Pathologie Haut Teil 1 - Erythem, Ekzem, Effloreszenzen: Die Hautbegriffe, die jeder Heilpraktiker kennen muss
Shownotes
Die wichtigsten Inhalte dieser Folge:
- 00:00:00 Willkommen zum Thema Hauterkrankungen – der Werkzeugkasten für die Basics
- 00:00:20 Anatomie der Haut: Epidermis (gefäßlos!), Dermis und Prüfungsfallen
- 00:02:09 Erythem vs. Purpura: Der entscheidende Unterschied und die Glasspatelprobe
- 00:03:57 Primäre und sekundäre Effloreszenzen einfach erklärt (Macula, Papel, Vesicula, Ulkus, Kruste, Narbe) – inklusive Prüfungsfragen
- 00:05:38 Exanthem: Was es ist, seine Merkmale und Abgrenzung zum Ekzem
- 00:07:51 Das Ekzem (Dermatitis): Diagnose, Verlauf (akut/chronisch) und wichtige Ekzem-Typen
- 00:09:52 Zusammenfassung der wichtigsten Haut-Grundbegriffe und Ausblick auf die nächste Folge
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00:00:00: SARAH: Hallo zusammen! Willkommen bei den Heilpraktiker-Hacks! Hier sind wieder eure Prüfungsknacker Sarah und Lukas.
00:00:07: LUKAS: Und heute starten wir ein neues großes Thema: Hauterkrankungen. Genauer gesagt fangen wir heute mit den Grundbegriffen an – sozusagen dem Werkzeugkasten, den ihr braucht, um bei der Haut überhaupt mitreden zu können.
00:00:18: SARAH: Und das ist wirklich wichtig! Denn wer die Grundbegriffe kennt, der kann sich auch bei den einzelnen Krankheiten viel besser zurechtfinden. Also – fangen wir kurz mit dem Fundament an. Anatomie.
00:00:29: LUKAS: Ganz kurz, weil das meistens schon sitzt. Die Haut teilt sich auf in Kutis und Subkutis. Die Subkutis – das Unterhautfettgewebe – wird meistens gar nicht wirklich zur Haut gerechnet. Zur eigentlichen Haut, zur Kutis, gehören zwei Schichten: die Epidermis oben und die Dermis darunter.
00:00:47: SARAH: Und da gibt's schon eine kleine Prüfungsfalle! Die Epidermis – also die Oberhaut – ist gefäßlos. Kein Blut da drin. Das fragt der Amtsarzt gerne.
00:00:56: LUKAS: Genau, das kam 2017 dran. Die Frage war schlicht: Welche Aussage zur Haut trifft zu? Und die richtige Antwort: Die Epidermis ist gefäßlos. Klingt simpel, aber man muss es parat haben.
00:01:08: SARAH: Die Durchblutung findet also in der Dermis statt. Da sitzen auch die Hautanhangsgebilde – Haarfollikel, Talgdrüsen, Schweissdrüsen – und die Sinneszellen. Und noch was Schönes aus den Prüfungsfragen: In der Dermis finden sich unter anderem Melanozyten und Mastzellen.
00:01:25: LUKAS: Melanozyten sind die Pigmentzellen, Mastzellen vermitteln Entzündungsreaktionen. Beides prüfungsrelevant, weil sich beides in der Dermis befindet – nicht in der Epidermis! Die Epidermis besteht einfach aus 5 Schichten verhornendem Plattenepithel. In der untersten Schicht, der Basalzellschicht, findet die zellteilung statt. Hier ensteht übrigens auch das Basaliom. Die Hornzellen werden dann immer weiter nach oben geschoben und verhornen dabei immer mehr Das dauert normalerweise ca. 3 Wochen. Die zweite Schicht, die Stachelzellschicht, heisst übrigens Stratum spinosum. Hier entsteht das Spinaliom.
00:01:25: SARAH: Ich weiss, dass es zu den Melanozyten 2011 eine Prüfungsfrage gab, bei der sie zu den dermalen Zellen gezählt wurden. Und der Pschyrembel sagt auch, dass sie zum Beispiel in den Haarfollikeln vorkommen - aber Lukas: Vor allem gehören in die Basalschicht der Epidermis.
00:02:18: LUKAS: Ich gehe da mit Dir, Sarah. Das ist das schwierige mit den Prüfungsfragen. Was aber ganz sicher ist: Von den Melanozyten geht das maligne Melanom aus, der schwarze Hautkrebs. Beissen wir uns aber nicht fest an den Melanozyten.
00:02:30: SARAH: Okay, damit Anatomie abgehakt. Jetzt geht's ans Eingemachte. Wenn wir an Hauterscheinungen denken, stolpern wir sofort über zwei Begriffe: Erythem und Purpura.
00:02:41: LUKAS: Ich sag's gleich vorweg: Das ist eine klassische Verwechslungsfalle. Beide machen rote Flecken auf der Haut – aber die Ursache ist komplett unterschiedlich.
00:02:49: SARAH: Beim Erythem haben wir eine lokale Rötung durch Hyperämie – also durch zu viel Blut in den Gefäßen. Das Blut ist noch in den Gefäßen drin, es fließt nur mehr als normal.
00:03:00: LUKAS: Bei der Purpura hingegen ist das Blut aus den Gefäßen ausgetreten – es steckt im Gewebe. Das ist also eine echte Einblutung in die Haut oder Schleimhaut.
00:03:08: SARAH: Und wie unterscheide ich die beiden jetzt praktisch?
00:03:11: LUKAS: Mit der Glasspatelprobe! Ich nehme einen Glasspatel, drücke auf die rote Stelle – und beim Erythem wird sie blass. Das Blut lässt sich wegdrücken. Bei der Purpura passiert das nicht. Die Rötung bleibt, weil das Blut im Gewebe sitzt und nicht verdrängt werden kann.
00:03:26: SARAH: Das kann ich mir gut merken: Erythem wegdrückbar, Purpura nicht. Und Purpura, das muss man noch wissen, ist zunächst mal ein Befund – keine Krankheit. Es gibt aber auch Erkrankungen, die Purpura im Namen tragen, wie die Purpura Schönlein-Henoch.
00:03:41: LUKAS: Wichtig zu wissen: Petechien – also diese kleinen punktförmigen Einblutungen – gehören zur Purpura, nicht zum Erythem. Auch Hämatome sind Einblutungen, also auch Purpura-Territorium.
00:03:53: SARAH: Und dann gibt's noch einen Begriff, der gerne auftaucht: das Enanthem. Das ist einfach ein Erythem auf der Schleimhaut statt auf der Haut – also ein Ausschlag im Mund- oder Rachenbereich, oft bei Infektionen.
00:04:05: LUKAS: Gut. Weiter zu den Effloreszenzen. Das ist das eigentliche Vokabular der Haut – die Grundformen, mit denen man Hautveränderungen beschreibt.
00:04:13: SARAH: Und hier teilt man ein in primäre und sekundäre Effloreszenzen. Primär bedeutet: Sie entstehen direkt durch die Erkrankung. Sekundär bedeutet: Sie entstehen erst aus den primären – also im Verlauf.
00:04:25: LUKAS: Stell dir das so vor: Ein Bläschen platzt – das Bläschen ist die primäre Effloreszenz. Was übrig bleibt, ist eine Kruste – das wäre dann schon sekundär.
00:04:43: SARAH: Zu den primären Effloreszenzen gehören zum Beispiel: die Macula – ein Fleck, Papel – ein Knötchen, die Quaddel, das Bläschen, die Blase und die Pustel. Das sind die Sachen, die direkt auftauchen.
00:04:56: LUKAS: Und zu den sekundären: Schuppen, Krusten, Erosion, Ulkus, Narbe, Atrophie. Also alles, was sich im Laufe der Zeit entwickelt.
00:05:05: SARAH: Das wurde 2018 direkt gefragt! „Zu den Primäreffloreszenzen zählt" – und dann kamen Ulkus, Atrophie, Vesicula, Squama und Erosion zur Auswahl. Was wäre eure Antwort?
00:05:05: LUKAS: Vesicula – das Bläschen. Alles andere, Ulkus, Atrophie, Schuppen, Erosion – das sind sekundäre Effloreszenzen. Merk dir: Wenn etwas im Verlauf entsteht oder wenn man es sich aufkratzt oder wenn es vernarbt – sekundär.
00:05:32: SARAH: Und dann gab's noch eine Frage, die fast wortgleich 2014 und 2019 kam – also zweimal! „Welcher Begriff bezeichnet einen mit seröser Flüssigkeit gefüllten Hohlraum in oder unter der Oberhaut?" Was denkt ihr?
00:05:47: LUKAS: Das ist die Blase – Bulla auf Latein. Nicht die Pustel, die ist mit Eiter gefüllt. Nicht die Quaddel, da wäre die Flüssigkeit einfach im Hautgewebe ohne Flüssigkeitshohlraum. Sondern die Blase. Das lohnt eine Lernkarte!
00:06:00: SARAH: Wahnsinn, dass das zweimal kam. Okay, weiter zum nächsten Grundbegriff: dem Exanthem.
00:06:00: LUKAS: Das Exanthem ist ein entzündlicher Hautausschlag, der große Bereiche der Haut betrifft. Und was ein Exanthem kennzeichnet, ist ein bestimmter zeitlicher Ablauf – Beginn, Höhepunkt, Ende – und dabei treten verschiedene Effloreszenzen auf.
00:06:20: SARAH: Also ein Exanthem besteht quasi aus Effloreszenzen. Das Exanthem ist das große Bild, die Effloreszenzen sind die Einzelbausteine darin.
00:06:29: LUKAS: Und um ein Exanthem gut beschreiben zu können, gibt es vier Kriterien, die man im Hinterkopf haben sollte: Erstens – welche Art von Hauterscheinung ist es? Also welche Effloreszenzen? Zweitens – wo tritt es auf, und wohin breitet es sich aus? Der Lokalisationsverlauf.
00:06:45: SARAH: Drittens – wie verändert es sich? Also erst Bläschen, dann Krusten – oder alles gleichzeitig wie beim Sternenhimmel bei Windpocken? Das ist der Entwicklungsverlauf. Und viertens – die Prädilektionsstellen. Also bevorzugte Stellen, wo eine Erkrankung typischerweise auftaucht.
00:07:01: LUKAS: Das ist nämlich gerade bei der Abgrenzung zwischen Krankheiten sehr hilfreich. Masern und Röteln zum Beispiel – beide machen ein Exanthem. Aber Masern fangen hinter den Ohren an und sind großfleckig-konfluierend. Röteln sind kleinfleckig und fangen am Kopf und Hals an.
00:07:17: SARAH: Typische Erkrankungen mit Exanthemen sind übrigens klassische Kinderkrankheiten – Masern, Röteln, Windpocken, Scharlach. Aber Exantheme gibt es auch bei Allergien, Arzneimittelreaktionen oder Autoimmunerkrankungen. Da denke man nur an das Schmetterlingserythem beim Lupus erythematodes.
00:07:35: LUKAS: Und noch ein wichtiger Begriff hier: das Enanthem – das hatten wir schon kurz. Das ist quasi das Exanthem auf der Schleimhaut. Bei Masern kennt ihr ja die Koplik-Flecken – das ist so ein Enanthem.
00:07:35: SARAH: Moment, Moment – der Amtsarzt hat auch Exanthem direkt abgefragt, oder?
00:07:50: LUKAS: Ja, 2021 gab's eine Frage, die das Exanthem dem Ekzem direkt gegenübergestellt hat. Und da war eine der richtigen Aussagen: Im Gegensatz zum Ekzem bildet das Exanthem häufig ein typisches Verteilungsmuster und zeigt einen zeitlichen Ablauf. Das ist der Kern-Unterschied!
00:08:07: SARAH: Gut. Damit kommen wir zum letzten Grundbegriff der heutigen Folge: dem Ekzem.
00:08:07: LUKAS: Das Ekzem – auch Dermatitis genannt oder umgangssprachlich Juckflechte – ist eine sehr häufige, nicht infektiöse und juckende Entzündung der Haut. Und wichtig: Rund zehn Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Das ist eine echte Volkskrankheit.
00:08:07: SARAH: Und das Ekzem ist kein Befund wie das Exanthem, sondern eine Diagnose. Eine Erkrankung. Das ist der konzeptuelle Unterschied, der in der Prüfungsfrage von 2021 steckte.
00:08:07: LUKAS: Das Ekzem kann akut oder chronisch verlaufen. Akut sieht man vor allem Rötung, Schwellung, Juckreiz, Bläschen. Chronisch kommen dann eher Schuppen, Krusten, Rhagaden dazu – also die sekundären Effloreszenzen.
00:08:50: SARAH: Also nochmal zum Mitschreiben: akut – eher primäre Effloreszenzen. Chronisch – eher sekundäre. Das ist eine schöne Verbindung zu dem, was wir vorhin besprochen haben.
00:08:50: LUKAS: Es gibt verschiedene Ekzem-Typen, die man kennen sollte. Das atopische Ekzem – das ist die Neurodermitis, also bei allergischer Grundkonstitution. Das seborrhoische Ekzem, da sind die Talgdrüsen betroffen. Das Kontaktekzem, das kann allergisch oder toxisch sein. Und das Stauungsekzem bei chronisch-venöser Insuffizienz.
00:08:50: SARAH: Das mit dem Kontaktekzem wurde auch direkt gefragt – 2021. „Ein Kontaktekzem kann allergisch bedingt sein." Richtig! Kann auch toxisch sein, aber allergisch ist definitiv möglich.
00:08:50: LUKAS: Mein Tipp für euch: Ekzem-Typen kurz als Lernkarte anlegen. Atopisch gleich Neurodermitis, seborrhoisch gleich Talgdrüsen, Stauung gleich venöse Insuffizienz – das reicht erstmal.
00:09:44: SARAH: Übrigens – wer tiefer einsteigen will in diese Themen, dem empfehle ich die Videotrainings von Stefan Barres bei Heilpraktikerausbildung24. Da wird das alles noch mal richtig anschaulich erklärt, mit Bildern und Prüfungsbeispielen.
00:09:58: LUKAS: Ja, gerade bei den Effloreszenzen hilft es wirklich, die mal visuell zu sehen. Also schaut da gerne rein.
00:10:03: SARAH: Gut, dann fassen wir kurz zusammen. Heute hatten wir den Werkzeugkasten der Haut: Epidermis ist gefäßlos, die Dermis enthält Melanozyten und Mastzellen. Erythem ist wegdrückbar, Purpura nicht – Glasspatelprobe! Effloreszenzen sind primär – direkt durch die Krankheit – oder sekundär, also im Verlauf entstanden. Das Exanthem hat einen zeitlichen Ablauf und typische Verteilungsmuster. Und das Ekzem ist eine Erkrankung – nicht infektiös, juckend, zehn Prozent der Bevölkerung betroffen.
00:10:34: LUKAS: In der nächsten Folge schauen wir uns dann die Hauterkrankungen selbst an – Psoriasis, Neurodermitis, Urtikaria und mehr. Aber eben nicht einzeln durchgekaut, sondern im Vergleich: Wer bekommt es? Wo sitzt es? Juckt es?
00:10:47: SARAH: Das wird spannend! Macht's gut und viel Erfolg beim Lernen, ihr Lieben!
00:10:51: LUKAS: Ciao, bis bald!
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