Depression verstehen: Von SSRIs bis zur Altersdepression – Dein HP-Wissen-Booster (Teil 2)

Shownotes

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Die wichtigsten Inhalte dieser Folge:

  • Episode vs. Störung: Erste Depression = depressive Episode, zweite Depression = rezidivierende depressive Störung
  • Dysthymia: Mindestens 2 Jahre depressive Verstimmung, zu schwach für Depressionsdiagnose

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  • Bipolare Störung: Wechsel zwischen Manie und Depression - rezidivierende Manie gibt es als Diagnose nicht
  • Zyklothymie: Dauerhafte aber schwächere bipolare Störung
  • Beck-Depressionsinventar (BDI-2): Selbstbeurteilung, 21 Merkmale, 5-10 Minuten
  • Hamilton-Depressionsskala (HAMD): Fremdbeurteilung, 21 Merkmale, 30 Minuten
  • SSRIs: Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer als Mittel erster Wahl
  • Weitere Antidepressiva: SNRIs, trizyklische (mehr Nebenwirkungen), MAO-Hemmer
  • Johanniskraut: Einziges Antidepressivum für Heilpraktiker, nur bei leichten Depressionen
  • Zusätzliche Therapien: Wachtherapie, EKT, Lichttherapie als anerkannte Methoden
  • Organische Ursachen: Hypothyreose, Parkinson, Hirnerkrankungen, Kortikosteroide, B12-Mangel
  • Altersdepression: Hohes Suizidrisiko, oft als Pseudodemenz verkannt
  • Depressive Pseudodemenz: Kognitive Probleme durch Depression, nicht durch Demenz
  • Komorbidität: Depression tritt oft mit anderen Erkrankungen auf (außer Manie)

Dein Wissensnetz-Tipp: Aaron Beck verbindet Depression mit kognitiver Verhaltenstherapie - sein Name steht sowohl für das BDI-Testverfahren als auch für die therapeutische Methode.


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Transkript anzeigen

00:00:00: LUKAS: Hallo zusammen und willkommen zurück bei den Heilpraktiker-Hacks! Hier sind wieder Sarah und Lukas — und wir machen heute direkt weiter mit der Depression. Teil zwei.

00:00:00: SARAH: Falls ihr Teil eins noch nicht gehört habt — kurz nachholen! Da haben wir die Grundlagen geklärt: Hauptsymptome, Schweregrade, Subtypen wie die lavierte und agitierte Depression, und Suizidalität. Heute gehen wir tiefer rein.

00:00:23: LUKAS: Und heute ist die Folge besonders interessant für alle, die den HP-Psych machen. Es gibt Inhalte, die für beide Prüfungen relevant sind — aber einiges ist wirklich spezifisch für den HP-Psych. Wir werden das immer wieder kennzeichnen.

00:00:37: SARAH: Starten wir mit einem Thema, das konzeptuell wichtig ist und in der HP-Psych-Prüfung immer wieder auftaucht: Episode versus Störung. Was ist der Unterschied?

00:00:46: LUKAS: Das ist eigentlich elegant gelöst im ICD-10. Wenn jemand zum ersten Mal depressiv wird, diagnostizieren wir eine depressive Episode — leicht, mittelgradig oder schwer. Aber wenn die Depression ein zweites Mal auftritt, ändert sich die Diagnose. Dann sprechen wir von einer rezidivierenden depressiven Störung.

00:01:06: SARAH: Rezidivierend bedeutet wiederkehrend. Und das ist keine Kleinigkeit — denn diese Diagnose bleibt. Auch wenn die Person gerade keine Symptome hat, ist sie dann in der Kategorie „gegenwärtig remittiert". Die Diagnose verschwindet nicht.

00:01:19: LUKAS: Das ist aus psychotherapeutischer Sicht übrigens durchaus diskutierbar — eine Art sich selbst erfüllende Prophezeiung. Aber das ist die Logik des ICD-10. Und für die Prüfung müssen wir sie kennen.

00:01:31: SARAH: Und was ist mit der bipolaren Störung?

00:01:33: LUKAS: Auch das ist im HP-Psych prüfungsrelevant. Wer manische und depressive Episoden hat, wird bipolar diagnostiziert. Und hier kommt eine echte Prüfungsfalle: Eine rein rezidivierende manische Störung gibt es im ICD-10 nicht. Wer manische Episoden hat, wird immer in die bipolare Schublade gesteckt — weil man davon ausgeht, dass depressive Episoden dazugehören oder noch kommen werden.

00:01:33: SARAH: Das heißt: Manie ohne depressive Komponente — das gibt es als Störungsdiagnose nicht. Nur als einzelne Episode.

00:01:50: LUKAS: Genau. Und noch ein Begriff, der speziell im HP-Psych gefragt wird: die Dysthymia. Was ist das?

00:01:57: SARAH: Das ist sozusagen die leise, hartnäckige Variante der Depression. Eine depressive Verstimmung, die nicht stark genug ist für eine richtige Depressionsdiagnose — aber dafür mindestens zwei Jahre andauert.

00:02:10: LUKAS: Mindestens zwei Jahre — das ist das Zeitkriterium, das ihr euch merken müsst. Der Unterschied zur depressiven Episode liegt also im Schweregrad und im zeitlichen Verlauf. Und das war eine Prüfungsfrage im HP-Psych: Der Unterschied zwischen depressiver Episode und Dysthymie liegt im Wesentlichen im Schweregrad und im zeitlichen Verlauf. Richtig.

00:02:31: SARAH: Was ich daran interessant finde: Dysthymia-Patienten kommen oft noch einigermaßen durch den Alltag. Sie gehen zur Arbeit, sie funktionieren — aber sie fühlen sich seit Jahren nicht richtig gut. Die sagen dann oft: Das ist halt mein Charakter, ich bin eben so ein Grübler.

00:02:46: LUKAS: Und genau da liegt die Gefahr — dass es nicht erkannt wird. Weil es nicht so dramatisch aussieht wie eine schwere Depression. In der HP-Psych-Prüfung gab es dazu ein schönes Fallbeispiel: älterer Patient, körperliche Beschwerden, nichts organisches — und eigentlich eine jahrelange depressive Verstimmung im Hintergrund.

00:02:46: SARAH: Un der Vollständigkeit halber sei auch noch die Zyklothymie genannt. Das ist die dauerhafte aber schwächer verlaufende Bipolare Störung.

00:03:11: LUKAS: So, damit haben wir das ganze Kapitel F3 im Überblick.

00:03:16: SARAH: Okay, dann kommen wir jetzt zur Diagnostik — und da möchten wir heute zwei standardisierte Testverfahren vorstellen, die ihr kennen solltet. Gerade für den HP-Psych.

00:03:16: LUKAS: Das erste ist das Beck-Depressionsinventar, kurz BDI — beziehungsweise in der aktuellen Version BDI-2. Das ist ein Selbstbeurteilungsverfahren. Der Patient füllt es selbst aus.

00:03:37: SARAH: 21 Merkmale — oder in der Kurzform 13. Traurige Stimmung, Schuldgefühle, Schlafstörungen, Pessimismus, das Gefühl zu versagen. Dauert fünf bis zehn Minuten. Geeignet ab 16 Jahren.

00:03:50: LUKAS: Und der Name Beck steht für Aaron Beck — den Begründer der kognitiven Verhaltenstherapie. Also merkt euch: Beck — Depression — kognitive Therapie. Das ist ein Name, den ihr bei diesem Thema immer wieder hören werdet.

00:04:03: SARAH: Das zweite Verfahren ist die Hamilton-Depressionsskala, kurz HAMD. Und da ist der entscheidende Unterschied: Das ist ein Fremdbeurteilungsverfahren. Nicht der Patient bewertet sich — sondern der Behandler bewertet den Patienten.

00:04:17: LUKAS: Auch 21 Merkmale, ähnliche Inhalte — depressive Stimmung, Schuldgefühle, Suizidalität, Einschlafstörungen. Aber die Testdauer ist mit dreißig Minuten deutlich länger, weil es ein Gespräch erfordert.

00:04:29: SARAH: Und warum braucht man eigentlich beide Perspektiven? Selbst- und Fremdbeurteilung?

00:04:35: LUKAS: Weil ein schwer depressiver Mensch sich selbst oft anders wahrnimmt als von außen. Jemand kann nach außen hin schon deutlich stabilisiert wirken — aber innerlich noch tief in der Depression stecken. Oder umgekehrt: jemand klagt stark, wirkt aber im Gespräch bereits deutlich besser. Beide Blickwinkel zusammen geben ein vollständigeres Bild.

00:04:54: SARAH: Das ist auch ein schöner Punkt für die mündliche Prüfung — wenn man gefragt wird, wie man eine Depression diagnostiziert, kann man neben den ICD-10-Kriterien auch die Testverfahren nennen.

00:05:05: LUKAS: Genau. Und dann kommen wir zum dritten großen Block heute: die Therapie. Und hier gibt es wirklich einiges zu sagen — weil die Therapie der Depression vielschichtig ist und in der Prüfung aus verschiedenen Richtungen abgefragt wird.

00:05:18: SARAH: Fangen wir mit den Medikamenten an — den Antidepressiva. Und da ist es wichtig, dass wir nicht nur „Antidepressiva" sagen, sondern die Gruppen kennen.

00:05:25: LUKAS: Richtig. Die wichtigste Gruppe heute sind die SSRIs — Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Selektiv, weil sie gezielt auf Serotonin wirken. Wiederaufnahme-Hemmer, weil sie verhindern, dass Serotonin nach der Ausschüttung in den synaptischen Spalt wieder in die Nervenzelle aufgenommen wird.

00:05:44: SARAH: Das Prinzip ist also: Normalerweise wird Serotonin nach dem Einsatz im Spalt wieder eingesammelt und recycelt. Der SSRI blockiert diesen Rücktransport — das Serotonin bleibt länger aktiv.

00:05:44: LUKAS: Stell es dir vor wie ein Schwimmbad mit einem Abfluss. Normalerweise läuft das Wasser nach kurzer Zeit ab. Der SSRI verstopft den Abfluss. Das Wasser — also das Serotonin — bleibt länger.

00:05:57: SARAH: Perfekt. Und warum Serotonin? Weil Serotoninmangel als eines der zentralen neurochemischen Modelle der Depression gilt. Das erklärt auch, warum SSRIs wirken.

00:06:08: LUKAS: Beispiele für SSRIs, die in der Prüfung auftauchen können: Citalopram, Sertralin, Fluoxetin. Und tatsächlich kam in einer medizinischen HP-Prüfung die Frage: Ein Patient bekommt einen selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, zum Beispiel Citalopram — wofür steht das? Richtige Antwort: depressive Störung.

00:06:28: SARAH: Dann gibt es noch die SNRIs — Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer. Die wirken auf beide Systeme gleichzeitig.

00:06:36: LUKAS: Und die älteren trizyklischen Antidepressiva — die wirken auch auf Serotonin und Noradrenalin, aber deutlich unspezifischer. Das bedeutet: mehr Nebenwirkungen. Übelkeit, Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Schwindel. Diese Medikamente sind älter und werden heute weniger als erste Wahl eingesetzt.

00:06:36: SARAH: Und dann gibt es noch die MAO-Hemmer — Monoamin-oxidase-Hemmer. Die hemmen ein Enzym, das Neurotransmitter abbaut. Weniger Abbau heißt mehr Wirkung. Auch eine eigene Gruppe, die ihr dem Namen nach kennen solltet.

00:06:54: LUKAS: Und was darf der Heilpraktiker verschreiben? Nur Johanniskraut — und das auch nur bei leichten oder mittleren Depressionen. Alle anderen Antidepressiva sind rezeptpflichtig. Und bei schwerer Depression ist das naturheilkundliche Mittel nicht ausreichend.

00:07:08: SARAH: Wichtig ist, das hatten wir im ersten Teil schon besprochen: Viele Antidepressiva wirken zuerst Antriebssteigernd, aber noch nicht stimmungsaufhellend. Das ist sehr gefährlich, weil die Patienten dann eigentlich etwas machen wollen, aber sich gar nicht in der Lage dazu fühlen.

00:07:23: LUKAS: Und wichtig ist auch: Antidepressiva dürfen nicht einfach abrupt abgesetzt werden. Das muss ausgeschlichen werden — sonst drohen Absetzsymptome. Das wollen Prüfer hören.

00:07:23: SARAH: Obwohl es keine Abhängigkeit bei Antidepressiva gibt, also keine echten Entzugserscheinungen.

00:07:33: LUKAS: Gut. Neben den Medikamenten gibt es aber noch weitere Therapieformen — und eine davon taucht in HP-Psych-Prüfungsfragen explizit auf: die Wachtherapie, auch Schlafentzugstherapie genannt.

00:07:33: SARAH: Das klingt erst mal kontraintuitiv. Dem Depressiven, der sowieso schon schlecht schläft, noch den Schlaf entziehen?

00:07:51: LUKAS: Ich weiß, das klingt seltsam. Aber es funktioniert — zumindest kurzfristig. Durch gezielten Schlafentzug, vor allem in der zweiten Nachthälfte, verbessert sich bei vielen Patienten die Stimmung. Der Effekt ist nicht dauerhaft, aber er kann als Teil eines Behandlungsplans sinnvoll sein.

00:07:51: SARAH: In der HP-Psych-Prüfung wurde das so gefragt: Neben Psychopharmakotherapie und Psychotherapie sind welche Methoden nachgewiesen wirksam? Wachtherapie, EKT, Lichttherapie — alle drei richtig.

00:07:51: LUKAS: Ja, und dann genau die EKT — die Elektrokrampftherapie. Die hat ein s chlechtes Image, weil viele sie aus alten Filmen kennen, wo das dramatisch und brutal aussieht. Aber heute wird sie unter Kurznarkose durchgeführt, der Patient bemerkt nichts davon.

00:08:34: SARAH: Und sie ist kein letzter Ausweg für hoffnungslose Fälle — sie ist eine anerkannte Behandlungsmethode, vor allem wenn Medikamente nicht anschlagen.

00:08:42: LUKAS: Das war auch eine Prüfungsfrage im medizinischen HP: Die EKT spielt in der Behandlung von schweren Depressionen keine Rolle. Falsch — sie spielt eine wichtige Rolle.

00:08:52: SARAH: Und natürlich die Psychotherapie. Hier ist wieder der Name, den wir mit der Depression verbinden: Aaron Beck und die kognitive Verhaltenstherapie. Die Idee dahinter: Depressive haben eingefahrene negative Denkmuster. Die Therapie hilft, diese Muster zu erkennen und umzustrukturieren.

00:09:08: LUKAS: Bei schweren Depressionen mit psychotischen Symptomen gilt allerdings: erst Medikamente, dann Psychotherapie. Wer in einem aktiven Wahn ist, kann an einer Gesprächstherapie kaum teilnehmen. Der Wahn muss erst abklingen.

00:09:21: SARAH: Und dann gibt es noch eine prüfungsrelevante Frage, die im HP-Psych auftaucht: Was ist nach der Diagnosestellung einer schweren depressiven Episode angezeigt? Die kombinierte Behandlung aus Medikamenten und Psychotherapie — und die Akutbehandlung gehört in ärztliche Hände, weil Psychopharmaka verschrieben werden müssen.

00:09:39: LUKAS: Nicht immer stationär — das ist ein häufiger Irrtum. Die Frage war: Muss eine schwere depressive Episode immer auf einer beschützenden Station behandelt werden? Nein — das ist nicht immer nötig. Stationär wird es bei akuter Suizidgefahr oder bei psychotischen Symptomen.

00:09:56: SARAH: Jetzt kommen wir zu einem Bereich, der auch vor allem für den HP-Psych wichtig ist: die organischen Ursachen der Depression. Die sekundäre Depression.

00:10:05: LUKAS: Der Begriff sagt es schon — sie ist sekundär, also Folge von etwas anderem. Das können körperliche Erkrankungen sein: Hypothyreose, Multiple Sklerose, Parkinson, Schlaganfall, Hirntumor, Epilepsie, aber auch Meningitis und Enzephalitis.

00:10:21: SARAH: Das überrascht viele — Hirnhautentzündung als Ursache einer Depression. Aber alles, was das Gehirn betrifft, kann sich auch in der Stimmung und im Antrieb niederschlagen.

00:10:21: LUKAS: Und dann Medikamente: Cortison — das taucht in Prüfungsfragen auf. Auch Antibiotika wurden in einem mündlichen Protokoll erwähnt. Und Vitaminmangel — Vitamin B12 wurde in einer HP-Psych-Prüfungsfrage explizit gefragt: Welche körperlichen Zustände können depressive Symptome auslösen? Hypothyreose, Vitamin-B12-Mangel, Klimakterium, Gehirntumore, Kortikosteroide — alles richtig.

00:10:58: SARAH: Das bedeutet für uns als Heilpraktiker: Vor jeder Depression-Diagnose kommt die organische Abklärung. Immer. Eine psychische Diagnose ist immer eine Ausschlussdiagnose.

00:11:10: LUKAS: Und das gilt umso mehr im Alter. Was wir noch ansprechen wollen — die Altersdepression. Die ist für den HP-Psych ein eigenes Thema.

00:11:18: SARAH: Im hohen Lebensalter ist die Depression besonders tückisch — weil sie oft hinter körperlichen Beschwerden steckt, weil sie leicht mit einer Demenz verwechselt wird, und weil das Suizidrisiko im Alter besonders hoch ist.

00:11:31: LUKAS: Das ist ein Punkt, den viele unterschätzen. Der Häufigkeitsgipfel der Suizide liegt nicht bei jungen Menschen — sondern bei älteren, besonders zwischen 75 und 85 Jahren. Wenn dann noch eine Depression dazukommt — verlorener Partner, soziale Isolation, körperliche Einschränkungen, vielleicht Heimeinweisung — dann ist das eine ernste Situation.

00:11:52: SARAH: In der HP-Psych-Prüfung war die Frage: Depressive Episoden des höheren Lebensalters führen so gut wie nie zu einer Suizidgefährdung. Falsch — das Gegenteil ist richtig.

00:12:04: LUKAS: Und eine weitere Falle: Altersdepressionen sind normale Alterserscheinungen. Auch falsch. Viele alte Menschen sind glücklich und ausgeglichen. Eine Depression im Alter ist eine Störung — keine unvermeidliche Begleiterscheinung des Alterns.

00:12:18: SARAH: Was wir auch noch ansprechen wollen: die depressive Pseudodemenz. Das ist ein Begriff, den wir kennen sollten.

00:12:25: LUKAS: Genau. Ein älterer Patient wirkt verwirrt, vergesslich, desorientiert — man denkt sofort an Demenz. Aber in Wirklichkeit steckt eine Depression dahinter. Wenn die Depression behandelt wird, verbessert sich auch die kognitive Leistung wieder. Das ist der entscheidende Unterschied zur echten Demenz.

00:12:44: SARAH: In der HP-Psych-Prüfung gab es dazu ein Fallbeispiel: 65-jähriger Patient, klagsam, antriebsgemindert, klagt über Vergesslichkeit, Nervenarzt hat ein Medikament und Psychotherapie empfohlen. Welche Diagnose? Depressive Pseudodemenz. Nicht Alzheimer, nicht Korsakow.

00:13:03: LUKAS: Schöner Fall. Und wie unterscheide ich das voneinander? Der Demente überspielt seine Defizite — er will nicht auffallen. Der depressiv Pseudodemente klagt aktiv über seine Vergesslichkeit — er leidet darunter und zeigt es.

00:13:18: SARAH: Außerdem: Bei der Pseudodemenz beginnen die Probleme oft plötzlich, nach einem Auslöser — zum Beispiel dem Tod des Partners. Bei der echten Demenz ist es ein schleichender Prozess.

00:13:29: LUKAS: Das sind die Differenzierungen, die im HP-Psych wirklich abgefragt werden. Und da hilft natürlich die strukturierte Prüfungsvorbereitung — Stefan Barres geht in seinen Live-Kursen genau solche Fallbeispiele durch. Sarah und ich haben das selbst erlebt, wie viel das bringt, wenn man solche Szenarien einmal live durchgespielt hat.

00:13:47: SARAH: Absolut. Man merkt dann in der echten Prüfungssituation sofort, wo die Falle liegt — weil man sie schon einmal gesehen hat.

00:13:54: LUKAS: Gut — dann noch kurz zu einem Begriff, den wir in Teil eins nur angedeutet haben: die Komorbidität. Depression tritt sehr häufig gemeinsam mit anderen Erkrankungen auf.

00:14:04: SARAH: Bei Alkoholabhängigkeit zum Beispiel — das war eine Prüfungsfrage im medizinischen HP. Auch bei Angststörungen, Zwangsstörungen, Schizophrenie, ADHS, Essstörungen. Fast überall kann Depression als Begleiterkrankung auftreten.

00:14:20: LUKAS: Außer bei der Manie — das hatten wir schon in Teil eins. Manie und Depression schließen sich im gleichen Moment aus. Wer gerade manisch ist, ist nicht gleichzeitig depressiv.

00:14:30: SARAH: Wohingegen die bipolare Störung bedeutet, dass man zwischen beiden Polen wechselt — aber eben abwechselnd, nicht gleichzeitig.

00:14:37: LUKAS: Dann noch ein letzter Punkt, der schön in die Zusammenfassung überleitet: Depression erhöht das Risiko für Herzerkrankungen. Das ist statistisch belegt und wurde in einer HP-Psych-Prüfungsfrage gefragt. Warum? Das vegetative System ist dauerhaft belastet, Entzündungsmarker steigen, Reparaturmechanismen des Körpers laufen nicht mehr optimal.

00:14:59: SARAH: Das zeigt nochmal, wie weit die Auswirkungen einer Depression gehen — weit über die Psyche hinaus.

00:15:04: LUKAS: So, dann kommen wir zur Zusammenfassung von Teil zwei. Verlauf: erste Episode gleich depressive Episode, zweite Episode gleich rezidivierende depressive Störung. Dysthymia: mindestens zwei Jahre, nicht schwer genug für Depressionsdiagnose. Bipolare Störung: Wechsel zwischen Manie und Depression. Rezidivierende Manie gibt es als Diagnose nicht. Und Zyklothymie dauerhaft leichter bipolar.

00:15:31: SARAH: Diagnostik: Beck-Depressionsinventar, BDI-2, Selbstbeurteilung, 21 Merkmale, fünf bis zehn Minuten. Hamilton-Depressionsskala, Fremdbeurteilung, 21 Merkmale, dreißig Minuten. Beck steht auch für kognitive Verhaltenstherapie.

00:15:49: LUKAS: Psychopharmaka: SSRIs als Mittel der ersten Wahl, Wirkprinzip Wiederaufnahme-Hemmung. Trizyklische älter, mehr Nebenwirkungen. Johanniskraut nur für leichte Depressionen — das Einzige, was wir als HP einsetzen dürfen. Medikamente immer ausschleichen, nie abrupt absetzen. Und weitere Therapieformen: Wachtherapie, EKT und Lichttherapie als anerkannte Zusatzmethoden.

00:16:15: SARAH: Organische Ursachen immer ausschließen — Hypothyreose, Parkinson, Hirnerkrankungen, Kortikosteroide, Vitamin-B12-Mangel. Altersdepression: hohes Suizidrisiko, oft mit Pseudodemenz verwechselbar, keine normale Alterserscheinung.

00:16:15: LUKAS: Das war Teil zwei der Depression. Und damit haben wir das Thema wirklich von allen Seiten beleuchtet — Krankheitsbild, Verlauf, Diagnostik, Therapie, HP-Psych-Spezifisches.

00:16:43: SARAH: Wer das alles nochmal strukturiert und mit Lernkarten aufbereiten möchte — schaut bei Stefan Barres auf heilpraktikerausbildung24.de rein. Die Videotrainings und Live-Kurse sind genau für solche umfangreichen Themen gemacht.

00:16:57: LUKAS: Und für alle, die auch an ihrer Lernstrategie arbeiten wollen — Stefan hat dazu auch einen eigenen Podcast. Den Mental-Podcast für den Heilpraktiker. Sehr empfehlenswert.

00:17:07: SARAH: So, das war's für heute. Macht's gut und viel Erfolg beim Lernen, ihr Lieben!

00:17:12: LUKAS: Ciao, bis bald!

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