Hygiene Teil 1: Keimfrei durch die Prüfung: Alles zu § 36 IfSG und der Händedesinfektion

Shownotes

Die wichtigsten Inhalte dieser Folge:

  • Der rechtliche Rahmen: Warum der § 36 IfSG die Basis bildet, aber die Länder-Hygieneverordnungen deine konkrete Pflicht zur Erstellung eines Rahmenhygieneplans regeln.
  • Qualitätssiegel Gesundheitsamt: Warum die infektionshygienische Überwachung bei invasiven Tätigkeiten keine Schikane, sondern ein Sicherheitsmerkmal ist.
  • Persönliche Hygiene: Warum kurze, unlackierte Fingernägel und der Verzicht auf Uhren oder Ringe in der Heilpraktikerprüfung entscheidende Punkte bringen.
  • Die Händewaschen-Falle: Warum die Händedesinfektion (nicht das Waschen!) die wichtigste Maßnahme zur Infektionsverhütung ist.
  • Hygienisch vs. Chirurgisch: Der entscheidende Unterschied zwischen der Reduktion der transienten Flora (Anflugkeime) und der residenten Flora (Hautporen).
  • Injektionen meistern: Die Zauberformel "Sprühen - Wischen - Sprühen" für eine sichere Hautdesinfektion vor dem Pieks.
  • Wirkungsbereiche verstehen: Wie du dir den Unterschied zwischen Bereich A (Bakterien, Pilze) und Bereich D (Bakteriensporen) kinderleicht merkst.


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Dein Wissensnetz-Tipp:

Schnapp dir ein Desinfektionsmittel in deiner Reichweite und prüfe das Etikett: Wie lange ist die Einwirkzeit für die hygienische Händedesinfektion? Welchen Wirkungsbereich (z.B. A) deckt es ab? In der mündlichen Prüfung ist das "Lesen der Flasche" ein echter Rettungsanker!



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Transkript anzeigen

00:00:00: SARAH: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Heilpraktiker-Hacks! Ich bin Sarah.

00:00:04: LUKAS: Und ich bin Lukas. Heute widmen wir uns einem Thema, das in fast jeder Prüfung vorkommt und vor dem viele am Anfang ordentlich Respekt haben: Die Hygiene.

00:00:07: SARAH: Genau. Und weil das Thema so riesig ist, haben wir uns entschieden, zwei Folgen daraus zu machen. Bevor wir aber tief einsteigen, Lukas, gib uns doch mal den „Fahrplan“ für die gesamte Hygiene-Reihe. Was müssen wir alles wissen?

00:00:23: LUKAS: Sehr gerne. Wenn ihr das Thema Hygiene für die Prüfung knackt, habt ihr eigentlich vier große Säulen: Das Recht: Also § 36 IfSG und die Länder-Hygieneverordnungen. Dann die Hände & das Personal: Alles rund um Desinfektion und das äußere Erscheinungsbild. Als Drittes die Technik: Da geht es um die Sterilisation von Instrumenten im Autoklaven inklusive der Medizinprodukte-Einstufung. Und als viertes die berüchtigte Abfallentsorgung.

00:00:55: SARAH: Perfekt. Heute in Folge 1 schauen wir uns die ersten beiden Punkte an: Recht, Personal und die Händedesinfektion. In der nächsten Folge gehen wir dann an die Geräte und den Müll.

00:01:07: LUKAS: Dann legen wir mal los mit dem rechtlichen Rahmen. Sarah, viele Prüflinge zucken ja schon zusammen, wenn sie nur „Gesundheitsamt“ hören.

00:01:14: SARAH: Absolut! Dabei ist das eigentlich gar kein Hexenwerk. In einer Prüfungsfrage wurde das mal so formuliert: „Heilpraktiker, die invasive Tätigkeiten ausüben, unterliegen der infektionshygienischen Überwachung durch das Gesundheitsamt.“ Lukas, richtig oder falsch?

00:01:30: LUKAS: Das ist absolut richtig! Sobald du die Haut durchdringst – also invasiv arbeitest – darf das Amt dich überwachen. Und mein Tipp an Dich lieber Hörer: Sieh das nicht als Kontrolle, sondern als Qualitätssiegel für deine Praxis. Je besser du deine Abläufe strukturiert hast, desto entspannter läuft so eine Begehung ab.

00:01:47: SARAH: In welchem Gesetz steht das eigentlich?

00:01:49: LUKAS: Das steht im §36 im Infektionsschutzgesetz. Aber vorsicht, da steht nicht drin, das wir einen Rahmenhygieneplan erstellen müssen.

00:01:57: SARAH: Ja, das IfSG bestimmt das nur für einige Gemeinschaftseinrichtungen. Für uns sind dabei die Länder-Hygieneverordnungen entscheidender. In fast allen Bundesländern findet man dort, dass auch der Heilpraktiker so einen Rahmenhygieneplan schreiben muss. Und der Ordnung halber: Wenn wir Angestellte haben sollten, dann schreibt auch die Berufsgenossenschaft so einen Plan vor.

00:02:19: LUKAS: Und da steht dann alles drin, was wir in unserer Praxis mit Hygiene zu tun haben.

00:02:23: SARAH: Ja. Und das geht ja wirklich vorne los. Bevor bei so einer Begehung vom Gesundheitsamt überhaupt die Praxis ins Auge gefasst wird, werden wir erstmal selbst ganz genau angeschaut. Stichwort: Persönliche Hygiene.

00:02:35: LUKAS: Exakt. Da geht es um Kleinigkeiten, die aber Punkte kosten können. Lange Fingernägel?

00:02:40: SARAH: Tabu! Unlackiert und kurz müssen sie sein.

00:02:43: LUKAS: Uhren oder Ringe an Händen und Unterarmen?

00:02:46: SARAH: Ebenfalls weg damit. Das sind leider wahre Keimreservoire. Und die Haare schön zusammengebunden. Das signalisiert dem Prüfer sofort: „Ich weiß, was ich tue.“

00:02:55: LUKAS: Und dann kommen wir zum absoluten Herzstück der Hygiene: Die Händedesinfektion. Hier lauern die meisten Fallen.

00:03:02: SARAH: Oh ja! Ich zitiere mal eine klassische Fangfrage aus der Prüfung: „Die wichtigste Maßnahme zur Verhütung von Infektionen in der Praxis ist das Waschen der Hände.“

00:03:12: LUKAS: Moment, Moment! Das ist eine ganz dicke Falle. Die Antwort ist falsch. Die Desinfektion ist die wichtigste Maßnahme, nicht das Waschen.

00:03:21: SARAH: Stimmt. Und bei der Händedesinfektion unterscheiden wir dann zwischen der hygienischen und der chirurgischen Händedesinfektion. Lukas, was ist da für uns im Praxisalltag der Standard?

00:03:30: LUKAS: Meistens die hygienische Händedesinfektion. Wir wollen die „Anflugkeime“ – die transiente Flora – loswerden. Wichtig ist hier die Technik: 30 Sekunden lang das Mittel in die trockenen Hände einreiben, inklusive Daumen und Fingerzwischenräume.

00:03:45: SARAH: Ja, da gibt es den offiziellen 6-Schritte-Ablauf. Das wollen die Prüfer in der mündlichen sehr gerne auch mal vorgemacht bekommen.

00:03:52: LUKAS: Übrigens ist das mit den 30 Sekunden auch nur die Durchschnitts-Wahrheit. In der Prüfung müssen wir auf jeden Fall auf die Flasche vom Desinfektionsmittel selbst drauf schauen. Bei manchen Mitteln steht da zum Beispiel 1 Minute. Dann wären wir mit den 30 Sekunden vielleicht direkt durchgefallen.

00:04:06: SARAH: Und da steht ja auch noch mehr drauf: Ist das Mittel schon abgelaufen? Wann wurde es geöffnet? Welches Wirkspektrum deckt es ab? Und überhaupt: Ist es denn tatsächlich ein Händedesinfektionsmittel und nicht zum Beispiel ein Flächendesinfektionsmittel.

00:04:20: LUKAS: Wow! Jetzt hast Du mich aber beeindruckt!

00:04:23: SARAH: Ja, bei solchen Abläufen hilft es extrem, wenn man eine klare Struktur im Kopf hat.

00:04:28: LUKAS: Da sagst du was. Wer da unsicher ist, dem empfehle ich wirklich die Videolehrgänge von Heilpraktikerausbildung24. Da wird das ganze Hygiene-Wissen nicht einfach nur runtergebetet, sondern didaktisch so gut strukturiert, dass man in der Prüfung gar nicht mehr lange überlegen muss, sondern den roten Faden einfach abspult.

00:04:45: SARAH: Das spart beim Lernen echt Zeit. Was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen der hygienischen und der chirurgischen Händedesinfektion?

00:04:53: LUKAS: Bei der chirurgischen nimmt man doppelt soviel Desinfektiosnmittel und reibt auch bis zu den Ellbogen hoch.

00:04:58: SARAH: Ja genau. Und der Ablauf ist auch anders. Bei der hygienischen, die wir meistens machen, waschen wir die Händer nur bei Bedarf und erst nach der Desinfektion. Wir wollen ja nicht in die Tiefe der Haut, sondern nur die Anflugkeime vermindern.

00:05:10: LUKAS: Und bei der chirurgischen ist es umgekehrt?

00:05:14: SARAH: Ja, da werden erst die Hände gewaschen und dann desinfiziert. Das macht man, damit die Hautporen sich öffenen und das Desinfektionsmittel tiefer eindringen kann. Dann erwischen wir auch die residente Flora.

00:05:25: LUKAS: Also, wenn wir jetzt schon so in die Feinheiten gehen, dann sag mir: Wie läuft die Desinfektion bei Injektionen ab?

00:05:33: SARAH: Sprühen - wischen - sprühen. Das ist die Zauberformel. Du sprühst auf die Injektionsstelle, dann wischt Du mit einem sterilen Tupfer ab, damit aller Dreck entfernt wird. Und dann kommt eigentlich erst die richtige Desinfektion. Da ist dann auch die Einwirkzeit wieder wichtig.

00:05:46: LUKAS: Also, jetzt haben Händedesinfektion und Hautdesinfektion. Was fehlt?

00:05:52: SARAH: Die Flächendesinfektion. Also die Behandlungsliege zum Beispiel. Aber auch der Boden in unserer Praxis.

00:05:57: LUKAS: Unser Schlagwort: 2-Eimer-Methode. Wie geht die?

00:06:00: SARAH: Wir haben einen Eimer mit Desinfektionslösung und Spülmittel. Und einen Eimer mit sauberem Wasser. Den nehmen wir, um den Wischer auszuwaschen. Den können wir dann auch öfter wechseln.

00:06:10: LUKAS: Top.

00:06:12: SARAH: Also - eins habe ich noch. Wir haben ja die verschiedenen Wirkungsbereiche bei Desinfektionsmitteln, die Du vorhin schon erwähnt hast.

00:06:18: LUKAS: Genau. Oft wird gefragt: „Der Wirkungsbereich A umfasst die Abtötung von vegetativen Bakterien, Mykobakterien sowie Pilzen.“ Das ist korrekt. Wenn ihr aber mal nach Sporen gefragt werdet, etwa bei Tetanus, dann denkt an den Wirkungsbereich D.

00:06:34: SARAH: Also A wie „Anfang“ für die gängigen Keime und D wie „Durchgreifen“ bei den hartnäckigen Sporen.

00:06:41: LUKAS: Ein schönes Bild! Einmal wurde versucht uns mit den Sporen aufs Glatteis zu führen. Da wurde gefragt wie es bei Pilzsporen ist. Und die gehören dann natürlich schon in Gruppe A. Das ist ja etwas ganz anderes als Bakteriensporen.

00:06:51: SARAH: So, damit haben wir die Grundlagen für heute geschafft. In der nächsten Folge wird es dann etwas technischer: Wir schauen uns an, wie man Instrumente im Autoklaven wirklich keimfrei bekommt und wie wir den Praxisabfall richtig trennen.

00:07:04: LUKAS: Bis dahin viel Erfolg beim Lernen und denkt dran: Hygiene ist kein Hindernis, sondern euer Schutz!

00:07:12: SARAH: Macht’s gut und bis zum nächsten Mal!

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