Azidose und Alkalose verstehen: Säure-Basen-Haushalt Teil 2
Shownotes
Die wichtigsten Inhalte dieser Folge:
Renale Regulation des Säure-Basen-Haushalts
Aldosteron als Schlüsselhormon im distalen Tubulus
Natrium und Wasser rein, Kalium und H-plus raus
Morbus Conn (zu viel Aldosteron) → Alkalose
Morbus Addison (zu wenig Aldosteron) → Azidose
Ursachen der respiratorischen Störungen
Respiratorische Azidose: Hypoventilation bei schweren Lungenerkrankungen
Respiratorische Alkalose: Hyperventilation (psychogen, Schmerz, Fieber)
Ursachen der metabolischen Störungen
Metabolische Azidose: Ketoazidose (Typ-1-Diabetes), Durchfall (Bikarbonatverlust), Schock, Hyperkaliämie/Hyperkalzämie
Metabolische Alkalose: Starkes Erbrechen, Diuretika mit Hypokaliämie, Morbus Conn, Leberzirrhose (Ammoniak)
Symptome systematisch verstehen
Alkalose: Tetanie, flache Atmung, Hypokaliämie, alkalischer Urin
Azidose - direkte Zeichen: Kussmaul-Atmung, Bewusstseinstrübung, Hyperkaliämie, saurer Urin
Azidose - systemische Folgen: Brettharte Bauchdecke, Peritonitis, Perikarditis, Pleuritis, Lungen-/Hirnödem
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Transkript anzeigen
00:00:00: SARAH: Hallo zusammen! Willkommen zurück bei den Heilpraktiker-Hacks!
00:00:04: LUKAS: Hier sind wieder eure Prüfungsknacker — Sarah und Lukas. Und das hier ist Folge 27 — der zweite Teil unserer Azidose-Alkalose-Reihe.
00:00:13: SARAH: In Folge 26 haben wir die Grundlagen gelegt: den pH-Wert, die drei Regulationsebenen und davon schon die beiden Puffersysteme und die respiratorische Ebene mit Hyperventilation und Kussmaul-Atmung.
00:00:26: LUKAS: Wer Folge 26 noch nicht gehört hat — unbedingt nachholen. Heute bauen wir direkt darauf auf. Wir starten mit der dritten Regulationsebene: der Niere.
00:00:35: SARAH: Die Niere ist die langsamste der drei Ebenen — sie braucht Stunden, manchmal sogar Tage. Aber sie ist die nachhaltigste. Während die Puffer nur verschieben und die Atmung kurzfristig reguliert, kann die Niere überschüssige H-plus-Ionen tatsächlich dauerhaft aus dem Körper entfernen.
00:00:51: LUKAS: Und das macht sie vor allem über ein Hormon, das wir aus Folge 25 schon gut kennen — das Aldosteron. Aldosteron wird in der Nebennierenrinde gebildet und wirkt im distalen Tubulus der Niere. Es holt Natrium und Wasser zurück — und scheidet im Austausch Kalium und H-plus aus.
00:01:09: SARAH: Das heißt: Aldosteron hat einen direkten Einfluss auf den Säure-Basen-Haushalt. Zu viel Aldosteron — zu viel H-plus wird ausgeschieden — der pH steigt — Alkalose. Zu wenig Aldosteron — zu wenig H-plus wird ausgeschieden — der pH sinkt — Azidose.
00:01:24: LUKAS: Und genau deshalb haben wir das in Folge 25 schon erwähnt: Morbus Conn mit zu viel Aldosteron macht eine Alkalose. Morbus Addison mit zu wenig Aldosteron macht eine Azidose. Wer das noch mal in der Tiefe nachhören will — Folge 25 lohnt sich.
00:01:41: SARAH: Gut. Jetzt haben wir alle drei Ebenen zusammen. Und damit können wir die großen Übersichten machen. Starten wir mit den Ursachen und gehen dann zu den Symptomen weiter. Bei den Ursachen unterscheiden wir jeweils für Azidose und Alkalose respiratorische Ursachen, also über die CO2-Regulationsebene und metabolischen Ursachen über alle anderen Möglichkeiten. Fangen wir mit den beiden respiratorischen Formen an. Die sind am einfachsten.
00:02:08: LUKAS: Respiratorische Azidose: zu wenig Abatmen von CO₂. Ursache ist immer eine Hypoventilation — der Körper atmet zu flach oder zu wenig. Das passiert bei schweren Lungenerkrankungen: fortgeschrittenes Lungenemphysem, chronische Bronchitis im Endstadium. CO₂ staut sich an, H-plus steigt, pH sinkt.
00:02:28: SARAH: Respiratorische Alkalose: zu viel Abatmen von CO₂ — also Hyperventilation. Und wie wir in Folge 26 gelernt haben: die häufigste Ursache ist psychogen. Angst, Panik, Aufregung. Aber auch Schmerz oder Fieber können Hyperventilation auslösen. Und hier nicht vergessen: Die Hyperventilation kann auch als Symptom bei der Azidose vorkommen, um die Säure über CO2 zu vermindern.
00:02:53: LUKAS: Jetzt zu den metabolischen Ursachen — die sind vielfältiger. Metabolische Azidose zuerst. Hier gibt es vier Wege, auf denen wir reingeraten können. Erstens: Ketoazidose. Der Klassiker. Wenn der Körper Fett verbrennt, entstehen Ketonkörper, die H-plus abgeben. Das passiert beim Typ-1-Diabetiker mit absolutem Insulinmangel — aber auch beim längeren Fasten.
00:03:15: SARAH: Und genau hier liegt der Unterschied zum Typ-2-Diabetiker. Der hat noch Restinsulin — relativer Insulinmangel. Deshalb läuft die Fettverbrennung beim Typ-2 nicht so unkontrolliert an. Die klassische Ketoazidose ist eine Typ-1-Geschichte.
00:03:30: LUKAS: Zweiter Weg zur metabolischen Azidose: Durchfall. Bei Durchfall geht viel Bikarbonat verloren — das ist die Base, die der Körper braucht, um H-plus zu puffern. Weniger Bikarbonat, mehr freies H-plus, pH sinkt. Diesen Bikarbonat-Puffer haben wir in der letzten Folge nicht erwähnt. Er wird in den Prüfungen kaum angesprochen. Aber Bikarbonat als basischen Stoff, der die H-Plus-Ionen binden kann dürfen wir schon kennen.
00:03:54: SARAH: Ja, gerade der Zusammenhang im Verdauungstrakt: Birkarbinat wird zusammen mit den Verdauungsenzymen vom Pankreas ins Duodenum abgegeben, um den sauren Magenbrei zu neutralisieren.
00:03:54: LUKAS: Und normalerweise wird das meiste Bikarbonat dann im Dünndarm wieder resorbiert und im Körper als Base verwendet. Bei Durchfall geht es dann im wahrsten Sinne des Wortes flöten.
00:03:54: SARAH: Dritter Weg: Schockzustand. Im Schock wird die Niere nicht mehr durchblutet. H-plus kann nicht mehr ausgeschieden werden. Es staut sich an — Azidose.
00:04:26: LUKAS: Und viertens — über die Puffersysteme, was wir Verteilungsazidose nennen. Hyperkaliämie und Hyperkalzämie können über die Puffer H-plus ins Blut treiben. Das haben wir in Folge 26 durchgespielt.
00:04:38: SARAH: Jetzt die metabolische Alkalose. Auch hier vier Wege. Erstens: starkes Erbrechen. Mit dem Magensaft verlieren wir Salzsäure — also massenhaft H-plus. Weniger H-plus, pH steigt, Alkalose.
00:04:51: LUKAS: Das ist eine Frage, die wirklich immer wieder in der Prüfung kommt — und zwar in einer Kombination mit Fallen. Ursachen einer Alkalose: starkes Erbrechen, Diuretikagabe mit Hypokaliämie — das sind die richtigen Antworten. Und die Fallen?
00:05:05: SARAH: Hungerzustände — klingt erstmal harmlos, macht aber über die Ketonkörper eine Azidose. Coma diabeticum — auch Azidose, Ketoazidose. Schockzustand — ebenfalls Azidose. Alle drei intuitiv vielleicht nicht sofort klar, aber wenn man die Mechanismen kennt, ist es logisch.
00:05:23: LUKAS: Zweiter Weg zur metabolischen Alkalose: Diuretika mit Hypokaliämie. Hier greift wieder der Zellpuffer. Die Zellen geben Kalium ins Blut ab und nehmen H-plus auf — weniger H-plus im Blut.
00:05:34: SARAH: Dritter Weg: Morbus Conn — zu viel Aldosteron — zu viel H-plus-Ausscheidung über die Niere. Den kennen wir.
00:05:41: LUKAS: Und viertens — Leberzirrhose. Die kranke Leber kann Ammoniak nicht mehr zu Harnstoff abbauen. Ammoniak ist eine Base. Zu viele Basen im Blut bedeuten: H-plus wird gebunden, weniger freies H-plus, pH steigt, Alkalose.
00:05:56: SARAH: Das ist ein schöner Zusammenhang — Leberzirrhose macht Alkalose, weil das Ammoniak nicht weggeräumt wird. Und natürlich auch über die Verteilung: Hypokaliämie und Hypokalzämie treiben den Puffer in Richtung Alkalose.
00:06:09: LUKAS: Gut. Jetzt zur nächsten Übersicht — die Symptome. Hier lohnt es sich, zwei Ebenen zu unterscheiden: die direkten Zeichen und die systemischen Folgen bei schwererer Azidose.
00:06:19: SARAH: Fangen wir mit der Alkalose an, die ist überschaubarer. Das Leitsymptom ist die Tetanie — Pfötchenstellung, Parästhesien, Muskelzittern. Ursache: Hypokalzämie durch den Albuminpuffer. Das kennen wir von der Hyperventilationstetanie.
00:06:34: LUKAS: Dazu kommt eine flache, verminderte Atmung — der Körper versucht, CO₂ zu halten und damit H-plus im Körper zu behalten. Das ist das genaue Gegenteil der Kussmaul-Atmung. Und: Hypokaliämie, weil Kalium in die Zellen wandert. Der Urin ist meist alkalisch. Und in ausgeprägten Fällen können kardiale Symptome auftreten — Extrasystolen. Das kommt vor allem durch den Kaliummangel.
00:06:57: SARAH: Jetzt zur Azidose — und da gibt es wirklich zwei Ebenen. Direkte Zeichen zuerst: Kussmaul-Atmung als Kompensationsversuch. Zunehmende Bewusstseinstrübung — Somnolenz, Desorientiertheit. Hyperkaliämie durch den Zellpuffer — mit dem wichtigen Hinweis: wenn die Azidose behandelt wird, kann die Hyperkaliämie in eine Hypokaliämie umschlagen. Kaliumwert immer im Blick behalten! Und der Urin ist meist sauer.
00:07:24: LUKAS: Und dann gibt es die systemischen Folgen bei schwerer oder chronischer Azidose — das ist die zweite Ebene. Die Säure schädigt die Blutgefäße und greift die serösen Häute an. Das kann zu einer Peritonitis führen — mit brettharter Bauchdecke als klinischem Zeichen.
00:07:38: SARAH: Wahnsinn, dass eine Stoffwechselentgleisung so weit gehen kann. Aber es geht noch weiter: Auch Perikarditis und Pleuritis können entstehen — Entzündungen am Herzbeutel und am Lungenfell. Alles durch die Schädigung der serösen Häute.
00:07:38: LUKAS: Und als schwerste Steigerung — zum Beispiel beim Nierenversagen, wenn H-plus überhaupt nicht mehr ausgeschieden werden kann — Lungenödem und Hirnödem. Die Gefäßschädigung durch die Azidose wird so massiv, dass Flüssigkeit ins Gewebe austritt.
00:08:06: SARAH: Das erklärt auch, warum beim Nierenversagen die Azidose eine der Hauptgefahren ist — nicht die Alkalose. Die Niere scheidet kein H-plus mehr aus, die Säure staut sich, und am Ende drohen Lungen- und Hirnödem.
00:08:06: LUKAS: Merk dir also: Bei der Azidose nicht nur an Kussmaulatmung und Bewusstseinstrübung denken — sondern auch an brettharte Bauchdecke, seröse Häute und im Extremfall Lungenödem und Hirnödem.
00:08:06: SARAH: Und mit Stefan Barres' Methode — Lernen nach Zeilen — lässt sich das wunderbar strukturieren. Azidose: Zeile eins — direkte Zeichen. Zeile zwei — systemische Folgen. Zwei Ebenen, klare Struktur, bleibt hängen.
00:08:06: LUKAS: Übrigens — wer das alles nochmal in Ruhe mit Skizzen und visueller Unterstützung durcharbeiten möchte: die Videotrainings von Heilpraktikerausbildung24.de sind genau dafür gemacht. Gerade so ein komplexes Thema wie der Säure-Basen-Haushalt — da hilft es, es nochmal bildlich aufbereitet zu sehen.
00:09:00: SARAH: Absolut. Und in den Live-Kursen kann man dann genau solche Fragen stellen — warum kippt die Hyperkaliämie nach der Behandlung in eine Hypokaliämie, wie hängt das Ammoniak mit der Leberzirrhose zusammen. Das sind genau die Fragen, bei denen ein Live-Kurs Gold wert ist.
00:09:00: LUKAS: Also nochmal kurz zusammenfassen, was wir heute hatten: Renale Regulation über Aldosteron. Ursachenübersicht aller vier Formen — respiratorisch und metabolisch, Azidose und Alkalose. Und die Symptome in zwei Ebenen.
00:09:30: SARAH: Zusammen mit Folge 26 habt ihr jetzt das komplette Bild. pH-Wert, Puffersysteme, Atmung, Niere, Ursachen, Symptome — alles mit Mechanismus, nicht auswendig.
00:09:30: LUKAS: Und wenn die Prüfungsfrage kommt — was macht eine Hypokaliämie mit dem Säure-Basen-Haushalt, was ist die Kussmaul-Atmung, warum keine Calciumgabe bei Hyperventilationstetanie — dann könnt ihr das jetzt herleiten.
00:09:42: SARAH: Genau so wollen wir das. Macht's gut und viel Erfolg beim Lernen, ihr Lieben!
00:09:46: LUKAS: Ciao, bis bald!
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