Die drei großen Psychotherapie-Schulen im Überblick: Psychoanalyse, Verhaltenstherapie und Gesprächstherapie

Shownotes

Die wichtigsten Inhalte dieser Folge

  • Psychoanalyse, Verhaltenstherapie & Gesprächstherapie im Überblick: Wir stellen die drei großen Schulen der Psychotherapie vor und zeigen dir ihre wichtigsten Kerngedanken.
  • Wann setze ich welche Psychotherapie ein?: Lerne, die verschiedenen Therapieansätze voneinander abzugrenzen und die passenden Indikationen für die Prüfung zu kennen.
  • Deine Befugnisse als Heilpraktiker: Wir klären, welche psychotherapeutischen Tätigkeiten du ausüben darfst und welche Begriffe geschützt sind.

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Weitere Inhalte dieser Folge

  • Grenzen und Risiken der Psychotherapie: Verstehe, wann psychotische Symptome und akute Suizidalität eine Weitervermittlung zur Psychiatrie erfordern und welche Nebenwirkungen Psychotherapie haben kann.
  • Freud und das Unbewusste: Tauche ein in die Welt der Psychoanalyse, die freie Assoziation und die Traumdeutung als Königsweg ins Unbewusste.
  • Pavlov, Skinner & die kognitive Wende: Entdecke die Ursprünge der Verhaltenstherapie und wie klassische Konditionierung sowie Denkmuster unser Verhalten beeinflussen.

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00:00:00: SARAH: Hallo zusammen! Willkommen bei den Heilpraktiker-Hacks! Hier sind wieder eure Prüfungsknacker Sarah und Lukas.

00:00:08: LUKAS: Und heute starten wir ein neues großes Themengebiet: Psychotherapie. Aber ich sage gleich vorweg — wir machen das heute bewusst als Überblicksfolge. Wir stellen die drei großen Schulen vor, lernen sie voneinander abzugrenzen und verstehen, wann man welche einsetzt. Die Tiefe kommt dann in den nächsten beiden Folgen.

00:00:25: SARAH: Genau. Wer also einen richtig soliden Grundstein zum Thema Psychotherapie legen will, der ist hier genau richtig.

00:00:33: LUKAS: Und ein Grundstein ist hier viel wert, denn Psychotherapie taucht in den Prüfungsfragen auf — sowohl beim medizinischen Heilpraktiker als auch, und da besonders intensiv, beim HP-Psych.

00:00:44: SARAH: Bevor wir aber in die Schulen einsteigen, müssen wir kurz klären, was wir nach der Prüfung überhaupt dürfen — und was nicht. Lukas, magst du das kurz einordnen?

00:00:52: LUKAS: Klar. Also — wir dürfen Psychotherapie anwenden. Das ist eindeutig. Aber wir dürfen uns nicht Psychotherapeut oder Psychotherapeutin nennen. Dieser Begriff ist geschützt durch das Psychotherapeutengesetz und steht nur Leuten mit einem bestimmten Studium und einer entsprechenden Zusatzausbildung zu.

00:00:52: SARAH: Das heißt, wer den großen Heilpraktikerschein hat, der darf psychotherapeutisch arbeiten — nennt sich aber einfach Heilpraktiker. Und wer den HP-Psych hat, der schreibt zum Beispiel „Heilpraktiker für Psychotherapie" auf sein Schild. Oder „Heilpraktiker, eingeschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie."

00:01:27: LUKAS: Etwas sperrig, aber so ist es nun mal. Wichtig zu wissen: Das gilt für die Berufsbezeichnung — die Methoden selbst dürfen wir anwenden.

00:01:35: SARAH: Gut. Und dann gibt es noch eine zweite wichtige Einordnung, bevor wir mit den Schulen anfangen. Nämlich die Frage: Wo enden die Möglichkeiten der Psychotherapie überhaupt?

00:01:44: LUKAS: Das ist ein sehr guter Punkt, und das wird auch geprüft. Psychotherapie hat klare Grenzen. Sobald jemand schwere psychotische Symptome entwickelt — also Wahnzustände, Halluzinationen, einen ausgeprägten Realitätsverlust — reicht Psychotherapie allein nicht mehr aus. Und das Gleiche gilt bei akuter Suizidalität.

00:02:03: SARAH: Da ist dann der Übergang zur Psychiatrie fließend. Und was bedeutet das konkret? Primär Psychopharmaka, gegebenenfalls stationäre Behandlung. Das ist nicht mehr unsere Baustelle.

00:02:13: LUKAS: Und das wurde in der Prüfung auch schon direkt so abgefragt. Da stand zum Beispiel: „Bei einer akuten schweren depressiven Episode ist eine ambulante psychodynamisch orientierte Psychotherapie die erste Wahl." Richtig oder falsch?

00:02:26: SARAH: Falsch. Denn bei einer schweren depressiven Episode können psychotische Anteile auftreten — und dann ist ambulante Psychotherapie eben nicht die erste Wahl, sondern Psychopharmaka, eventuell sogar stationär.

00:02:38: LUKAS: Genau. Das ist eine wichtige Grenze, die wir kennen müssen — besonders für die mündliche Prüfung. Also: Leicht- und mittelgradige Probleme — unser Terrain. Schwere Psychosen, akute Suizidalität — dort müssen wir sicher weitervermitteln.

00:02:52: SARAH: Übrigens habe ich gesehen, dass im ICD-11 es auch schon bei der mittelgradigen depressiven Episode die Unterscheidung gibt: ohne oder mit psychotischen Symptomen.

00:03:01: LUKAS: Ja, das ist mir auch aufgefallen. Da müssen wir also auch bei der mittleren schon schauen, ob es noch für uns passt. Im Moment ist der ICD-11 zwar schon eingeführt, aber er wird in Deutschland noch nicht verwendet. Bei uns gilt nach wie vor der ICD-10.

00:03:14: SARAH: Es gibt ein paar Prüfungsfragen, die ganz Grundsätzlich zur Psychotherapie fragen. In einer Frage hieß es zum Beispiel: Vor Beginn einer Psychotherapie sollte eine somatische Abklärung der Symptomatik erfolgen. Was sagst Du dazu?

00:03:27: LUKAS: Das ist ganz sicher richtig. Jede psychiatrische Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose. Das macht ja auch Sinn.

00:03:32: SARAH: In der Frage hieß es dann auch: Die Verhaltenstherapie kann nicht mit Pharmakotherapie gekoppelt werden? Richtig oder falsch?

00:03:40: LUKAS: Das ist falsch. Psychotherapie kann natürlich parallel oder ergänzend zu Psychopharmaka angewendet werden. Für uns war ja nur wichtig, dass wir den Realitätsverlust, also die psychotischen Symptome als Grenze für uns erkennen, aber nicht, dass wir nicht zum Beispiel begleitend arbeiten können.

00:03:55: SARAH: Ja. Dazu gab es diese Frage: Bei einer akuten schweren depressiven Episode ist eine ambulante psychodynamisch orientierte Psychotherapie die erste Wahl. Deine Meinung?

00:04:07: LUKAS: Verkehrt. Schwere depressive Episode, da rechnen wir mit psychotischen Elementen. Dann sind Psychopharmaka die erste Wahl.

00:04:14: SARAH: Und das hier habe ich auch noch gefunden: Nebenwirkungen der Psychotherapie. Meinst Du, es kann zu einer kurzzeitigen Verschlechterung der Symptomatik kommen?

00:04:22: LUKAS: Das kann ich mir gut vorstellen. Wenn man dann hinschaut, wird einem vielleicht erstmal mehr bewusst, was läuft. Man verdrängt weniger. Naja - und dann werden die Gefühle natürlich deutlicher wahrgenommen.

00:04:33: SARAH: Und was hältst Du von diesen Nebenwirkungen: Auftreten von psychotischen Symptomen. Kann das vorkommen?

00:04:39: LUKAS: Warum nicht?

00:04:39: SARAH: Destabilisierung von Beziehungen?

00:04:42: LUKAS: Natürlich. Es wird ja zu Veränderungen beim Patienten kommen. Das kann sich natürlich auch in seinem Leben auswirken.

00:04:48: SARAH: Suizid?

00:04:49: LUKAS: Das will natürlich niemand. Stell Dir das mal vor. Du arbeitest mit Deinem Patienten und dann bringt er sich um. Aber ja. Das kann sicher auch passieren.

00:04:57: SARAH: Gut. Kommen wir jetzt zu den drei großen Schulen. Lukas, magst du mal einen ersten Überblick geben?

00:05:03: LUKAS: Gerne. Es gibt in der offiziell anerkannten Psychotherapie — also auch das, was die Krankenkassen finanzieren — drei große Hauptschulen. Die Psychoanalyse, die Verhaltenstherapie und die Gesprächstherapie, die auch unter dem Begriff humanistische Psychologie läuft.

00:05:03: SARAH: Es gibt ja noch eine vierte große Richtung.

00:05:20: LUKAS: Ja, Die vierte große Schule, die systemische Therapie ist für uns im Prüfungszusammenhang aber nicht sehr relevant, deshalb lasse ich sie unter den Tisch fallen. Es geht vor allem um Beziehungssysteme - Familien, Paare, Gruppen - und deren Dynamiken, die geklärt werden müssen.

00:05:20: SARAH: Ok bleiben wir bei den drei anderen. Wie kann man sie schon mal grob voneinander unterscheiden?

00:05:40: LUKAS: Am einfachsten über die Tiefe. Die Psychoanalyse ist die tiefste — man nennt sie auch Tiefenpsychologie. Sie gräbt am weitesten in die Vergangenheit, ins Unbewusste. Die Verhaltenstherapie arbeitet eher an der Oberfläche, also am konkreten, beobachtbaren Verhalten und am konkreten Denken, den Denkmustern. Und die Gesprächstherapie nimmt so eine Mittelstellung ein. Sie sieht sowieso mehr das Potenzial als das Problem.

00:06:03: SARAH: Das ist schon mal eine schöne Orientierung. Da gab es ja auch direkt Fragen dazu. Das hier zum Beispiel: Kerngedanke der Verhaltenstherapie ist, dass Verhalten und Erleben von unbewussten Persönlichkeitsanteilen bestimmt wird. Was sagst Du dazu?

00:06:17: LUKAS: Nein, das Unbewusste gehört zur Psychoanalyse. Klar, auch in der Verhaltenstherapie muss man sich manche Verhaltens- und Denkmuster erst bewusst machen, aber da spricht niemand von unbewussten Anteilen.

00:06:28: SARAH: Und wie findest Du diese Aussage: In der klassischen Psychoanalyse wird überwiegend gegenwartsbezogen gearbeitet.

00:06:34: LUKAS: Das stimmt auch nicht. Gegenwartsbezogen arbeitet die Verhaltenstherapie. Also damit, was gerade das Problem ist und die Umstände. Die Psychoanalyse nimmt die Gegenwart nur als Aufhänger - dann wird in die Kindheit geschaut.

00:06:34: SARAH: Ok. Eins noch: In der kognitiven Verhaltenstherapie geht es auch um beobachtbares Verhalten. Richtig oder falsch?

00:06:54: LUKAS: Das ist jetzt richtig. Es geht um das konkrete Verhalten und um das konkrete Denken. Lass uns jetzt einsteigen — fangen wir mit der Psychoanalyse an.

00:06:54: SARAH: Sigmund Freud, Jahrhundertwende neunzehntes zum zwanzigsten Jahrhundert. Ein Mann, von dem wirklich jeder schon mal gehört hat.

00:07:09: LUKAS: Und sein Grundgedanke ist eigentlich gut nachvollziehbar: Unsere gegenwärtigen Probleme haben oft tiefe Wurzeln — sie entstammen Konflikten, die im Unbewussten schlummern und die ihren Ursprung in der frühkindlichen Entwicklung haben. Deshalb der Begriff Tiefenpsychologie — man muss in die Tiefe gehen, um die Ursache zu verstehen.

00:07:26: SARAH: Und dafür hat Freud ein Modell entwickelt, das wir kennen sollten: das Ich, das Es und das Über-Ich. Stell dir das so vor: Das Es, das sind die Triebe — Impulse, die aus dem Körper kommen, die einfach da sind. Das Über-Ich, das sind die gesellschaftlichen Normen, die Erziehung, die Regeln, die von außen auf uns einwirken. Und das Ich steht dazwischen und muss irgendwie vermitteln.

00:07:49: LUKAS: Und diese Fähigkeit zur Vermittlung, die entwickeln wir in bestimmten frühkindlichen Phasen — die orale Phase im ersten Lebensjahr, die anale Phase im zweiten und dritten. Klappt das nicht gut — weil zum Beispiel in der Familie etwas schiefläuft — dann bleiben in uns sozusagen geblockte Energien, unbewusste Konflikte, die sich später als Symptome äußern.

00:08:08: SARAH: Und genau da setzt die Psychoanalyse an: Sie versucht, diesen Konflikten auf den Grund zu gehen. Aber wie kommt man überhaupt an diese unbewussten Dinge heran? Das sind die diagnostischen Methoden — und die sind auch prüfungsrelevant.

00:08:21: LUKAS: Zwei vor allem: Die freie Assoziation — der Patient äußert einfach alles, was ihm spontan in den Sinn kommt, ohne zu filtern. Und die Traumdeutung — denn im Traum zeigen sich diese verborgenen Dinge oft ungefiltert. Freud hat das als „Königsweg ins Unbewusste" bezeichnet.

00:08:37: SARAH: Und auf der therapeutischen Seite? Wie wird dann eigentlich behandelt?

00:08:41: LUKAS: Hauptsächlich durch Deutung. Der Therapeut — der übrigens klassischerweise neutral und indifferent bleibt, also hinter dem Patienten sitzt, damit der ihn nicht sieht — der deutet das Verhalten, die Äußerungen, die Träume des Patienten im Rahmen dieses psychoanalytischen Weltbildes. Zentrale Begriffe dabei sind der Widerstand und die Übertragung — dazu kommen wir dann ausführlich in Folge 32.

00:09:03: SARAH: Genau, das vertiefen wir dann. Aber einen Hinweis direkt für die Prüfung: Da wurde schon gefragt, welche Methoden typisch für die Psychoanalyse sind. Zur Auswahl standen: Traumdeutung, Deutung des Widerstandes, Shaping, Bearbeitung der Übertragung und freie Assoziation.

00:09:20: LUKAS: Und was fällt raus?

00:09:20: SARAH: Shaping. Das klingt vielleicht psychoanalytisch, ist es aber nicht. Shaping — also Verhaltensausformung — gehört zur Verhaltenstherapie. Der Rest passt zur Psychoanalyse.

00:09:30: LUKAS: Schönes Beispiel dafür, wie die Prüfung Methoden durcheinanderbringt. Gut — und wann setzt man die Psychoanalyse ein?

00:09:37: SARAH: Bei tiefgehenden, schwer greifbaren Problemen, die eben nicht konkret fassbar sind und deren Wurzeln weit zurückreichen — oft in die frühe Kindheit. Und umgekehrt: Kontraindiziert ist sie bei akuten Psychosen, bei schwerer Depression mit psychotischen Anteilen, bei schwerer Substanzabhängigkeit. Also genau dort, wo wir vorhin schon gesagt haben: da ist die Psychiatrie gefragt.

00:10:00: LUKAS: Sehr gut. Dann weiter zur zweiten Schule — der Verhaltenstherapie. Und da haben wir einen ganz anderen Ausgangspunkt.

00:10:06: SARAH: Ja, hier ist der Vater der Bewegung nicht Freud, sondern Pavlov. Und der hat sich gar nicht mit Psychotherapie beschäftigt — sondern mit Lernprozessen. Der berühmte Hund, dessen Speichel fließt, wenn er eine Glocke hört, weil er Glocke und Futter miteinander verknüpft hat.

00:10:22: LUKAS: Das ist die klassische Konditionierung — ein Reiz wird mit einer Reaktion verknüpft. Und daraus hat sich dann die Verhaltenstherapie entwickelt: Wenn Verhalten erlernt werden kann, dann kann es auch umgelernt werden. Das ist die Kernidee.

00:10:34: SARAH: Weiterentwickelt haben das dann Skinner mit Belohnungen und Bestrafungen, dem operanten Konditionieren und später dann Ellis und Beck, die die kognitive Wende gebracht haben.

00:10:44: LUKAS: Und das ist wichtig: Die kognitive Wende bedeutet, dass nicht mehr nur das äußere, beobachtbare Verhalten im Mittelpunkt steht, sondern auch die Denkmuster. Also das, was wir innerlich mit uns machen — unsere automatischen Gedanken, unsere Überzeugungen. Das ist heute eigentlich Standard in der Verhaltenstherapie.

00:11:01: SARAH: Man unterscheidet also klassische Verhaltenstherapie — trainiere das Verhalten — und kognitive Verhaltenstherapie — verändere auch die Gedanken. Beides spielt zusammen.

00:11:11: LUKAS: Auf der diagnostischen Seite gibt es zum Beispiel das SORKC-Schema — ein Modell zur Verhaltensanalyse. Das schauen wir uns in Folge 33 genauer an. Und Tagesprotokolle zur Selbstbeobachtung, damit der Patient seine eigenen Muster überhaupt erst mal wahrnimmt.

00:11:27: SARAH: Und therapeutisch? Da haben wir ein ganzes Arsenal. Zum Abbau automatisierter Reaktionen gibt es zum Beispiel die Reizkonfrontation, die systematische Desensibilisierung oder das Flooding — also die schrittweise oder direkte Konfrontation mit dem, wovor man Angst hat. Zum Erlernen neuer Verhaltensoptionen zum Beispiel das Shaping oder gezieltes Verhaltenstraining und oft auch Gruppentherapeutische Settings. Da können gut soziale Kompetenzen gelernt und trainiert werden. Und dann die Veränderung der Denkgewohnheiten: Kognitives Umstrukturieren. Das alles schauen wir in Folge 33 im Detail an.

00:12:03: LUKAS: Und die Indikation für die Verhaltenstherapie ist breit. Phobien, Zwangsstörungen, Angststörungen, auch Depressionen. Die Verhaltenstherapie ist bei vielen Störungsbildern die Methode der ersten Wahl — das ist eine wichtige Aussage für die Prüfung. Bei Phobien, Zwängen oder Suchterkrankungen zum Beispiel.

00:12:20: SARAH: Und auch das wurde direkt gefragt: „Bei einer Agoraphobie hat sich folgendes Psychotherapieverfahren als besonders wirksam erwiesen" — und die Antwort ist klar: Verhaltenstherapie.

00:12:31: LUKAS: Weil die Agoraphobie — also die Angst vor Situationen, aus denen man nicht leicht fliehen kann, Menschenmengen, öffentliche Plätze — ein konkretes, greifbares Problem ist. Da geht man direkt ran, übt, konfrontiert sich mit der Angst. Das ist Verhaltenstherapie.

00:12:46: SARAH: Sehr schön. Und jetzt die dritte Schule — die Gesprächstherapie, oder humanistische Psychologie, wie sie auch heißt.

00:12:52: LUKAS: Hier sind zwei Namen zentral: Carl Rogers, der die klientenzentrierte Therapie entwickelt hat, und Abraham Maslow, der mit seiner Bedürfnispyramide und dem Begriff der Selbstverwirklichung den theoretischen Hintergrund geprägt hat.

00:13:05: SARAH: Und der Grundgedanke ist wirklich ein anderer als bei den ersten beiden Schulen. Weder geht man in die Tiefe wie bei der Psychoanalyse, noch trainiert man konkrete Verhaltensweisen wie bei der Verhaltenstherapie. Sondern man sagt: Im Menschen steckt ein Wachstumspotenzial, das sich entfalten kann — wenn man die richtigen Bedingungen schafft.

00:13:24: LUKAS: Der Therapeut schafft also einen offenen Rahmen. Er ist nicht direktiv — er gibt keine Richtung vor, er sagt nicht „mach das oder jenes". Und er ist auch nicht völlig passiv, nur deutend sozusagen auf einer Metaebene. Nein. Er hört aktiv zu, er begegnet dem Patienten mit echter Wertschätzung und Empathie — und dann findet der Patient seine Lösungen oft aus sich selbst heraus.

00:13:46: SARAH: Und da gibt es drei Begriffe, die die Prüfung kennt und abfragt. Die drei Kernhaltungen des Therapeuten nach Rogers: Empathie, Kongruenz — also Echtheit — und positive Wertschätzung.

00:13:57: LUKAS: Das ist prüfungsrelevant. Also: Empathie, Kongruenz, positive Wertschätzung — das sind die Grundpfeiler der Gesprächstherapie nach Rogers.

00:14:06: SARAH: Und was diagnostische Methoden angeht — die gibt es in dem Sinne gar nicht. Es gibt kein formales Instrument, kein Schema. Der Therapeut hört aktiv zu und nimmt wahr. Das aktive Zuhören ist gleichzeitig Diagnose und Therapie.

00:14:20: LUKAS: Und auch hier gab es eine direkte Prüfungsfrage: „Kennzeichnend für die Gesprächspsychotherapie ist das direktive Verhalten des Therapeuten." Richtig oder falsch?

00:14:30: SARAH: Falsch — die Gesprächstherapie ist ausdrücklich nicht-direktiv. Das ist sogar eines ihrer Markenzeichen. Der Therapeut führt nicht, er folgt dem Patienten.

00:14:39: LUKAS: Schön. Dann kommen wir jetzt zu dem Abschnitt, den wir uns extra aufgespart haben — der Vergleich der Indikationen. Also wann setzt man welche Schule ein? Das ist das, was in der Prüfung am häufigsten gefragt wird.

00:14:50: SARAH: Und da hilft uns Stefan Barres' Prinzip vom Lernen nach Zeilen — die drei Schulen jetzt einmal nebeneinander betrachten.

00:14:57: LUKAS: Psychoanalyse: Tiefgehende, schwer greifbare Probleme. Ursachen liegen weit zurück, oft in der frühen Kindheit, oft unbewusst. Man weiß nicht genau, wo das Problem herkommt — man spürt nur, dass da etwas ist. Kontraindiziert bei akuten Psychosen, schwerer Substanzabhängigkeit, schwerer depressiver Episode mit Psychose.

00:15:17: SARAH: Verhaltenstherapie: Konkrete, greifbare Probleme. Da gibt es ein klares Symptom, eine klare Situation, an der man ansetzen kann. Phobie, Zwang, Angststörung, Sucht — da geht man direkt ran. Häufig erste Wahl.

00:15:30: LUKAS: Und Gesprächstherapie: Breites Spektrum, Mittelstellung. Weder so tief wie die Psychoanalyse noch so übungsorientiert wie die Verhaltenstherapie. Geeignet, wenn das Wachstumspotenzial des Menschen im Vordergrund stehen soll — wenn es nicht um das Wegtrainieren eines Symptoms geht, sondern um echte persönliche Entwicklung.

00:15:48: SARAH: Die Merkfrage für die Prüfung lautet also: Wie tief liegt das Problem — und wie konkret ist es greifbar? Das führt einen ziemlich sicher zur richtigen Schule.

00:15:57: LUKAS: Und damit wir das auch für Methoden im Kopf haben — kurz nochmal die Zuordnung. Zur Psychoanalyse gehören: freie Assoziation, Traumdeutung, Deutung von Widerstand und Übertragung.

00:16:08: SARAH: Zur Verhaltenstherapie: Reizkonfrontation, systematische Desensibilisierung, kognitives Umstrukturieren, das SORKC-Schema, Training sozialer Kompetenzen.

00:16:19: LUKAS: Und zur Gesprächstherapie: aktives Zuhören, Empathie, Kongruenz, positive Wertschätzung — und immer: nicht direktiv.

00:16:28: SARAH: Das ist eine super Übersicht. Ich muss sagen, bei den Videotrainings von Stefan Barres wird das mit solchen Vergleichstabellen nochmal richtig schön visualisiert — das hilft ungemein, wenn man sich das alles setzen lassen will.

00:16:28: LUKAS: Ja, Heilpraktikerausbildung24 — also die Videotrainings und die Live-Kurse — die empfehle ich da wirklich gerne. Gerade wenn man merkt, bei sowas Strukturiertem hilft es, das nochmal bildlich vor sich zu sehen.

00:16:52: SARAH: In den nächsten Wochen geht es dann in die Tiefe — Folge 32 widmet sich ganz der Psychoanalyse: Abwehrmechanismen, Übertragung und Gegenübertragung, Abstinenzregel, die Entwicklungsphasen nach Freud.

00:17:04: LUKAS: Und Folge 33 dann die Verhaltenstherapie: SORKC-Modell, klassische und operante Konditionierung, kognitive Umstrukturierung nach Beck, Flooding, Desensibilisierung — da ist dann richtig viel drin.

00:17:17: SARAH: Für heute: Die drei Schulen kennen, die Indikationen zuordnen können, und die wichtigsten Methoden nicht durcheinanderwerfen. Das ist das Ziel dieser Folge — und das haben wir, glaube ich, ganz gut hingekriegt.

00:17:29: LUKAS: Finde ich auch. Also, macht's gut und viel Erfolg beim Lernen!

00:17:32: SARAH: Bis zur nächsten Folge, ihr Lieben!

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