Essstörungen: Anorexie, Bulimie und Binge-Eating für die Heilpraktikerprüfung

Shownotes

Die wichtigsten Inhalte dieser Folge

  • Die drei großen Essstörungen im Überblick: Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge-Eating-Störung – wir zeigen dir die wichtigsten Unterschiede und Gemeinsamkeiten für die Prüfung.
  • Essattacken, Gegenmaßnahmen und Körpergewicht: Wir lernen das einfache Schema kennen, mit dem du alle drei Essstörungen sicher auseinanderhalten kannst.
  • Krankheitseinsicht – der Game Changer: Erfahre, warum das Vorhandensein oder Fehlen von Krankheitseinsicht ein zentraler Faktor für die Diagnose und Therapie ist.

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Weitere Inhalte dieser Folge

  • Lebensgefährliche Komplikationen der Anorexie: Wir sprechen darüber, warum die Anorexia nervosa eine der gefährlichsten psychiatrischen Erkrankungen ist und welche Alarmsignale du kennen musst.
  • Typische Prüfungsfallen zu Essstörungen: Entlarve mit uns die häufigsten falschen Antwortoptionen, die dir in der Prüfung begegnen können.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Der bewährte Behandlungsansatz für alle drei Essstörungen – und welche Rolle dabei die Impulskontrolle spielt.

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Transkript anzeigen

00:00:00: SARAH: Hallo zusammen und willkommen bei den Heilpraktiker-Hacks! Hier sind wieder eure Prüfungsknacker Sarah und Lukas.

00:00:08: LUKAS: Und heute nehmen wir uns ein Thema vor, das für den medizinischen Heilpraktiker relevant ist — aber ganz besonders auch für den HP-Psych: Essstörungen.

00:00:16: SARAH: Genau. Wir reden heute über drei Krankheitsbilder: die Anorexia nervosa, die Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung. Und ich sage das gleich vorweg — wer denkt, das ist ein Randthema, der täuscht sich. In den Prüfungsfragen tauchen alle drei auf Und gerade die Anorexie wird auch mündlich immer wieder mal gefragt.

00:00:34: LUKAS: Fangen wir mit dem großen Rahmen an. Wo finden wir die Essstörungen im ICD-10? Im Kapitel F — also bei den psychischen Störungen — und dort im Unterkapitel F5. Das heißt: Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren.

00:00:48: SARAH: Das finde ich eigentlich schon einen guten Einstieg ins Thema. Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Folgen. Das trifft es gut. Denn was uns bei allen drei Essstörungen begegnet, ist: ein gestörtes Verhalten rund ums Essen — und das hat massive Auswirkungen auf den Körper.

00:01:04: LUKAS: Im F5 steckt übrigens noch mehr drin. Schlafstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, auch Störungen im Wochenbett. Aber wir konzentrieren uns heute auf die Essstörungen. Und da sind im ICD-10 klassisch zwei vertreten: Anorexia nervosa und Bulimia nervosa.

00:01:04: SARAH: Die Binge-Eating-Störung ist da noch nicht drin — das ist ein spannender Punkt. Im ICD-10 hat sie keine eigene Diagnose. Aber im DSM-5, dem amerikanischen Klassifikationssystem, schon. Und im ICD-11, der aktuellen Weiterentwicklung, ist sie inzwischen auch aufgenommen worden. Das erklärt, warum sie trotzdem in unseren Prüfungen vorkommt — und zwar sowohl beim medizinischen Heilpraktiker als auch beim HP-Psych.

00:01:45: LUKAS: Bevor wir in die Details gehen, machen wir noch einen ganz kurzen Überblick — damit wir die drei Störungen sauber auseinanderhalten können. Stell dir vor, wir malen eine einfache Tabelle. Zwei Spalten: Essattacken ja oder nein — und gewichtsreduzierende Maßnahmen ja oder nein.

00:01:45: SARAH: OK, ich fange an. Binge-Eating: Essattacken ja, gewichtsreduzierende Maßnahmen nein. Bulimie: beides ja. Und Anorexie: Essattacken nein, gewichtsreduzierende Maßnahmen ja. Das ist das Grundprinzip, das wir uns merken können. Und wenn wir das wirklich verstanden haben, lösen wir schon einen Großteil der Prüfungsfragen zu diesem Thema.

00:02:20: LUKAS: Genau. Also los geht's — wir fangen mit der kleinsten Baustelle an: der Binge-Eating-Störung.

00:02:26: SARAH: Binge-Eating. Das bedeutet so viel wie Fressanfall. Das Kernmerkmal: Essattacken — und zwar an mindestens zwei Tagen pro Woche über mindestens sechs Monate. Das ist deutlich länger als zum Beispiel bei der Depression, wo wir schon nach zwei Wochen diagnostisch tätig werden können.

00:02:41: LUKAS: Und der entscheidende Unterschied zur Bulimie: Es gibt keine gewichtsreduzierenden Maßnahmen danach. Kein Erbrechen, kein Fasten, kein exzessiver Sport. Das Ergebnis liegt auf der Hand — die Betroffenen nehmen zu, und wir finden häufig Übergewicht.

00:02:55: SARAH: Was bleibt, sind die Gefühle danach. Scham, Schuld, Ekel. Man hat gerade den halben Kühlschrank leer gegessen, obwohl man das eigentlich nicht wollte. Und man konnte es trotzdem nicht stoppen. Das ist eine Impulsstörung — der Drang kommt, und man ist ihm ausgeliefert.

00:03:10: LUKAS: Warum eigentlich, Sarah?

00:03:11: SARAH: Das ist im Grunde wie bei den Zwangsstörungen. Wenn Du Dich diesem Drang widersetzt, entstehen sehr unangenehme Gefühle bis hin zu Panikattacken. Das möchte man vermeiden.

00:03:11: LUKAS: Das macht Sinn. OK. Es sind etwa zwei Prozent der Männer und dreieinhalb Prozent der Frauen betroffen. Das ist also keine Seltenheit. Bei allen Essstörungen erkranken Frauen häufiger als Männer. Bei der Binge-Eating-Störung ist der Unterschied noch am kleinsten.

00:03:34: SARAH: Und die Therapie? Kognitive Verhaltenstherapie. Das werden wir heute noch öfter hören — sie ist bei allen drei Essstörungen der zentrale Behandlungsansatz.

00:03:43: LUKAS: Übrigens: In den Prüfungen ist eine Frage zur Binge-Eating-Störung sogar wortgleich sowohl beim medizinischen Heilpraktiker als auch beim HP-Psych aufgetaucht. Das zeigt, dass das Thema wirklich beide Tracks betrifft. Und was wurde da gefragt? Zum Beispiel: Charakteristisch sind wiederkehrende Essanfälle über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Richtig. Oder: Die Erkrankung wird typischerweise von Scham- und Schuldgefühlen begleitet. Auch richtig.

00:04:08: SARAH: Was dagegen falsch ist: Die Binge-Eating-Störung tritt überwiegend in Verbindung mit einer psychotischen Erkrankung auf — das stand auch als Antwortoption drin. Das gehört hier aber nicht dazu. Psychotisch bedeutet übrigens, zur Erinnerung: Realitätsverlust. Dazu gehört der Wahn, die Halluzinationen und die Ich-Störungen.

00:04:26: LUKAS: Und noch eine Falschoption, die öfter auftaucht: Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Nein — es sind mehr Frauen, wie bei allen Essstörungen.

00:04:34: SARAH: Gehen wir weiter zur Bulimia nervosa, der sogenannten Ess-Brechsucht. Auch hier haben wir Essattacken — mindestens zweimal pro Woche über mindestens drei Monate verlangt der ICD-10. Im DSM-5 ist übrigens nur einmal pro Woche gefordert.

00:04:50: LUKAS: Der Unterschied zur Binge-Eating-Störung ist: Bei der Bulimie kommen Gegenmaßnahmen dazu. Und da unterscheiden wir zwei Typen. Den Purging-Typ — der greift zu härteren Mitteln: selbst herbeigeführtes Erbrechen, Abführmittel, Entwässerungsmittel, auch Schilddrüsenhormone, um den Stoffwechsel hochzutreiben.

00:05:06: SARAH: Schilddrüsenhormone zum Abnehmen — das klingt vielleicht überraschend, aber die Logik ist klar: Schilddrüsenhormone sind unsere Stoffwechselhormone. Mehr davon bedeutet mehr Kalorienverbrauch. Also nehmen manche Bulimikerinnen das, um schneller abzunehmen. Und das wurde auch in einer Prüfungsfrage genau so abgefragt: Die Betroffenen betreiben teilweise einen Missbrauch von Abführmitteln, Schilddrüsenpräparaten oder Diuretika.

00:05:30: LUKAS: Daneben gibt es den Non-Purging-Typ — der versucht das Gewicht über Fasten oder exzessiven Sport wieder loszuwerden. Also Methoden, die für sich genommen eigentlich normal klingen, aber hier in einem stark übertriebenem Kontext stattfinden.

00:05:42: SARAH: Und das Körpergewicht bei Bulimikern? Normal, manchmal leicht erhöht. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wer denkt, Bulimikerinnen sind immer untergewichtig, liegt falsch. In einer Prüfungsfrage hieß es sogar: Die Diagnose der Bulimie ist nicht schwierig, da die Betroffenen in der Regel extrem untergewichtig sind. Falsch — da wären wir dann bei der Anorexie.

00:06:04: LUKAS: Was die Bulimie besonders macht: Die Betroffenen wissen, was mit ihnen los ist. Es gibt Krankheitseinsicht. Sie schämen sich, sie verheimlichen die Symptome, sie essen nicht gerne in der Öffentlichkeit — weil das Thema Essen für sie hochbelastet ist. Und diese Scham, kombiniert mit dem Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, führt häufig zu depressiven Symptomen.

00:06:22: SARAH: Das stand auch in mehreren Prüfungsfragen: Die Betroffenen zeigen häufig depressive Symptome. Richtig. Und noch ein Punkt, der immer wieder kommt: In der Vorgeschichte lässt sich häufig eine Anorexia nervosa nachweisen. Das heißt, der Weg führt manchmal von der Anorexie zur Bulimie — nicht umgekehrt.

00:06:40: LUKAS: Jetzt zu den körperlichen Komplikationen — und da wird es ernst. Beim Purging-Typ sind es vor allem die Elektrolytstörungen. Durch Erbrechen, Abführmittel und Diuretika verliert der Körper Kalium. Und Kaliummangel ist für den Herzrhythmus gefährlich — akut lebensgefährlich. Das ist keine Kleinigkeit.

00:06:57: SARAH: Außerdem: Zahnschäden durch die ständige Magensäure beim Erbrechen. Karies kann ein Hinweis auf Bulimie sein — das kam auch wörtlich so in Prüfungsfragen. Und noch etwas Einprägsames: Speicheldrüsenschwellung. In einer HP-Psych-Frage wurde gefragt, welche Befunde bei einer Patientin mit Verdacht auf Bulimie den Verdacht stützen — und Speicheldrüsenschwellung zusammen mit Zahnschäden waren die richtigen Antworten.

00:07:20: LUKAS: Dann die Körperschema-Störung. Das ist ein Begriff, den wir gleich bei der Anorexie noch viel stärker hören werden. Bei der Bulimie wird er in manchen Lehrbüchern auch erwähnt — und er tauchte auch mal in einer Prüfungsfrage auf. Aber im Kern ist er ein Anorexie-Begriff. Bei der Bulimie ist die Körperwahrnehmung nicht so fundamental gestört — die Betroffenen wissen durchaus, wie ihr Körper aussieht.

00:07:41: SARAH: Und eine Prüfungsfrage finde ich besonders schön formuliert — die können wir uns gut einprägen: Es ist mit der Diagnose Bulimia nervosa vereinbar, wenn jemand seinen Essanfall nicht überraschend bekommt, sondern plant und gezielt Nahrungsmittel für den Essanfall einkauft. Richtig! Impulsstörung bedeutet nicht, dass der Drang immer blitzartig kommt. Man weiß, dass er kommt. Man kauft ein. Man wartet. Und dann kommt er.

00:07:41: LUKAS: Epidemiologie: fast drei Prozent der Frauen, nur 0,1 Prozent der Männer. Betroffen sind vor allem junge Frauen zwischen etwa 18 und 35 Jahren — also etwas später als bei der Anorexie.

00:08:17: SARAH: Therapie: kognitive Verhaltenstherapie. Die Prüfung fragt das gerne auch so: Eine Patientin mit Bulimie übt alternative Strategien zur Impulskontrolle — welcher therapeutischen Richtung ist das zuzuordnen? Verhaltenstherapie.

00:08:31: LUKAS: Das hatten wir ja in den letzten Folgen gründlich durchgearbeitet.

00:08:33: SARAH: Ja. Und Verhaltenstherapie war alles, was mit Üben, Lernen oder Training zu hat.

00:08:33: LUKAS: OK. Und jetzt zur Anorexia nervosa — der Erkrankung, die uns am meisten abverlangt, inhaltlich und emotional. Ich sage das gleich: Die Anorexie ist eine der gefährlichsten psychiatrischen Erkrankungen, die wir kennen. Die Letalität liegt bei fünf bis fünfzehn Prozent — manche Zahlen gehen bis zwanzig Prozent. Das ist mehr als bei vielen körperlichen Erkrankungen. Das müssen wir wirklich wissen.

00:09:00: SARAH: Genau das wurde auch in einer Prüfungsfrage gefragt: Welche der genannten Erkrankungen bringt das größte Risiko mit sich, an der Erkrankung zu sterben — Bulimie, Anorexie, Hypochondrie, somatoforme Störung, generalisierte Angststörung? Die Antwort ist eindeutig: die Anorexia nervosa.

00:09:00: LUKAS: Was ist das Kernmerkmal? Selbst herbeigeführtes Untergewicht. Und der entscheidende Grenzwert: BMI unter 17,5. Den müssen wir kennen. Aber Vorsicht — das allgemeine Untergewicht beginnt schon bei einem BMI unter 18,5. Das ist ein Punkt, der in Prüfungsfragen gerne verwechselt wird. Untergewicht generell: 18,5. Anorexie-Grenze: 17,5.

00:09:40: SARAH: Und dann die Körperschema-Störung — hier ist sie wirklich zentral und ausgeprägt. Die betroffene Person steht vor dem Spiegel, ist vielleicht schon gefährlich dünn, und sieht trotzdem einen zu dicken Körper. Das ist keine Einbildung, das ist eine echte Störung der Wahrnehmung — sie geht in Richtung einer psychotischen Erfahrung. Man sieht etwas, das nicht der Realität entspricht.

00:10:01: LUKAS: Und damit hängt das zusammen, was die Anorexie so besonders gefährlich macht: Es gibt keine Krankheitseinsicht. Die Betroffenen fühlen sich nicht krank. Im Gegenteil — viele fühlen sich lange gut, sind hochdiszipliniert, aktiv, in der Schule oder im Beruf oft überdurchschnittlich engagiert. Das steht auch in einer Prüfungsfrage als Falle: Die Patientinnen sind depressiv und lassen sich gehen. Falsch. Das trifft es genau nicht.

00:10:24: SARAH: Erst wenn die Außenwelt eingreift — wenn die Familie sagt, es geht so nicht mehr, wenn der Körper Alarm schlägt — erst dann kann die Welt für die Betroffenen zusammenbrechen. Und dann steigt das Suizidrisiko stark an. Auch das wurde in Prüfungsfragen abgefragt: Bei der Anorexia nervosa ist das Suizidrisiko erhöht. Richtig.

00:10:41: LUKAS: Jetzt zu den Typen. Wir unterscheiden drei: Der restriktive Typ schränkt einfach die Nahrungsaufnahme ein, treibt viel Sport, zählt Kalorien — übertriebene körperliche Aktivität ist übrigens selbst ein Krankheitssymptom der Anorexie, das wurde auch in Prüfungsfragen so formuliert. Dann der Purging-Typ, der ähnlich wie bei der Bulimie auf Erbrechen, Abführmittel und Diuretika setzt. Und der bulimische Typ — eine Mischform, bei der zusätzlich Essattacken auftreten, obwohl das Gesamtbild von Untergewicht geprägt ist.

00:11:12: SARAH: Die körperlichen Symptome und Komplikationen bei der Anorexie sind umfangreich — da darf ich einfach mal aufzählen, damit wir das im Kopf haben: Amenorrhö, also das Ausbleiben der Regelblutung. Lanugo-Behaarung — das ist diese feine Flaumhaut, die normalerweise Neugeborene haben und die bei stark untergewichtigen Personen wieder auftritt, wahrscheinlich als Schutzreaktion gegen Kälte. Dann Hypotonie, also niedriger Blutdruck. Bradykardie, langsamer Herzschlag. Obstipation. Osteoporose. Und Akrozyanose — das sind blaue Finger und Zehen durch Durchblutungsstörungen.

00:11:46: LUKAS: Und das Gefährlichste: Kaliummangel mit Herzrhythmusstörungen. Das kann zum plötzlichen Herztod führen — so steht es sogar wörtlich in einer Prüfungsfrage. Und über die chronische Hypokalämie kann es außerdem zu einer Niereninsuffizienz kommen, weil dabei die Tubuli geschädigt werden können.

00:12:03: SARAH: Jetzt die BMI-Werte, die wir kennen müssen: Untergewicht beginnt bei 18,5. Anorexie-Grenze 17,5. Übergewicht beginnt bei 25. Adipositas bei 30. Das wurde in den Prüfungen mehrfach abgefragt — da lohnt es sich, das wirklich sicher zu wissen.

00:12:19: LUKAS: In einer Prüfungsfrage gab es ein Fallbeispiel, das ich sehr einprägsam finde: Eine 22-jährige Patientin mit bekannter Anorexie. In den ersten zweieinhalb Jahren konstantes Gewicht. Jetzt innerhalb von sechs Monaten ein Gewichtsverlust von dreißig Prozent — BMI aktuell 12,9. Was ist vordringlich? Die Antwort: stationäre Behandlung in einer spezialisierten Fachklinik. Alles andere — Ernährungsberatung, homöopathische Therapie, halbjährliche Kontrollen — das ist bei einem BMI von 12,9 keine Option mehr.

00:12:51: SARAH: Und wer jetzt denkt, das ist eine hypothetische Extremsituation — nein. Die Anorexie kann tatsächlich so weit führen. Deshalb ist Zwangsernährung bei Lebensgefahr in manchen Fällen rechtlich möglich und medizinisch notwendig.

00:13:05: LUKAS: Ein weiterer Punkt aus den Prüfungsfragen: die Differenzialdiagnose. Wir müssen bei Untergewicht andere Ursachen ausschließen. Das können sein: Hyperthyreose, Leukämie und andere Tumoren, Diabetes mellitus, Zwangserkrankungen mit ernährungsbedingten Zwängen, körperdysmorphe Störung, auch Kokainmissbrauch. Das kam mehrfach in HP-Psych-Fragen.

00:13:26: SARAH: Und zur Therapie: Verhaltenstherapie, bei Jugendlichen immer mit Einbezug der Familie — Familientherapie oder systemische Therapie. Gruppentherapie hat sich ebenfalls bewährt. In einer Prüfungsfrage stand: die Behandlungsbereitschaft ist hoch. Das ist falsch. Die Behandlungsbereitschaft ist oft gering — weil keine Krankheitseinsicht vorhanden ist.

00:13:46: LUKAS: Noch eine Besonderheit: Bei sehr frühem Beginn vor der Pubertät kann die Pubertät ganz ausbleiben. Und wenn die Anorexie vor der ersten Regelblutung beginnt, sprechen wir von primärer Amenorrhö — die Regel tritt nie ein. Tritt sie ein und setzt dann aus, nennen wir das sekundäre Amenorrhö.

00:14:04: SARAH: Risikogruppen — das ist ein Punkt, den wir uns gut merken können: Ballett-Tänzerinnen, Models, Leistungssportler. Diese Gruppen stehen unter einem besonders starken äußeren Druck, einen bestimmten Körper zu haben. Und das erklärt, warum soziokulturelle Faktoren bei der Entstehung eine große Rolle spielen.

00:14:20: LUKAS: So. Jetzt haben wir alle drei Störungen durch. Lass uns zum Abschluss nochmal zusammenführen — denn das ist der Teil, der uns in der Prüfung wirklich weiterhilft.

00:14:20: SARAH: Fangen wir mit der Abgrenzungslogik an. Essattacken: ja bei Binge-Eating, ja bei Bulimie, nein bei Anorexie - außer bei der bulimischen Form. Gewichtsreduzierende Maßnahmen: nein bei Binge-Eating, ja bei Bulimie, ja bei Anorexie. Und das Körpergewicht: Übergewicht bei Binge-Eating, normalgewichtig bis leicht erhöht bei Bulimie, Untergewicht bei Anorexie.

00:14:51: LUKAS: Und dann das, was ich für die vielleicht wichtigste Abgrenzung halte: die Krankheitseinsicht. Bei der Binge-Eating-Störung und bei der Bulimie ist sie vorhanden. Die Betroffenen wissen, was mit ihnen passiert — das ist schmerzhaft, das führt zu Scham, zu Schuld, zu Depressionen. Aber sie wissen es.

00:15:07: SARAH: Bei der Anorexie ist das komplett anders. Keine Krankheitseinsicht. Die Betroffene sieht sich als zu dick — auch wenn sie bereits lebensgefährlich untergewichtig ist. Das ist der Kern der Körperschema-Störung. Und das macht die Anorexie so schwer zu behandeln und so gefährlich.

00:15:22: LUKAS: Was alle drei Störungen verbindet: Suizidalität ist bei allen erhöht — bei der Anorexie am stärksten. Depressive Symptome kommen bei allen vor. Und die kognitive Verhaltenstherapie ist übergreifend die Therapie der ersten Wahl.

00:15:36: SARAH: Noch eine Gemeinsamkeit, die wir nicht vergessen sollten: Der Übergang zwischen den Störungen ist möglich. Aus einer Anorexie kann eine Bulimie werden. Aus einer Binge-Eating-Störung kann eine Bulimie werden. Das ist keine Ausnahme — das kommt vor und wurde in Prüfungsfragen auch genau so abgefragt.

00:15:52: LUKAS: Und weil wir gerade bei Prüfungsfragen sind — ein abschließender Hinweis auf typische Fallen. Die Krankheit heilt spontan aus — falsch, bei allen dreien. Die Betroffenen lassen sich gehen und sind depressiv — falsch, bei der Anorexie. Normal- und Übergewicht schließen Bulimie aus — falsch. Und: Frauen und Männer sind etwa gleich häufig betroffen — falsch bei Bulimie und Anorexie, bei Binge-Eating immerhin deutlich weniger weit auseinander.

00:16:17: SARAH: Bevor wir uns verabschieden — ein kurzer Hinweis. Wenn wir uns mit solchen Themen beschäftigen, hilft es ungemein, die Inhalte auch visuell aufbereitet zu sehen und immer wieder zu wiederholen. Genau das macht Stefan Barres in seinen Videotrainings auf heilpraktikerausbildung24.de — da wird das alles nochmal richtig anschaulich erklärt, nach dem Prinzip Lernen nach Zeilen. Speaker 2 und ich haben da auch schon viel gelernt. Wir haben uns sogar bei einem der Live-Online-Kurse kennengelernt.

00:16:44: LUKAS: Stimmt — kann ich nur empfehlen. Gerade wenn die Prüfung näher rückt, ist es Gold wert, die Inhalte nochmal strukturiert durchzugehen. Also schaut rein, wenn ihr das noch nicht kennt.

00:16:44: SARAH: So, das war Folge 34 der Heilpraktiker-Hacks. Essstörungen — Anorexie, Bulimie, Binge-Eating. Wir hoffen, es macht euch Spaß, uns beim Lernen zu begleiten.

00:17:03: LUKAS: Und wer nach dieser Folge das nächste Mal eine Prüfungsfrage zu Essstörungen sieht, weiß: Wir suchen zuerst nach Essattacken, dann nach Gegenmaßnahmen, dann nach dem Körpergewicht — und dann nach der Krankheitseinsicht. Damit sind wir schon sehr weit.

00:17:16: SARAH: Macht's gut und viel Erfolg beim Lernen, ihr Lieben!

00:17:19: LUKAS: Ciao, bis bald!

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