Psychotrope Substanzen Teil 3: Entzugssyndrom & Spezialfälle
Shownotes
Die wichtigsten Inhalte dieser Folge:
- Das Delir-Prinzip: Lerne, warum du dir beim Entzug fast aller Stoffe ein "vegetatives Hochfahren" vorstellen kannst und wie dir das in der Prüfung hilft.
- Lebensgefahr Alkoholentzug: Warum ein Alkoholentzug niemals ambulant durchgeführt werden darf und was die Letalität im Delir bedeutet.
- Benzodiazepine & Opiate im Vergleich: Wir klären, warum der Opiatentzug zwar unangenehm, aber meist nicht lebensbedrohlich ist, während Benzodiazepine ausschleichend abgesetzt werden müssen.
- Die Pupillen als Kompass: Miosis oder Mydriasis? Erfahre, wie du anhand der Augen sofort erkennst, in welchem Zustand sich dein Patient befindet.
- Wichtige Spezialfälle (F55 & F63): Warum Antidepressiva nicht abhängig machen und welche nicht-stoffgebundenen Süchte (wie Spielsucht) du kennen musst.
- Echopsychosen & Designerdrogen: Was hinter den Flashbacks bei Cannabis steckt und welche Gefahren von Ecstasy, Ketamin oder GHB ausgehen.
- Substitution: Die Rolle von Methadon in der Therapie und die rechtliche Grenze für Heilpraktiker (BtmG).
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Erstelle dir eine Übersichtstabelle mit den Spalten "Intoxikation" und "Entzug". Trage für die wichtigsten Substanzen (Alkohol, Opiate, Benzos) die Pupillenreaktion und die vegetativen Symptome ein. Wenn du merkst, dass Entzug fast immer das Gegenteil der Intoxikation ist, hast du das System verstanden! Das ist genau das vernetzte Denken, das in der Heilpraktikerprüfung gefragt ist.
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00:00:00: SARAH: Hallo zusammen! Willkommen zur finalen Folge unserer F1-Serie bei den Heilpraktiker-Hacks! Hier sind eure Prüfungsknacker Sarah und Lukas. Heute schließen wir ab mit dem Entzugssyndrom und ein paar wichtigen Spezialfällen!
00:00:10: LUKAS: Genau! In Folge 1 hatten wir die Grundlagen und die vier Problemtypen. In Folge 2 die Intoxikation und Abhängigkeit. Jetzt wird's nochmal richtig prüfungsrelevant mit dem Entzug!
00:00:27: SARAH: Also, Lukas, erklär mir mal: Was ist das Entzugssyndrom überhaupt?
00:00:32: LUKAS: Das ist ganz einfach: Der Körper hat sich an eine Substanz gewöhnt, und wenn sie plötzlich fehlt, rebelliert er. Und jetzt kommt die wichtigste Regel für die Prüfung: Der Entzug sieht bei ALLEN Stoffen vom Prinzip her gleich aus!
00:00:44: SARAH: Warte, bei ALLEN? Egal ob Alkohol, Nikotin, Tabletten?
00:00:49: LUKAS: Genau! Die spezifische Substanz ist egal. Ob Alkohol, Barbiturate, Benzodiazepine, Nikotin – der Entzug läuft nach dem gleichen Muster ab. Denk dir: Alle in eine Schublade!
00:01:01: SARAH: Und wie sieht dieses Muster aus?
00:01:03: LUKAS: Das Hauptsymptom ist das Delir! Entzug = Delirium. Das ist der Gedanke. Da haben wir psychische Symptome wie Halluzinationen und Wahnzustände, körperliche Symptome, und vegetative Entgleisung – Krämpfe, Schwitzen, Zittern. Der Körper fährt in alle Richtungen hoch. Sehr gefährlich! Aber natürlich nicht bei allen Stoffen gleich stark. Das ist der Unterschied.
00:01:25: SARAH: Der ICD10 unterscheidet ja Entzug ohne Delir und Entzug mit Delir. Du asgst aber: Alle sals Delir denken?
00:01:34: LUKAS: Ja, von der Art der Symptomatik, nicht von der Stärke. Ein Entzug ohne Delir ist also von der gleichen Art wie ein Delir, nur eben schwächer. Das Delir selbst ist ja meist ein hochakuter Notfallzustand, bei dem das ganze Vegetativum, die Motorik und die Psyche sozusagen in Panik gerät.
00:01:51: SARAH: Also der Entzug ist grundsätzlich ein "Hochfahr-Zustand"?
00:01:55: LUKAS: Ja! Der Körper ist in Aufruhr. Du findest zum Beispiel: Schwitzen, Zittern, erhöhte Pulsfrequenz, Hypertonie. Das wären jetzt vegetative Symptome. Dazu kann es Krämpfe und sogar Krampfanfälle geben.
00:02:07: SARAH: Das ist dann die Motorik, richtig?
00:02:10: LUKAS: Ja.
00:02:11: SARAH: Und die Psyche?
00:02:12: LUKAS: Die gerät auch völlig außer Rand und Band: Bewusstseinsstörungen bis zum Koma, Orientierungsstörungen, Wahnzustände, Halluzinationen. Das ganze psychotische Programm. Und der Entzug beginnt meist am zweiten bis dritten Tag nach dem letzten Substanzgebrauch.
00:02:27: SARAH: Und das ist lebensgefährlich, deswegen nur stationär, richtig?
00:02:32: LUKAS: Absolut! Vor allem beim Alkohol kommt es oft zum ausgeprägtem Delir. Deshlab darf Alkoholentzug NIEMALS ambulant gemacht werden. Nur stationär! Ein voll ausgepägtes Delir hat selbst auf der Intensivstation noch eine Letalität von über 1-2 Prozent! Das ist kein Spaß.
00:02:48: SARAH: OK, verstanden. Aber du hast vorhin gesagt, der Entzug sieht bei allen gleich aus. Gibt's da keine Ausnahmen?
00:02:55: LUKAS: Doch, na klar. Bei vielen Stoffen kommt es natürlich nicht zu diesem ausgeprägtem Zustand. Denk nur an Koffein oder Nikotin. Das ist nicht vergleichbar. Selbst bei Opiatentzug gibt's KEIN echtes Delir!
00:03:13: SARAH: Also nur noch mal zur Klarstellung: Du sagst, wir sollen bei allen Stoffen ans Delir denken, aber nicht weil es bei allen Stoffen wirklich zum echten Delir kommt, sondern weil die Art der Symptomatik, dieses vegetative Hochfahren eben bei allen im Entzug auftritt.
00:03:30: LUKAS: Genau. Und in den Prüfungsfragen ist das dann eine große Hilfe, weil Du eben locker bleibst, wenn plötzlich nach dem Entzug bei irgendeinem speziellen Stoff gefragt wird. Du weisst ja: die Art der Symptome geht immer in die gleiche Richtung.
00:03:43: SARAH: Ok, das habe ich verstanden.
00:03:45: LUKAS: Der Opiatentzug zum Beispiel ist unangenehm, aber nicht lebensgefährlich wie der Alkoholentzug. Er kann sogar ambulant betreut werden, sollte aber trotzdem therapeutisch begleitet werden.
00:03:53: SARAH: Und wie sieht der Opiatentzug dann aus?
00:03:54: LUKAS: Die Symptome sind natürlich ähnlich: Mydriasis – also weite Pupillen, nicht enge! Tachykardie, Durchfall, Bauchkrämpfe, Muskelschmerzen, Fieber, laufende Nase, gesteigerter Tränenfluss, innere Unruhe, Angst, Schlaflosigkeit. Aber keine Atemdepression! Das war die akute Intoxikation.
00:04:11: SARAH: Das ist echt wichtig zu wissen! Also nochmal: Alkohol-Entzug mit Delir, nur stationär. Opiat-Entzug ohne Delir, kann ambulant betreut werden.
00:04:20: LUKAS: Genau! Und noch ein gefährlicher Entzug: Benzodiazepine! Der sollte unbeingt ausschleichend erfolgen, nie abrupt. Beim Benzodiazepin-Entzug kann es auch zum vollen Delir kommen – und das ist potenziell lebensbedrohlich!
00:04:36: SARAH: Also bei Hochdosisabhängigkeit nicht einfach absetzen?
00:04:39: LUKAS: Richtig! Die Entzugssymptome bei Benzodiazepinen sind: Wahrnehmungsstörungen, Krampfanfälle, Tremor, Dysphorie. Und wichtig: Die Entzugssymptome können sich über Wochen hinziehen!
00:04:51: SARAH: Krass. Und wie ist das bei Cannabis und Nikotin?
00:04:55: LUKAS: Cannabis hat nur schwach ausgeprägte Entzugssymptome: Angst, Tremor, Schlafstörungen, Schwitzen, Reizbarkeit. Und Nikotin hat auch nur leichte Erscheinungen: Hypertonie, Krankheitsgefühl, Konzentrationsstörungen, Ängstlichkeit.
00:05:09: SARAH: Also die "weichen" Drogen haben auch "weichere" Entzüge?
00:05:12: LUKAS: Könnte man so sagen. Aber unterschätz das nicht – für die Betroffenen ist auch das sehr unangenehm! Es ist nur nicht lebensbedrohlich wie bei Alkohol oder Benzodiazepinen.
00:05:24: SARAH: OK, verstanden. Soviel mal zum Entzug und Deli. Jetzt kommen wir noch zu ein paar Spezialinfos! Was müssen wir da wissen?
00:05:30: LUKAS: Fangen wir mit der wichtigsten Prüfungsfalle an: Welche psychotrope Substanz macht KEINE Abhängigkeit?
00:05:40: SARAH: Antidepressiva!
00:05:42: LUKAS: Genau! Die wirken zwar psychotrop, aber sie machen nicht abhängig. Die gehören zu F55, dem schädlichen Gebrauch nichtabhängigkeitserzeugender Substanzen. Das sollte man sich als extra Lernkarte machen!
00:05:50: SARAH: Und dann gibt's noch die nicht-stofflichen Abhängigkeiten, richtig?
00:05:53: LUKAS: Ja, das ist F63 – die abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle. Dazu gehören Spielsucht, Internetsucht, Kaufsucht, Pyromanie, Kleptomanie. Also Abhängigkeiten, die nichts mit Substanzen zu tun haben.
00:06:07: SARAH: Das ist wichtig zu wissen: Abhängigkeiten sind nicht nur für Substanzen möglich!
00:06:13: LUKAS: Genau! Und dann haben wir noch die Flashbacks – die Echopsychosen. Die können bei Cannabis und bei Halluzinogenen auftreten. Auch Monate nach dem letzten Konsum kann plötzlich ein Rausch-Erlebnis zurückkommen.
00:06:24: SARAH: Wahnsinn. Und was ist mit Ecstasy? Da hattest du doch was von Gefahren erwähnt?
00:06:30: LUKAS: Ja! Bei Ecstasy, also MDMA, gibt's mehrere Gefahren: Panikstörungen, Angstzustände, Depressivität, drogeninduzierte Psychosen, zerebrale Krampfanfälle und Hyperthermie – also Überhitzung des Körpers!
00:06:44: SARAH: Und es gibt auch ein paar neuere Substanzen, die man kennen sollte, oder?
00:06:47: LUKAS: Ja, zum Beispiel Ketamin. Das kann bei therapieresistenten Depressionen eingesetzt werden – also wenn andere Antidepressiva nicht wirken. Und GHB, Gamma-Hydroxy-Buttersäure, die sogenannten KO-Tropfen, führen zu Bewusstseinsstörungen bis zur Bewusstlosigkeit.
00:07:03: LUKAS: Gibt es n ochmehr solche Feinheiten?
00:07:12: SARAH: Ja, bei Opiaten gibt's die Substitution mit Methadon. Aber wichtig: Methadon ist auch suchterzeugend und hält die Abhängigkeit aufrecht, richtig?
00:07:21: LUKAS: Genau! Die Substitution führt nicht zur vollständigen Abstinenz. Aber sie verringert das HIV-Risiko durch kontrollierte Abgabe und ermöglicht ein stabileres Leben. Und in der Schwangerschaft ist Methadon die erste Wahl!
00:07:34: SARAH: Und Heilpraktiker dürfen keine Substitution durchführen?
00:07:37: LUKAS: Richtig! HPP dürfen keine Substitutionsbehandlung durchführen. Methado ist auch ein Betäubungsmittel und unterliegt dem BtmG.
00:07:44: SARAH: OK, ich glaube, wir haben jetzt wirklich alles Wichtige durch! Lass uns nochmal kurz zusammenfassen: Was waren die drei wichtigsten Erkenntnisse aus dieser ganzen F1-Serie?
00:07:56: LUKAS: Erstens: Die Pupillen verraten die Richtung! Miosis = runterfahrend, Mydriasis = hochfahrend. Zweitens: Für Abhängigkeit brauchst du mindestens drei von sechs Kriterien. Und drittens: Entzug geht immer Richtung Delir. Echtes Delir aber nur bei Alkohol und Sedativa wie Benzodiazepine!
00:08:15: SARAH: Perfekt! Und mein Tipp: Macht euch Gegenspieler-Paare klar. Insulin und die fünf Gegenspieler... ach nee, falsches Thema wieder!
00:08:24: LUKAS: Ha! Aber das Prinzip stimmt: Intoxikation versus Entzug, hochfahren versus runterfahren, Alkohol mit Delir versus Opiate ohne Delir. So lernt man nur halb so viel und versteht doppelt so viel!
00:08:37: SARAH: Genau! Und wenn ihr in der Prüfung eine Frage zu psychotropen Substanzen seht: Atmet tief durch, denkt an die Pupillen, und überlegt, ob's hochfährt oder runterfährt!
00:08:47: LUKAS: Und vergesst nicht: Antidepressiva machen nicht abhängig, auch wenn sie psychotrop sind.
00:08:53: SARAH: Damit schließen wir unsere F1-Serie ab! Wir hoffen, ihr habt jetzt einen guten Überblick über die psychotropen Substanzen.
00:09:00: LUKAS: Für heute sind wir durch. Vielen Dank fürs Zuhören!
00:09:03: SARAH: Und viel Erfolg bei der Prüfung! Ihr schafft das!
00:09:06: LUKAS: Macht's gut, ihr Lieben! Ciao!
00:09:07: SARAH: Bis bald!
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