Hygiene Teil 2: Sterilisation, AVV-Schlüssel & Absonderung: Hygiene-Wissen für Heilpraktiker
Shownotes
Die wichtigsten Inhalte dieser Folge:
- Desinfektion vs. Sterilisation: Warum Keimarmut nicht gleich Keimfreiheit ist und welche Standardwerte (121 °C / 134 °C) du für den Autoklaven auswendig kennen musst.
- Sonderfall Prionen: Warum die Erreger der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit eine deutlich längere Einwirkzeit im Sterilisator benötigen.
- Instrumentenaufbereitung: Die lückenlose Kette vom Ablegen im Desinfektionsbad über Reinigung und Trocknung bis hin zur Freigabe und 5-jährigen Dokumentationspflicht.
- Einstufung von Medizinprodukten: Wir unterscheiden unkritisch (intakte Haut), semikritisch (Schleimhaut) und kritisch (Haut durchdringend) für die korrekte Aufbereitung.
- Abfallmanagement (AVV): Die Einteilung in die Gruppen 18 01 01 (spitz/scharf), 18 01 03 (infektiös) und 18 01 04 (normaler Praxisabfall).
- Recapping-Verbot: Warum das Wiederaufsetzen der Schutzkappe bei Kanülen ein absolutes Tabu ist.
- Rechtliche Begriffe: Die klare Abgrenzung von Isolation (für Infizierte) und Quarantäne (für Verdächtige) unter dem Oberbegriff der Absonderung.
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Prüfung im Oktober 2026 oder März 2027
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Erstelle dir eine Übersichtstabelle für die Abfallschlüssel (AVV). Notiere dir pro Gruppe: Welche Art von Müll gehört hinein? Welches Behältnis ist vorgeschrieben? Und darf es in den Hausmüll oder ist es Sonderabfall? In der mündlichen Heilpraktikerprüfung wird technisches Wissen oft anhand solcher konkreten Praxisbeispiele abgefragt.
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00:00:00: SARAH: Hallo zusammen und willkommen zurück zum zweiten Teil unserer kleinen Hygiene-Reihe bei den Heilpraktiker-Hacks! Ich bin Sarah.
00:00:08: LUKAS: Und ich bin Lukas. Wir sind die beiden Prüfungsknacker und teilen mit Dir all das, was wir selbst von Stefan lernen. In der ersten Folge haben wir ja den Grundstein gelegt: Rechtliche Grundlagen, das Auftreten bei einer Begehung durch das Gesundheitsamt und alles rund um die Hände- und Flächendesinfektion.
00:00:24: SARAH: Genau. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter. Es wird technisch, es wird logistisch und wir schauen uns an, was passiert, wenn wir wirklich „reinen Tisch" machen müssen. Bevor wir aber in die Tiefe gehen, Lukas, gib uns noch mal kurz den Überblick für heute.
00:00:40: LUKAS: Sehr gerne. Heute klären wir als erstes den Unterschied zwischen Desinfektion und Sterilisation. Dann schauen wir uns die komplette Kette der Instrumentenaufbereitung an – vom benutzten Skalpell bis zum sterilen Päckchen.Als Drittes dann die Einstufung von Medizinprodukten in unkritisch, semikritisch und kritisch.Und last but auf keinen Fall least: Das berüchtigte Abfallmanagement mit den AVV-Schlüsseln. Und am Ende klären wir noch kurz die Begriffe Absonderung, Isolation und Quarantäne.
00:01:09: SARAH: Puh! Das ist ein ordentliches Paket! Fangen wir mal mit dem Unterschied zwischen Sterilisation und Desinfektion an. In der Prüfung wird ja oft nach der Definition gefragt. Lukas, ich hab hier eine Prüfungsfrage für dich: „Ziel der Desinfektion ist ein keimfreier Zustand." Richtig oder falsch?
00:01:28: LUKAS: Ganz klare Falle: Das ist falsch! Das Ziel der Desinfektion ist die Keimarmut – also eine Reduktion, sodass keine Infektion mehr ausgehen kann. Die Keimfreiheit erreichen wir erst mit der Sterilisation. Da darf wirklich gar nichts mehr leben, auch keine Ruhestadien wie Bakteriensporen.
00:01:47: SARAH: Exakt. Und um diese Keimfreiheit zu erreichen, nutzen wir meistens den Autoklaven, also die feuchte Hitze. Das ist ein physikalisches Verfahren. Dazu gab es auch eine Frage: „Zur Sterilisation im Autoklaven ist eine Temperatur von 121 Grad Celsius bei 2 bar Überdruck über 15 Minuten erforderlich."
00:02:08: LUKAS: Das ist absolut korrekt und ein Standardwert, den man nachts um drei im Schlaf beherrschen muss. Alternativ gehen auch 134 Grad Celsius bei 3 bar für nur 3 Minuten. Aber Sarah, es gibt da diesen einen Angreifer, für den selbst das nicht reicht...
00:02:23: SARAH: Du meinst die Prionen, also die Erreger der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Die sind so stabil, dass wir bei 134 Grad Celsius ganze 18 Minuten einwirken lassen müssen.
00:02:35: LUKAS: Eigentlich irre, oder? Aber ein Sterilisator ist kein Zauberkasten. Man kann nicht einfach ein blutiges Instrument reinlegen und hoffen, dass es sauber rauskommt. Da kommt die Instrumentenaufbereitung ins Spiel. Sarah, wie sieht die perfekte Kette aus?
00:02:49: SARAH: Das ist ein Prozess mit mehreren Einzelschritten. Zuerst kommt das Ablegen nach der Nutzung. Am besten legt man die Instrumente direkt in Desinfektionsmittel. Wir müssen auch grobe Verschmutzungen sofort entfernen, damit nichts antrocknet. Dann folgt die Reinigung und danach nochmal eine Desinfektion.
00:03:09: LUKAS: Wie läuft das ab?
00:03:10: SARAH: Dann muss man extrem aufpassen: Alles muss absolut trocken sein nach dem Waschen und auch nach dem Desinfizieren. Wenn noch Feuchtigkeit dran ist, korrodieren die Instrumente oder die Sterilisation schlägt fehl.
00:03:23: LUKAS: Wenn dann alles perfekt ist, wird es in möglichst kleine Einheiten verpackt und wandert in den Sterilisator. Und ganz wichtig: Alles muss dokumentiert werden. Die Chargennummer, das Datum, wer hat es freigegeben? Diese Unterlagen müssen wir mindestens 5 Jahre aufbewahren.
00:03:37: SARAH: Das wird übrigens alles im Medizinprodukte-Gesetz und in der Medizinprodukte-Betreiberverodnung geregelt.
00:03:45: LUKAS: Die wurden allerdings 2022 durch das Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetz ersetzt. Diese Gesetze sollten wir auch nennen können. Auch wenn wir jetzt nicht die einzelnen Paragraphen wissen müssen.
00:03:55: SARAH: OK. Die bringen mich immer ein wenig ins Schwimmen, diese ganzen Gesetze. Aber ok. Der Vollständigkeithalber möchte ich jetzt auch noch die chemischen Sterilisationsverfahren erwähnen, wie zum Beispiel die Begasung mit Ethylenoxid. Das macht man zum Beispiel mit den Verpackungen von Medikamenten.
00:04:15: LUKAS: Und Einweichen kann man Sachen zum Beispiel in Peroxiden. Wäsche zumBeispiel. Aber das nur am Rande. Man kann schließlich nicht alle Stoffe dieser Hitze aussetzen. Manche Plastikarten vertragen das nicht gut.
00:04:25: SARAH: Wer bei diesem ganzen Thema ins Straucheln kommt, dem empfehle ich wirklich die Live-Online-Kurse von Heilpraktikerausbildung24. Da lernt man das strukturierte Antworten, weil man die Muster in den Themen zu sehen lernt. Dann kommt man in der mündlichen Prüfung auch nicht ins Straucheln, wenn der Prüfer plötzlich nach den Risikoklassen von Medizinprodukten fragt.
00:04:45: LUKAS: Risikoklassen ist ein gutes Stichwort. Sarah, was ist der Unterschied zwischen einem unkritischen und einem kritischen Medizinprodukt?
00:04:52: SARAH: Das ist eigentlich logisch aufgebaut: Unkritisch: Kommt nur mit intakter Haut in Berührung, wie ein Stethoskop oder eine Nierenschale. Da reicht Reinigung und Desinfektion.Semikritisch: Kommt mit Schleimhaut oder veränderter Haut in Kontakt, wie ein Mundspiegel.Und kritisch: Das sind die Instrumente, die die Haut oder Schleimhaut durchdringen und mit Blut in Kontakt kommen, wie Skalpelle oder Akupunkturnadeln. Und alles, was kritisch ist, muss zwingend sterilisiert werden.
00:05:22: LUKAS: Jetzt haben wir es dann aber auch gleich mit der Sterilisation. Was noch wichtig ist: Beim Autoklaven und auch beim Heissluftsterilisator gilt die Sterilisationszeit erst, wenn die Gegenstände die Temperatur angenommen haben.
00:05:36: SARAH: Dafür gibt es extra Messtäbchen, die mit hineingegeben werden. An denen kann man sehen, wann es soweit ist.
00:05:41: LUKAS: Ja, dann ist die Aufwärmzeit vorbei und es beginnt die eigentliche Einwirkzeit.
00:05:46: SARAH: Und alle 400 Mal oder spätestens nach 6 Monaten muss man ein Sporenpäckchen mit hineinlegen und es dann ins Labor schicken. Das prüft dann, ob die Sporen alle hinüber sind.
00:05:59: LUKAS: Perfekt erklärt. Das soll uns zur Sterilisation genügen. Kommen wir zum nächsten großen Brocken: Die Abfallentsorgung. Das wirkt oft wie ein Buch mit sieben Siegeln wegen der AVV-Nummern. Was ist das eigentlich überhaupt?
00:06:10: SARAH: Das sind die Abfallgruppen oder Abfallschlüssel aus der Abfallverzeichnis-Verordnung, der AVV. In der wird das umgesetzt, was in den TRBA, den Technischen Regeln für biologische Arbeitsstoffe verlangt wird. Für uns ist speziell die TRBA 250 zuständig, denn die regelt das für das Gesundheitswesen.
00:06:31: LUKAS: Ah, da wird also festgelegt, was im Umgang mit all den Stoffen im Gesundheitswesen zu beachten ist?
00:06:36: SARAH: Genau. Zum Beispiel wird da verlangt, dass man einen Abfallplan erstellt, was wir dann im Rahmenhygieneplan umsetzen.
00:06:40: LUKAS: Und um das ordentlich zu können, braucht es die Einteilung der ganzen Praxisabfälle in einzelne Gruppen, damit man klären kann, was mit ihnen gemacht werden soll. Das macht ja richtig Sinn. Sonst könnte ich ja die total kontaminierte Spritze einfach aus dem Fenster werfen.
00:06:58: SARAH: Das ist genau der Punkt Lukas. Fangen wir mal mit dem an, was wir am meisten haben: Die Gruppe 18 01 04. Das Kapitel 18 in der AVV sind die Abfälle aus der human- oder tiermedizinischen Versorgung und Forschung. Das Unterkapitel 01 sind die humanmedizinischen Praxen. Und jetzt kommen die 3 Untegruppen, die wir kennen müssen.
00:07:18: LUKAS: Die kenne ich: 01: Das sind spitze oder scharfe Gegenstände. Die 03 sind stark kontaminierte Sachen, wie Verbände bei sehr infektiösen Krankheiten. Vor allem sind die Krankheiten aus dem IfSG dabei wichtig. Und die 04 sind die normalen Praxisabfälle, also Pflaster, Verbände usw. die nicht gefährlich kontaminiert sind.
00:07:43: SARAH: Genau. Das sind benutzte Verbände, Tupfer oder Pflaster. In der Prüfung wurde mal gefragt: „Muss dieser Müll als Sondermüll entsorgt werden?"
00:07:50: LUKAS: Die Antwort ist: Nein. Er muss lediglich in reißfesten, blickdichten Beuteln gesammelt werden und kann dann in den normalen Restmüll.
00:07:59: SARAH: Und was ist mit den Kanülen? Die sind doch gefährlich. Sind das dann die spitzen oder scharfen Gegenstände?
00:08:05: LUKAS: Ja. Das ist die Gruppe 01. Hier ist das Wichtigste: Sie müssen in stich- und bruchfesten Einmalbehältnissen gesammelt werden. Man darf die Nadeln niemals wieder in die Schutzkappe zurückstecken – Stichwort Recapping-Verbot! Aber wenn die Box voll und fest verschlossen ist, darf sie tatsächlich auch in den Restmüll.
00:08:21: SARAH: Und dann nochmal die Gruppe 03. Das ist der echt gefährliche Müll, bei dem wir wissen oder vermuten, dass hochinfektiöse Erreger drin sind. Das muss speziell entsorgt und verbrannt werden.
00:08:31: LUKAS: Und für die ganz Skurrilen unter uns: Die Gruppe 02 steht für Körperteile und Organabfälle. Wer in seiner Praxis also Beine amputiert, muss die gesondert entsorgen... aber das betrifft uns Heilpraktiker ja eher selten.
00:08:45: SARAH: Hahaha! Hoffentlich! Lukas, das war`s schon mit dem Abfall. Lass uns zum Abschluss noch kurz die Begriffe Absonderung, Isolation und Quarantäne klären. Das sind zwar nicht im engeren Sinn Hygeinemaßnahmen, aber im weiteren Sinn eben schon. Da ist die Abgrenzung nicht ganz eindeutig. Auf jden Fall gehört alles zur Primärprävention, also der Vorbeugung und Verhinderung von Krankheiten.
00:09:11: LUKAS: Ja, die Begriffe werden im IfSG genau unterschieden. Isolation ist für die Menschen, bei denen wir eine Infektion sicher nachgewiesen haben. Wir trennen sie räumlich, um andere zu schützen.
00:09:22: SARAH: Und die Quarantäne?
00:09:24: LUKAS: Die ist für die „Verdächtigen". Also Personen, die Kontakt zu einem Infizierten hatten, aber selbst noch keine Symptome oder positiven Tests zeigen. Man wartet quasi ab, ob die Krankheit ausbricht.
00:09:35: SARAH: Und der Oberbegriff für beides ist die Absonderung. Das ist ein mächtiges Instrument des Gesundheitsamtes nach § 30 IfSG.
00:09:43: LUKAS: So, Sarah, ich glaube, jetzt haben wir die Hygiene wirklich von allen Seiten beleuchtet. Vom Gesetz über die Hände bis hin zum Autoklaven und der Mülltonne.
00:09:52: SARAH: Das war ein intensiver Ritt! Aber ich glaube, wer diese beiden Folgen aufmerksam hört und vielleicht noch mal in die PDFs bei Heilpraktikerausbildung24 schaut, um die Tabellen vor Augen zu haben, der kann in der Prüfung ganz entspannt bleiben.
00:10:06: LUKAS: Das denke ich auch. Hygiene ist kein Schreckgespenst, sondern ein klares System. Wer das System versteht, kann die Fragen auch beantworten.
00:10:13: SARAH: In diesem Sinne: Viel Erfolg beim Lernen und bleibt sauber!
00:10:16: LUKAS: Ciao, bis zum nächsten Mal!
00:10:18: SARAH: Macht's gut, ihr Lieben!
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