH: Und ganz wichtig: Der Alkoholentzug darf nur stationär gemacht werden, niemals ambulant!

00:07:39: LUKAS: Genau! Das ist lebensgefährlich. Der Entzug beginnt meist am zweiten bis dritten Tag nach dem letzten Alkohol und kann mit einem Delir einhergehen.

00:07:48: SARAH: Und bei Opiaten gibt's die Substitution mit Methadon, richtig?

00:07:52: LUKAS: Ja, aber wichtig: Methadon hält die Abhängigkeit aufrecht! Es ist nicht so, dass man dadurch abstinent wird. Aber es senkt das Abhängigkeitspotenzial und vermindert die Illegalität. Und es ist in der Schwangerschaft die erste Wahl.

00:08:06: SARAH: Und Heilpraktiker dürfen das nicht durchführen?

00:08:10: LUKAS: Richtig! Heilpraktiker dürfen keine Substitutionsbehandlung mit Methadon durchführen – auch nicht an Sonntagen oder Feiertagen. Methadon steht, wie viele andere der psychotropen Stoffe im Betäubungsmittelgesetz. Und Betäubungsmittel dürfen ja nicht mal normale Ärzte verschreiben oder verabreichen. Dazu braucht es einer Sondergenehmigung. Dafür dürfen wir aber natürlich zum Beispiel eine Suchtberatung durchführen!

00:08:32: SARAH: Das muss man sich merken! Gut, ich glaube, wir haben jetzt die wichtigsten Punkte durch. Was würdest du sagen, ist das absolute "Must-know" für die Prüfung?

00:08:43: LUKAS: Die Pupillen-Regel! Miosis = runterfahrend wie Opiate. Mydriasis = hochfahrend wie Kokain oder Cannabis. Und die sechs Kriterien für Abhängigkeit – mindestens drei müssen vorliegen.

00:08:54: SARAH: Und der CAGE-Test ist auch super prüfungsrelevant. Plus: Antidepressiva machen nicht abhängig, auch wenn sie psychotrop sind!

00:09:03: LUKAS: Perfekt! In der nächsten Folge machen wir dann das Entzugssyndrom – da wird's nochmal spannend, weil Opiate eine große Ausnahme sind!

00:09:10: SARAH: Oh ja, da freu ich mich drauf! Aber für heute haben wir genug gelernt. Macht's gut, ihr Lieben!

00:09:15: LUKAS: Viel Erfolg beim Lernen! Und denkt dran: Die Pupillen verraten alles!

00:09:19: SARAH: Ciao!

00:09:20: LUKAS: Bis bald!

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