ADHS: Symptome, Codes und der ICD-11 Check
Shownotes
Die wichtigsten Inhalte dieser Folge:
- ICD-10 vs. ICD-11: Warum ADHS in der Prüfung noch Hyperkinetische Störung (F90) heißt, aber im neuen System als Neuronale Entwicklungsstörung (6A05) geführt wird.
- Die Alters-Grenze: Merke dir für die Prüfung das Manifestationsalter vor dem 7. Lebensjahr – im ICD-11 wird dies auf 12 Jahre angehoben.
- Leitsymptome-Check: Wir analysieren Unaufmerksamkeit, Überaktivität (nicht-rhythmisch!) und Impulsivität (mangelnde Geduld).
- Prüfungsfalle Zeit & Ort: Symptome müssen seit mindestens 6 Monaten und in mindestens zwei Lebensbereichen (z.B. Schule und Zuhause) auftreten.
- Ätiologie & Mythen: Warum die Ursache genetisch bedingt ist und Faktoren wie Fernsehen oder falsche Erziehung nur verstärkend wirken.
- ADHS bei Erwachsenen: Erfahre, warum die Störung bei 30-50% persistiert und die motorische Unruhe im Alter eher abnimmt, während die innere Desorganisation bleibt.
- Differenzialdiagnose: Warum der Amtsarzt immer den Ausschluss einer Schilddrüsenüberfunktion oder organischer Hirnerkrankungen hören möchte.
- Therapie-Fakten: Schulmedizinische Goldstandards wie Methylphenidat (BtmG-pflichtig) und die Verhaltenstherapie als Methode der Wahl.
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00:00:00: LUKAS: Hallo zusammen! Willkommen bei den Heilpraktiker-Hacks! Hier sind wieder eure Prüfungsknacker Lukas und Sarah. Heute geht's um ein Thema, das fast jeder kennt, aber das trotzdem für Verwirrung sorgt: ADHS!
00:00:14: SARAH: Genau! Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Und Lukas, ich sag's gleich vorweg: Das Spannende ist ja, dass es diesen Begriff im ICD-10 so gar nicht gibt!
00:00:23: LUKAS: Exakt, und das ist schon die erste wichtige Info für die Prüfung. Im ICD-10 heißt das Ganze "Hyperkinetische Störung" und hat die Nummer F90. Der Begriff ADHS kommt eigentlich aus dem amerikanischen DSM-System.
00:00:38: SARAH: Moment, lass uns das mal aufdröseln. Welche Codes muss man denn kennen?
00:00:43: LUKAS: Also, wir sind im Abschnitt F9: Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend. Da haben wir dann die F90.0 – das ist die einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung. Das entspricht am ehesten dem, was man umgangssprachlich ADHS nennt. Dann gibt's F90.1 – die hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens. Da kommt also noch eine Störung des Sozialverhaltens mit dazu.
00:01:09: SARAH: Und dann gibt's ja noch das ADS, also ohne das H für Hyperaktivität. Wo versteckt sich das?
00:01:15: LUKAS: Guter Punkt! Das ist nämlich eine Prüfungsfalle. Die Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität findest du unter F98.8 – also ganz woanders, bei den "sonstigen Störungen". Die ist da ein bisschen versteckt.
00:01:30: SARAH: Das ist ja verrückt. Aber jetzt kommt ja bald der ICD-11, oder? Da ändert sich einiges, hab ich gehört.
00:01:35: LUKAS: Ja, und das sind wirklich wichtige Neuerungen! Im ICD-11 heißt es jetzt offiziell "Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung" – also endlich der Begriff, den sowieso jeder verwendet. Der Code ist 6A05.
00:01:46: SARAH: Und was ich besonders wichtig finde: ADHS wird jetzt als "Neuronale Entwicklungsstörung" eingeordnet. Das bedeutet, es ist keine Frage der Erziehung, sondern eine biologisch und genetisch bedingte Störung!
00:02:02: LUKAS: Genau, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Und im ICD-11 gibt es jetzt drei Präsentationsformen: 6A05.0 ist vorwiegend unaufmerksam – das wäre dann das frühere ADS. 6A05.1 ist vorwiegend hyperaktiv-impulsiv. Und 6A05.2 ist die kombinierte Form.
00:02:18: SARAH: Also wird das ADS im ICD-11 endlich als eigene Präsentationsform anerkannt und nicht mehr irgendwo versteckt. Das macht ja auch viel mehr Sinn!
00:02:31: LUKAS: Absolut. Und noch eine wichtige Änderung beim Manifestationsalter: Im ICD-10 gilt streng – Beginn vor dem 7. Lebensjahr. Im ICD-11 wurde das auf vor dem 12. Lebensjahr angehoben.
00:02:39: SARAH: OK, aber für die Prüfung, die sich ja noch am ICD-10 orientiert, merken wir uns: Beginn vor dem 7. Lebensjahr – immer! Das ist eines der wenigen "immer", die für uns gelten. Es gehört eben zur Definition von ADHS.
00:02:58: LUKAS: Perfekt formuliert. Wenn in der Prüfung steht "Die Störung manifestiert sich nach dem 12. Lebensjahr" oder "erst in der Pubertät" – dann ist das falsch! Das kann dann nicht ADHS sein.
00:03:09: SARAH: So, jetzt lass uns mal zu den Symptomen kommen. Das ist ja DAS Prüfungsthema schlechthin. ADHS hat drei Leitsymptome, richtig?
00:03:17: LUKAS: Ja! Erstens Unaufmerksamkeit, zweitens Überaktivität und drittens Impulsivität. Die muss man wirklich draufhaben.
00:03:24: SARAH: Fangen wir mit der Unaufmerksamkeit an. Was gehört da alles dazu?
00:03:28: LUKAS: Die Kinder sind leicht ablenkbar, machen viele Flüchtigkeitsfehler, brechen Aktivitäten vorzeitig ab. Es kommt häufig zu Lernstörungen – nicht weil die Kinder dumm wären, sondern weil sie sich einfach nicht konzentrieren können.
00:03:40: SARAH: Und ganz wichtig – das kommt in der Prüfung immer wieder vor: Es besteht ein erhöhtes Unfallrisiko!
00:03:47: LUKAS: Ja! Die Kinder rennen einfach über die Straße, ohne zu gucken, hüpfen hier mal runter, klettern da mal rauf. Das hängt auch mit dem dritten Punkt zusammen, der mangelnden Impulskontrolle. Die Unfallneigung kommt aber eher aus der Unaufmerksamkeit.
00:04:00: SARAH: Beides zusammen ist natürlich eine ungünstige Kombi. Wie kann ich mir denn die Impulsivität noch vorstellen?
00:04:06: LUKAS: Emotionale Labilität, Stimmungsschwankungen, Distanzlosigkeit in sozialen Beziehungen, wenig Geduld – die können einfach schwer warten, bis sie an der Reihe sind. Sie machen dann eben einfach schon irgendetwas anderes.
00:04:18: SARAH: Und wie sieht die Überaktivität aus?
00:04:21: LUKAS: Da haben wir motorische Unruhe – diese Kinder können einfach nicht still sitzen. Sie machen rasche, nicht-rhythmische Bewegungen. Das ist übrigens wichtig: nicht-rhythmisch! Dann haben wir häufigen Wechsel von Aktivitäten, Redseligkeit und Lärmen. Eben die klassischen Zappelphilippe!
00:04:36: SARAH: Jetzt noch zwei ganz wichtige Diagnosekriterien, die gerne in Prüfungsfragen auftauchen: Die Symptome müssen in mindestens zwei Lebensbereichen auftreten – also nicht nur in der Schule!
00:04:45: LUKAS: Richtig! Wenn ein Kind nur in der Schule auffällig ist und sonst nirgends, dann würde man eher vermuten, dass es mit der Schulsituation zusammenhängt. Und die Symptome müssen mindestens sechs Monate bestehen – nicht vier Wochen, das ist auch eine Prüfungsfalle!
00:05:00: SARAH: Und noch was Wichtiges: Intelligenzminderung gehört nicht zu ADHS! Das sind zwei völlig verschiedene Baustellen.
00:05:07: LUKAS: Exakt. Das wird in der Prüfung gerne mal als Falschaussage eingebaut.
00:05:12: SARAH: OK, lass uns kurz über die Ursachen sprechen. Das ist ja auch prüfungsrelevant.
00:05:16: LUKAS: Die Ätiologie ist im Wesentlichen genetisch. Man sieht ein gehäuftes familiäres Auftreten. Wenn Geschwister oder Eltern betroffen sind, ist das Risiko erhöht.
00:05:26: SARAH: Und jetzt die nächste Prüfungsfalle: "Die Ursache von ADHS ist zu viel Fernsehen oder Computerspielen."
00:05:31: LUKAS: Falsch! Das sind höchstens fördernde Faktoren, aber nicht die Ursache. Sonst müsste ja jedes Kind, das viel fernsieht, ADHS bekommen. Die genetische Disposition muss da sein.
00:05:42: SARAH: Und genau deshalb setzt die Schulmedizin ja auch so stark auf die medikamentöse Therapie. Wenn es eine neurobiologische Ursache hat, macht ein medikamentöser Ansatz Sinn.
00:05:51: LUKAS: Guter Übergang! Kommen wir zu den Zahlen. Wie viele Kinder sind eigentlich betroffen?
00:05:56: SARAH: Etwa 8% der Kinder und Jugendlichen. Und wer ist häufiger betroffen – Jungen oder Mädchen?
00:06:02: LUKAS: Jungen! Zwei- bis dreimal so häufig wie Mädchen. Wenn in der Prüfung steht "Mädchen sind häufiger betroffen" – falsch ankreuzen!
00:06:09: SARAH: Okay. Jetzt zum Erwachsenenalter. ADHS wächst sich ja nicht einfach aus, oder?
00:06:14: LUKAS: Nein. Das wird auch gerne immer wieder gefragt! 30 bis 50 Prozent der Betroffenen haben auch im Erwachsenenalter noch Symptome. Es heilt nicht bei allen aus.
00:06:23: SARAH: Was ich spannend finde: Die Symptome verändern sich mit dem Alter. Bei Kindern zeigt sich alles mehr nach außen – das Zappeln, Rennen, Lärmen. Bei Erwachsenen geht es mehr nach innen.
00:06:34: LUKAS: Genau! Da haben wir mehr diese innere Unruhe, Nervosität, Desorganisation. Die motorische Unruhe nimmt eher ab mit dem Alter. Wenn in der Prüfung steht "Die motorische Unruhe nimmt im Erwachsenenalter zu" – falsch!
00:06:48: SARAH: Und noch eine Falle: "Impulsives Verhalten spricht gegen ADHS im Erwachsenenalter" – auch falsch! Die Impulsivität kann durchaus bleiben. Manchmal bricht dann die innere Unruhe eben doch nach Außen durch.
00:07:00: LUKAS: Bei Erwachsenen sehen wir auch häufig Komorbiditäten: Substanzmissbrauch – Alkohol, Beruhigungsmittel, weil man ja irgendwie runterkommen will. Dann affektive Störungen wie Depressionen und Angststörungen.
00:07:09: SARAH: Das macht ja auch Sinn. Wenn du ständig innerlich unruhig und unkonzentriert bist, macht dich das auf Dauer fertig.
00:07:16: LUKAS: Absolut. Und wichtig für die Diagnostik beim Erwachsenen: Auch wenn sich jemand erst mit 25 vorstellt – der Symptombeginn muss bis in die Kindheit zurückverfolgbar sein! Sonst ist es kein ADHS.
00:07:28: SARAH: Genau, da schaut man in alte Schulzeugnisse nach Bemerkungen über motorische Unruhe oder Impulsivität.
00:07:35: LUKAS: Apropos Differentialdiagnose: Was muss man noch ausschließen?
00:07:39: SARAH: Organische Ursachen! Das ist dem Amtsarzt immer wichtig. Vor allem die Schilddrüsenüberfunktion – die kann ganz ähnliche Symptome machen mit der inneren Unruhe und Nervosität.
00:07:50: LUKAS: Auch Schädel-Hirn-Traumata oder entzündliche Hirnerkrankungen können ADHS-ähnliche Symptome verursachen. Also immer erst die körperlichen Ursachen abklären!
00:07:56: SARAH: So, jetzt zur Therapie. Da gibt's ja immer heiße Diskussionen.
00:08:01: LUKAS: Ja, aber für die Prüfung ist es klar: Die medikamentöse Therapie mit Psychostimulanzien ist in der Schulmedizin das Mittel der Wahl. Der Klassiker ist Methylphenidat – besser bekannt als Ritalin oder Medikinet.
00:08:13: SARAH: Das Paradoxe daran: Ein Stimulans, das aufputscht, wirkt bei ADHS-Kindern beruhigend!
00:08:18: LUKAS: Genau. Es gibt das als sofort freisetzendes und als verzögert freisetzendes Medikament. Und relativ neu ist Lisdexamphetamin, das unter dem Namen Elvanse läuft – auch für Erwachsene zugelassen. Das sind übrigens beides Medikamente, die unter das BtmG, das Betäubungsmittelgesetz fallen.
00:08:35: SARAH: Als Alternative gibt's noch Atomoxetin. Das ist ein Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, also kein Stimulans.
00:08:42: LUKAS: Und wie wurde das in den Prüfungsfragen gefragt? "Beruhigungsmittel sind die Therapie der Wahl" – falsch!
00:08:49: SARAH: "Bei ADHS Patienten führt nur eine streng phosphatarme Diät zu einer deutlichen Besserung der Symptome" – auch falsch! Also, sie kann vielleicht unterstützend helfen, aber das "nur" in der Aussage macht sie falsch.
00:08:59: LUKAS: "Eine medikamentöse Behandlung ist bei Erwachsenen kontraindiziert" – falsch! Sie wirkt vielleicht nicht immer so gut wie bei Kindern, aber kontraindiziert ist sie nicht.
00:09:08: SARAH: Und bei der Psychotherapie?
00:09:10: LUKAS: Da ist die Verhaltenstherapie die Methode der Wahl. Man übt ganz konkret Strategien ein, wie man mit der Unruhe und Unaufmerksamkeit umgehen kann.
00:09:18: SARAH: Dazu kommen Psychoedukation und Ergotherapie fürs Alltagstraining. Und Elterntraining ist auch oft sinnvoll.
00:09:24: LUKAS: Genau! Und Achtung Prüfungsfalle: "Bei oppositionellem Verhalten des Kindes ist ein Elterntraining kontraindiziert" – falsch! Gerade dann kann es hilfreich sein.
00:09:33: SARAH: Noch eine wichtige Frage: "Spieltherapie ist die Therapie der Wahl" – falsch! Das wäre zu unspezifisch.
00:09:40: LUKAS: Und: "Mit Flooding-Techniken erreicht man rasches Verschwinden der Symptome" – auch falsch! Reizüberflutung ist bei Aufmerksamkeitsproblemen wirklich nicht der optimale Ansatz.
00:09:50: SARAH: Stimmt. Wenn überhaupt, baut man sowas ganz langsam auf, aber sicher nicht als schnelle Lösung.
00:09:56: LUKAS: Zum Abschluss noch kurz die Komorbiditäten: Störungen des Sozialverhaltens – die sind im ICD-10 sogar als eigene Kombidiagnose F90.1 erfasst. Dann Tic-Störungen und das Tourette-Syndrom, die treten häufig zusammen mit ADHS auf. Und Lernstörungen.
00:10:10: SARAH: OK, Lukas, lass uns nochmal die wichtigsten Punkte zusammenfassen.
00:10:14: LUKAS: Also: Erstens – Manifestation vor dem 7. Lebensjahr, immer! Im ICD-11 dann vor dem 12. Lebensjahr. Zweitens – Jungen sind häufiger betroffen, nicht Mädchen. Drittens – mindestens zwei Lebensbereiche, nicht nur Schule. Viertens – mindestens sechs Monate, nicht vier Wochen.
00:10:35: SARAH: Fünftens – es heilt nicht bei allen aus, 30 bis 50 Prozent persistieren ins Erwachsenenalter. Sechstens – Intelligenzminderung gehört nicht dazu. Siebtens – die Ursache ist genetisch, nicht Fernsehen!
00:10:47: LUKAS: Und bei der Therapie: Methylphenidat ja, Beruhigungsmittel nein, Verhaltenstherapie ja, Spieltherapie und Flooding nein!
00:10:57: SARAH: Perfekt! Übrigens, falls ihr das Thema nochmal in Ruhe durchgehen wollt: Mir helfen bei solchen komplexen Prüfungsthemen die Videotrainings von Stefan Barres total. Da werden genau solche Prüfungsfallen nochmal richtig gut erklärt.
00:11:10: LUKAS: Ja, Heilpraktikerausbildung24 – die Videos und Live-Kurse kann ich auch empfehlen. Gerade wenn man kurz vor der Prüfung steht und nochmal alles kompakt wiederholen will.
00:11:20: SARAH: Gut, das war's für heute zum Thema ADHS! Wir hoffen, ihr habt jetzt einen guten Überblick und seid fit für die Prüfungsfragen.
00:11:27: LUKAS: Und vergesst nicht: Im ICD-10 heißt es noch hyperkinetische Störung, aber der ICD-11 kommt! Da heißt es dann endlich offiziell ADHS.
00:11:35: SARAH: Macht's gut und viel Erfolg beim Lernen, ihr Lieben!
00:11:38: LUKAS: Ciao, bis zur nächsten Folge!
00:11:40: SARAH: Tschüss!
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