Prüfungswissen Ohr - Anatomie, Physiologie und die häufigsten Fallen
Shownotes
Die wichtigsten Inhalte dieser Folge
Grundaufbau des Ohres:
- Äußeres Ohr: Ohrmuschel, Gehörgang (ca. 3 cm), Trommelfell (<1 mm)
- Mittelohr: Paukenhöhle mit drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel)
- Innenohr: Schnecke (Hörorgan) und Bogengänge (Gleichgewichtsorgan)
Wichtige Strukturen und Funktionen:
- Zerumen: Wird im äußeren Gehörgang gebildet (nicht im Mittelohr!)
- Ohrtrompete: Verbindet Mittelohr mit Nasenrachenraum für Druckausgleich
- Gehörknöchelchen: Steigbügel sitzt am ovalen Fenster (nicht rundes Fenster!)
- Corti-Organ: Hörsinneszellen in der Schnecke
- Bogengänge: Erfassen Rotationsbewegungen in drei Raumrichtungen
Physiologie verstehen:
- Schallleitung: Luftleitung (normal) vs. Knochenleitung (direkt über Schädelknochen)
- Schallempfindung: Alles ab Innenohr - Sinneszellen, 8. Hirnnerv, Gehirn
- Nervus vestibulocochlearis: 8. Hirnnerv für Hören und Gleichgewicht
Häufige Prüfungsfallen:
- Paukenhöhle ist luftgefüllt (nicht mit Lymphe!)
- Trommelfell trennt äußeres Ohr vom Mittelohr
- Perilymphe außen, Endolymphe innen
- Innenohr liegt im Felsenbein
- Bogengänge = Gleichgewicht, Schnecke = Hören
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00:00:01: SARAH: Hallo zusammen! Willkommen bei den Heilpraktiker-Hacks! Hier sind wieder eure Prüfungsknacker Sarah und Lukas.
00:00:07: LUKAS: Und heute nehmen wir uns ein ganz besonderes Sinnesorgan vor – das Ohr! Genauer gesagt: Anatomie und Physiologie. Die Pathologie, also die Krankheiten, die kommen dann in Folge 22.
00:00:07: SARAH: Genau. Und ich sage euch gleich vorweg: Das Ohr hat es in sich. Da stecken nämlich nicht eines, sondern gleich zwei Organe drin – das Hörorgan und das Gleichgewichtsorgan. Aber fangen wir mal von vorne an.
00:00:31: LUKAS: Richtig. Und damit meine ich wirklich von ganz vorne. Das Ohr ist eines von fünf Sinnesorganen. Welche fünf gibt es denn? Kurz mitdenken, Leute!
00:00:40: SARAH: Augen, Ohren, Nase, Zunge – und die Haut. Genau fünf. Das Ohr zuständig fürs Hören. Und wie gesagt, auch fürs Gleichgewicht – aber dazu kommen wir noch. Lukas, magst du uns kurz durch den Aufbau führen?
00:00:54: LUKAS: Sehr gerne. Also, wir unterscheiden beim Ohr drei Bereiche. Das äußere Ohr, das Mittelohr und das Innenohr. Das ist die Grundstruktur, die ihr euch wirklich merken müsst – denn die Prüfer lieben es, euch da durcheinanderzubringen.
00:01:07: SARAH: Moment, Moment! Bevor wir weitermachen – ich stell euch mal gleich eine echte Prüfungsfrage aus dem Jahr 2016, damit ihr wisst, worauf wir hinarbeiten. Die Frage lautete: „Welche der folgenden Aussagen zum Ohr beim Erwachsenen treffen zu?" Und eine der Aussagen war: „Der äußere Gehörgang ist ca. 3 cm lang." Stimmt das?
00:01:29: LUKAS: Ja, das stimmt! Ungefähr drei Zentimeter. Eine andere Aussage in der Frage war: „Das Trommelfell ist ca. 1 cm dick" Was sagt ihr dazu?
00:01:39: SARAH: Ich sage: Viel zu dick! Das Trommelfell ist hauchdünn – unter einem Millimeter. Ein Zentimeter wäre ja fast ein halber Fingernagel. Das ist eine klassische Übertreibung, auf die man reinfallen kann, wenn man nicht aufgepasst hat.
00:01:39: LUKAS: Genau. Merk dir: äußerer Gehörgang ca. 3 cm, Trommelfell unter 1 mm. Und noch etwas aus derselben Frage: „Das äußere Ohr erfüllt die Aufgabe der Schallleitung aus der Umwelt zum Trommelfell." Das stimmt. Die Ohrmuschel fängt die Schallwellen ein, der Gehörgang leitet sie weiter – bis zum Trommelfell.
00:02:12: SARAH: Und beim äußeren Ohr gibt's noch einen Begriff, der gerne in der Prüfung auftaucht: das Zerumen. Also das Ohrenschmalz. 2005 wurde gefragt, ob das stimmt: Zerumen wird im Mittelohr gebildet. Stimmt natürlich nicht!
00:02:26: LUKAS: Zerumen wird im äußeren Gehörgang gebildet. Und es kann übrigens zur Schallleitungsstörung führen, wenn es den Gehörgang verstopft. Das wird in Folge 22 nochmal relevant. Also: Zerumen – äußeres Ohr, nicht Mittelohr. Wichtig zu wissen!
00:02:40: SARAH: Gut. Dann gehen wir jetzt weiter ins Mittelohr, also in die Paukenhöhle. Das sind übrigens Synonyme – Paukenhöhle und Mittelohr bezeichnen dasselbe.
00:02:49: LUKAS: Im Mittelohr haben wir die drei Gehörknöchelchen: Hammer, Amboss und Steigbügel. Die verbinden das Trommelfell mit dem ovalen Fenster, das den Übergang ins Innenohr bildet. Und das ist auch prüfungsrelevant: Welches der drei Knöchelchen sitzt am ovalen Fenster?
00:03:05: SARAH: Der Steigbügel! Nicht der Hammer, nicht der Amboss – der Steigbügel. 2011 kam die Frage: „Der Hammer berührt das runde Fenster." Das ist falsch – gleich doppelt falsch. Es ist der Steigbügel, und der sitzt am ovalen, nicht am runden Fenster.
00:03:21: LUKAS: Das runde Fenster ist nämlich wo der Schall am Ende ausklingt – sozusagen das Ende der Reise. Aber das ovale Fenster ist der Eingang ins Innenohr. Die beiden Fenster nicht verwechseln!
00:03:31: SARAH: Und noch was Wichtiges zum Mittelohr: Es ist luftgefüllt! Das klingt banal, aber 2010 kam in der Prüfung die Aussage: „Die Paukenhöhle ist mit Lymphe gefüllt." Falsch! Luft. Das erklärt auch gleich die nächste Struktur.
00:03:46: LUKAS: Genau – die Ohrtrompete, auch Tuba auditiva oder Eustachsche Röhre genannt. Die sorgt dafür, dass der Luftdruck im Mittelohr mit dem Außendruck ausgeglichen werden kann. Ihr kennt das alle vom Fliegen oder vom Bergfahren – das Knacken im Ohr.
00:03:59: SARAH: Das kann ich mir gut merken! Die Ohrtrompete geht vom Mittelohr in den Nasenrachenraum – also nach unten in den Rachen. Und 2011 gab es die Frage: „Die Ohrtrompete ist eine Verbindung zwischen Innenohr und Ductus thoracicus." Was ist falsch daran?
00:04:16: LUKAS: Erstens: nicht Innenohr, sondern Mittelohr. Zweitens: Der Ductus thoracicus ist das große Lymphgefäß im Bauch – das hat mit dem Ohr überhaupt nichts zu tun. Also Ohrtrompete: vom Mittelohr zum Nasenrachenraum. Fertig.
00:04:29: SARAH: Und 2001 wurde übrigens gefragt, womit die Nasenhöhle in funktionellem Zusammenhang steht – und die Ohrtrompete war eine der richtigen Antworten. Das zeigt: Die Verbindung Ohr-Nase-Rachen ist ein klassisches Prüfungsthema.
00:04:44: LUKAS: Merkt euch: Bei Kindern können vergrößerte Rachenmandeln die Ohrtrompete zudrücken – das begünstigt dann Mittelohrentzündungen. Das ist ein schöner Übergang zur Pathologie, den wir in Folge 22 vertiefen.
00:04:44: SARAH: Gut, dann weiter ins Innenohr! Das liegt übrigens im Felsenbein – so heißt der Knochen, in dem das ganze Innenohr eingebettet ist. 2011 kam genau das: „Das Innenohr liegt im Felsenbein." Richtig!
00:05:09: LUKAS: Das Innenohr wird auch Labyrinth genannt – und das besteht aus zwei Teilen. Erstens: die Schnecke, auf Latein Cochlea. Das ist das Hörorgan. Und zweitens: die Bogengänge. Das ist das Gleichgewichtsorgan.
00:05:22: SARAH: Wahnsinn, das ist so ein schönes Duo – Hören und Gleichgewicht, alles im Innenohr. Und das wird gerne durcheinandergebracht! 2018 kam die Frage: „Die Bogengänge des Ohres – was stimmt?" Und eine Aussage lautete: „Sie dienen vor allem der Schallwahrnehmung."
00:05:39: LUKAS: Falsch! Die Bogengänge haben nichts mit dem Hören zu tun. Die erfassen Rotationsbewegungen – also Bewegungen in den drei Raumrichtungen. Deswegen haben wir auch drei Bogengänge wegen der drei Bewegungsrichtungen: rauf und runter, rechts und links, vor und zurück. Und am Ende jedes Bogengangs sitzen Sinneszellen in den Ampullen, die diese Bewegungen registrieren.
00:05:59: SARAH: Das Hörorgan ist die Schnecke – genauer gesagt das Corti-Organ darin. Das sind die eigentlichen Hörsinneszellen. Und bei den Flüssigkeiten im Innenohr: Peri bedeutet außen, Endo bedeutet innen. Also Perilymphe außen zwischen Knochen und Haut, Endolymphe innen in den Häuten.
00:06:16: LUKAS: 2010 kam dazu: „Die Endolymphe umspült das Labyrinth und reinigt somit die Schnecke von außen." Das ist falsch – das wäre die Perilymphe, die außen liegt. Die Endolymphe ist innen. Peri = außen, Endo = innen – denkt ans Perikard und Endokard, das kennt ihr schon!
00:06:34: SARAH: Sehr guter Tipp! Und zum Hirnnerv: Das Innenohr wird über den achten Hirnnerv versorgt – den Nervus vestibulocochlearis. Vestibulo für das Gleichgewichtsorgan, Cochlearis für die Schnecke. 2012 kam: „Die Innervation erfolgt über den Nervus trochlearis, Hirnnerv IV." Falsch!
00:06:53: LUKAS: Der vierte Hirnnerv ist für die Augenbewegung zuständig. Und der elfte – der Nervus accessorius – hat auch nichts mit dem Ohr zu tun. Fürs Ohr: immer der achte Hirnnerv. Der ist übrigens nur sensorisch. Er nimmt einfach die Reize von Cortiorgan und Bogengängen und bringt sie zu den passenden Zentren im Gehirn.
00:07:10: SARAH: Jetzt kommen wir zur Physiologie – und da sind zwei Begriffe das Herzstück: Schallleitung und Schallempfindung. Das ist die Unterscheidung, die ihr wirklich draufhaben müsst.
00:07:21: LUKAS: Genau. Also: Die Schallempfindung – das ist alles, was im Innenohr und danach passiert. Die Sinneszellen im Corti-Organ, der achte Hirnnerv, die Höranteile im Gehirn. Da findet die eigentliche Hörempfindung, die Hörwahrnehmung statt.
00:07:34: SARAH: Die Schallleitung dagegen – das ist der Weg, den der Schall nimmt, bevor er bei den Sinneszellen ankommt. Und da unterscheiden wir zwei Wege: die Luftleitung und die Knochenleitung.
00:07:45: LUKAS: Die Luftleitung ist der normale Weg. Schallwellen kommen durch die Luft, werden von der Ohrmuschel aufgefangen, laufen durch den Gehörgang, bringen das Trommelfell zum Schwingen, dann übernehmen die Gehörknöchelchen und leiten die Schwingung weiter ans ovale Fenster. Wichtig: Im Mittelohr werden Druckwellen in der Luft in mechanische Energie umgewandelt – das kam so 2006 in der Prüfung, und das ist richtig!
00:08:07: SARAH: Und die Knochenleitung?
00:08:09: LUKAS: Das ist der direkte Weg über die Schädelknochen – ohne den Umweg über das Trommelfell und die Gehörknöchelchen. Wenn man zum Beispiel eine Stimmgabel auf den Schädelknochen aufsetzt, kann das Innenohr direkt in Schwingung versetzt werden.
00:08:21: SARAH: Das brauchen wir dann auch für den Weber- und Rinnetest – aber der ist eher für die mündliche Prüfung relevant.
00:08:27: LUKAS: Genau, schriftlich wurden Weber und Rinne noch nicht gefragt – mündlich aber schon. Kurz erklärt: Beim Weber-Test setzt man eine Stimmgabel – mit 440 Hertz – auf die Kopfmitte. Beim gesunden Menschen hört man den Ton in der Mitte. Wenn er seitlich wahrgenommen wird, gibt es ein Problem. Bei einer Schallleitungsstörung hört man den Ton auf der gestörten Seite besser. Bei einer Schallempfindungsstörung auf der gesunden Seite.
00:08:52: SARAH: Warum ist das so?
00:08:52: LUKAS: Probier es mal aus. Wenn Du Dir ein Ohr zuhältst und jetzt die Stimmgabel auf den Kopf hältst, dann hörst Du das Vibrieren auf der Seite besser, auf der Du Dir das Ohr zuhältst - warum? Weil die Wahrnehmung nicht mehr von äußeren Geräuschen überlagert wird. Du hörst den Ton also auf der Seite mit Schallleitungsstörung besser.
00:09:07: SARAH: Stimmt. Das macht Sinn. Wenn über die Luftleitung laute Musik kommt, dann höre ich die Stimmgabel über die Knochenleitung nicht mehr.
00:09:14: LUKAS: Und wenn Du auf einer Seite eine Schallempfindungsstörung hast, dann kann Dein Cortiorgan die Schwingung nicht mehr annehmen oder der Hirnnerv kann die Schwingung nicht mehr weiterleiten. Auf dieser Seite kannst Du gar nichts mehr hören. Bei Schallempfindungsstörung hörst Du also auf der gesunden Seite besser.
00:09:31: SARAH: Jetzt muss man also noch klären, ob es eine Schallleitungs- oder eine Schallempfindungsstörung ist.
00:09:37: LUKAS: Ja. Und dafür nutzt man jetzt den Rinnetest.
00:09:40: SARAH: Beim Rinnetest setzt man die Stimmgabel aufs Mastoid – den Knochen hinter dem Ohr. Wird der Ton gehört, gibt es keine Schallempfindungsstörung auf dieser Seite. Denn sonst könnte man das ja nicht mehr wahrnehmen. Wenn der Patient den Ton hören kann, kann keine Empfindungsstörung auf dieser Seite vorliegen.
00:09:57: LUKAS: Und wenn man den Ton dann nach ein paar Sekunden durch den Knochen nicht mehr hört...
00:10:01: SARAH: Dann hält man die Stimmgabel vors Ohr. Wird sie jetzt auch gehört, ist alles gut. Wird sie nicht mehr gehört, haben wir eine Schallleitungsstörung auf dieser Seite. Denn wenn keine Schallleitung vorliegt, sollte der Schwingungston über die Luftleitung noch gehört werden, auch wenn die Knochenleitung nicht mehr reicht.
00:10:17: LUKAS: Mein Tipp: Für die mündliche Prüfung reicht es, den Ablauf erklären zu können und zu wissen, was man daraus ableitet. Schritt für Schritt durchgehen – nicht in Panik verfallen. Da kommt man sonst gerne mal Durcheinander.
00:10:29: SARAH: Bevor wir zum Abschluss kommen, nochmal die wichtigsten Prüfungsfallen im Schnelldurchlauf. Lukas, magst du?
00:10:35: LUKAS: Sehr gerne. Erstens: Bogengänge sind Gleichgewichtsorgan, nicht Hörorgan. Zweitens: Schnecke ist Hörorgan, nicht Gleichgewichtsorgan. Drittens: Paukenhöhle ist mit Luft gefüllt, nicht mit Lymphe. Viertens: Trommelfell trennt äußeres Ohr vom Mittelohr – nicht Mittelohr vom Innenohr. Fünftens: Zerumen wird im äußeren Gehörgang gebildet. Sechstens: Achtter Hirnnerv, nicht vierter, nicht elfter. Und siebtens: Steigbügel sitzt am ovalen Fenster.
00:11:05: SARAH: Das kann ich mir gut merken! Am Ende nochmal der Überblick: Äußeres Ohr – Ohrmuschel, Gehörgang, Trommelfell, Zerumen. Mittelohr – drei Gehörknöchelchen, ovales Fenster, rundes Fenster, Ohrtrompete, luftgefüllt. Innenohr – Schnecke mit Corti-Organ fürs Hören, Bogengänge fürs Gleichgewicht, Perilymphe außen, Endolymphe innen, achter Hirnnerv, Felsenbein.
00:11:30: LUKAS: Wenn ihr das alles sitzt, seid ihr für die schriftliche Prüfung zum Thema Ohr-Anatomie gut aufgestellt. Und wer das nochmal richtig anschaulich mit Bildern erklärt haben möchte – die Videotrainings von Stefan Barres bei Heilpraktikerausbildung24 sind da wirklich hilfreich. Gerade für solche anatomischen Themen, wo man sich einfach was vorstellen muss.
00:11:49: SARAH: Ja, da wird das alles nochmal richtig schön visualisiert. Kann ich nur empfehlen! So, Leute – in Folge 22 geht's dann ans Eingemachte: die Erkrankungen des Ohres. Macht's gut und viel Erfolg beim Lernen, ihr Lieben!
00:12:00: LUKAS: Ciao, bis bald!
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