Das Auge - Akkomodation, Adaptation und Kammerwasser

Shownotes

Die wichtigsten Inhalte dieser Folge

  • Akkommodation und Adaptation richtig verstehen: Wie unser Auge scharf stellt (Linse) und sich an Helligkeit anpasst (Pupille) – zwei Funktionen, die oft verwechselt werden!
  • Der Trick beim Ziliarmuskel: Warum Anspannung Nahsicht und Entspannung Fernsicht bedeutet – eine wichtige Prüfungsfrage!
  • Pupillenreaktion und Nerven: Wie der Parasympathikus und Sympathikus unsere Pupillen für Miosis oder Mydriasis steuern.

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Weitere Inhalte dieser Folge

  • Atropin – die Doppelwirkung: Warum dieses Medikament nicht nur die Pupillen weitet, sondern auch die Nahsicht vorübergehend blockiert.
  • Der Ziliarkörper – das Multitalent im Auge: Seine drei entscheidenden Rollen von Muskel über Faser bis zur Drüse für das Kammerwasser.
  • Der Kammerwasser-Kreislauf im Detail: Wie diese wichtige Flüssigkeit im Auge produziert wird, fließt und abgeleitet wird – entscheidend fürs Glaukom.

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Transkript anzeigen

00:00:00: SARAH: Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Heilpraktiker-Hacks! Hier sind wieder eure Prüfungsknacker Sarah und Lukas.

00:00:10: LUKAS: Wir sind beim Auge geblieben. In Folge 38 haben wir uns die Anatomie angeschaut – drei Augenhäute, die ganzen Strukturen vorne mit Iris, Linse, Ziliarkörper, dazu die Hilfsstrukturen. Heute geht es weiter mit der Physiologie. Also: Was tut das Auge eigentlich?

00:00:25: SARAH: Genau. Und da gibt es zwei große Funktionen, die wir kennen müssen: die Akkommodation und die Adaptation.

00:00:33: LUKAS: Und wir müssen die beiden Begriffe wirklich auseinanderhalten. Akkommodation – das geht um die Linse, Nah- und Fernsicht. Adaptation – das geht um die Pupille, weit geöffnet oder klein, für das Hell-Dunkel-Sehen. Zwei verschiedene Dinge, an zwei verschiedenen Strukturen.

00:00:48: SARAH: Sehr wichtig! Fangen wir mit der Akkommodation an. Und da brauchen wir nochmal unser Speichenrad-Bild aus der letzten Folge. Zur Erinnerung: Die Linse hängt an feinen Fäden, den Zonularfasern, und die wiederum hängen an einem Ringmuskel um die Linse herum, dem Ziliarmuskel.

00:01:07: LUKAS: Genau. Und jetzt der Trick: Die Linse will von Natur aus eigentlich kugelig sein – sie hat elastische Fasern, die sich zusammenziehen wollen.

00:01:15: SARAH: Sie will einfach kugelig sein.

00:01:17: LUKAS: Ja. Aber die Zonularfasern, also die Speichen, ziehen sie auseinander und halten sie flach. Solange der Ziliarmuskel entspannt ist, ist der Ring groß. Dadurch wird an den Fäden gezogen, und die Linse wird flach. Das ist die Einstellung für die Fernsicht – wenig Brechung. Und jetzt kommt der Trick: Was passiert, wenn sich der Ziliarmuskel zusammenzieht?

00:01:17: SARAH: Hmm, intuitiv würde man denken – wenn der Muskel sich zusammenzieht, dann zieht er an den Fäden, oder?

00:01:44: LUKAS: Ja, das würde man wohl denken, aber genau das ist falsch. Denn der Ziliarmuskel ist ein Ringmuskel. Wenn der sich zusammenzieht, wird der Ring kleiner. Und wenn der Ring kleiner wird – dann werden die Speichen automatisch lockerer. Nicht straffer!

00:01:44: SARAH: Aaaah, jetzt klickt es! Wie wenn man einen Reifen zusammendrückt – die Speichen werden ja dann nicht straffer, sondern lockerer.

00:02:06: LUKAS: Genau! Und wenn die Fäden lockerer werden, kann die Linse endlich machen, was sie von Natur aus möchte: kugelig werden. Und wenn die Linse kugelig wird, dann bricht sie das Licht stärker – und das brauchen wir für die Nahsicht.

00:02:06: SARAH: Also Anspannung des Ziliarmuskels gleich Nahsicht. Und Entspannung des Ziliarmuskels gleich Fernsicht. Weil dann der Ring weiter wird, die Speichen wieder spannen, die Linse flacher wird, weniger bricht.

00:02:31: LUKAS: Exakt! Und daraus folgt eine wichtige Erkenntnis fürs Leben: Fernsicht ist entspannend, Nahsicht ist anstrengend. Deshalb sollte man regelmäßig in die Ferne schauen, wenn man viel am Bildschirm arbeitet.

00:02:43: SARAH: Mein Tipp also: Augen ab und zu mal in die Ferne schicken. Tut den Augen gut.

00:02:48: LUKAS: Und passend dazu eine alte Prüfungsfrage: "Bei der Nahanpassung des Auges zieht sich der Ziliarmuskel zusammen." Wahr oder falsch?

00:02:56: SARAH: Wahr! Genau so ist es. Ring zieht sich zusammen, Fäden werden locker, Linse wird kugelig, wir sehen nah.

00:03:03: LUKAS: Und wer wird im Alter weitsichtig? Fast alle. Warum? Weil die Linse im Alter ihre Elastizität verliert. Sie wird zäh, kann sich nicht mehr richtig kugeln. Das ist die Altersweitsichtigkeit, die Presbyopie. Aber dazu in Folge 40 mehr, wenn wir die Pathologie machen.

00:03:19: SARAH: Jetzt aber noch eine Sache zur Akkommodation, die du nicht vergessen darfst, Lukas – die Innervation. Welcher Nerv steuert denn diesen Ziliarmuskel?

00:03:19: LUKAS: Sehr gut, dass du das ansprichst. Der Ziliarmuskel wird parasympathisch innerviert. Und zwar über den dritten Hirnnerv, den Nervus oculomotorius. Und der wird gleich bei der Adaptation auch nochmal wichtig. Also jetzt zur zweiten großen Funktion – der Adaptation.

00:03:44: SARAH: Adaptation – die Anpassung an unterschiedliche Lichtverhältnisse. Also: Wie viel Licht lassen wir ins Auge rein?

00:03:51: LUKAS: Und genau das regeln wir, indem wir die Pupille größer oder kleiner stellen. Wie an einer Kamera die Blende. Dafür haben wir zwei Muskeln, die in die Iris eingelagert sind.

00:03:51: SARAH: Der Musculus sphincter pupillae – der macht die Pupille eng. Und der Musculus dilatator pupillae – der macht sie weit.

00:04:09: LUKAS: Die Namen sind Programm. Sphincter wie Schließmuskel – macht zu. Dilatator wie dilatieren, weiten – macht auf. Und beide Muskeln werden vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Aber jeweils von einem anderen Teil. Der Sphincter pupillae, der die Pupille verengt – Miosis – wird vom Parasympathikus gesteuert.

00:04:27: SARAH: Und das passt total. Parasympathikus ist Ruhe, Erholung. Da brauchen wir nicht viel sehen. Pupillen klein. Das hatten wir in Folge 37 über das vegetative Nervensystem schon.

00:04:27: LUKAS: Genau. Und der Dilatator pupillae, der die Pupille weitet – Mydriasis – wird vom Sympathikus gesteuert. Kampf und Flucht, da wollen wir alles sehen, was um uns herum passiert.

00:04:49: SARAH: Und diese beiden Bahnen laufen anatomisch ganz unterschiedlich.

00:04:53: LUKAS: Ja. Der Parasympathikus für die Pupillenverengung – der läuft über einen Hirnnerv. Und zwar wieder über den Oculomotorius, den dritten Hirnnerv.

00:04:53: SARAH: Der ist wirklich vielbeschäftigt! Akkommodation und Pupillenverengung beide über den Oculomotorius.

00:05:09: LUKAS: Ja. Und jetzt aufpassen – der Sympathikus für die Pupillenerweiterung, der läuft nicht über einen Hirnnerv. Wir erinnern uns an Folge 37: Die Kerne des Sympathikus liegen ja im Brustrückenmark. Von da geht's in den Grenzstrang und dann von dort wieder hoch zum Auge.

00:05:09: SARAH: Tatsächlich wurde der Nervus oculomotorius im Zusammenhang mit dem Pupillenreflex mal abgefragt. Und da ist er tatsächlich der efferente Nerv, der bei Lichteinfall die Pupille verengt.

00:05:37: LUKAS: Und jetzt noch eine Prüfungsfrage dazu: "Helligkeit kann Ursache für eine Mydriasis sein." Wahr oder falsch?

00:05:37: SARAH: Falsch! Helligkeit macht Miosis – die Pupille wird klein, damit nicht zu viel Licht reinkommt. Mydriasis hätten wir bei Dunkelheit.

00:05:37: LUKAS: Miosis und Mydriasis wird wirklich gerne gefragt. Wir hatten jetzt schon die Lichtwirkung. Auch wichtig sind Substanzen, die darauf einwirken, vor allem verschiedene Drogen.

00:06:01: SARAH: Stichwort Drogenwirkung. Da gibt's klassische Befunde. Erinnerst Du Dich? Damit haben wiruns ausführlich in den folgen 13, 14 und 15 beschäftigt.

00:06:11: LUKAS: Stimmt. Ich erinnere mich. Opiate – also Heroin, Morphin – die machen Miosis. Ganz kleine Pupillen, stecknadelkopfgroß. Auch Sedativa, Benzodiazepine – Pupillen werden eher klein.

00:06:24: SARAH: Das passt zum Gesamtbild: Opiate dämpfen, beruhigen, fahren runter. Auch die Pupillen werden klein.

00:06:30: LUKAS: Umgekehrt: Anregende Substanzen machen Mydriasis. Kokain, Amphetamine, Halluzinogene – Pupillen weit.

00:06:30: SARAH: Auch das passt. Sympathomimetika – wirken wie der Sympathikus, also Kampf und Flucht – Pupillen groß.

00:06:44: LUKAS: Und jetzt ein ganz wichtiger Punkt, der auch schon in Prüfungsfragen vorgekommen ist: Atropin.

00:06:50: SARAH: Atropin – das kennen viele vom Augenarzt. Bei der Augenhintergrundspiegelung, wenn der Arzt die Pupille weitstellen muss, um den Augenhintergrund anschauen zu können.

00:06:59: LUKAS: Genau. Aber wie wirkt Atropin? Atropin ist ein Parasympatholytikum. Es blockiert die Rezeptoren für das Acetylcholin des Parasympathikus.

00:07:09: SARAH: Und wenn der Parasympathikus blockiert ist – dann kann er den Sphincter pupillae nicht mehr aktivieren. Das heißt, die Pupille kann nicht mehr verengt werden.

00:07:18: LUKAS: Und dadurch läuft der Sympathikus ungebremst. Mydriasis – die Pupille wird groß. Das ist genau der Effekt, den der Augenarzt haben will.

00:07:26: SARAH: Und – aufgepasst – Atropin hat noch einen zweiten Effekt. Weil ja auch der Ziliarmuskel parasympathisch innerviert wird, wird auch der lahmgelegt.

00:07:26: LUKAS: Genau! Und das heißt, neben der Mydriasis kriegen die Patienten auch eine Akkommodationsstörung. Die Linse kann sich nicht mehr für die Nahsicht kugeln. Deshalb können die Leute nach so einer Untersuchung erstmal nicht lesen.

00:07:48: SARAH: Das gehört wirklich zusammen. Parasympatholytikum wie Atropin – Mydriasis plus Akkommodationsstörung. Beide Funktionen sind parasympathisch, beide laufen über den Oculomotorius, also haut Atropin beide weg.

00:08:02: LUKAS: Schöne Klammer. Und das ist auch eine Prüfungsfrage, die schon gestellt wurde: Was sind typische Nebenwirkungen von Parasympatholytika wie Atropin? Eine davon ist eine Akkommodationsstörung. Ja, das gehört dazu.

00:08:16: SARAH: Wahnsinn, wie viel an diesem Hirnnerv hängt. Dann lass uns aber auch noch erwähnen, dass er mit dem vierten und sechsten Hirnnerv zusammen die Augenbewegungsmuskeln innerviert. Dafür ist er nämlich auch noch zuständig.

00:08:27: LUKAS: Eben ein Multitalent. Nur sensorisch hat er keine Aufgabe.

00:08:27: SARAH: Und weisst Du was Speaker 2: Ich habe noch einen Zusammenhang hier.

00:08:35: LUKAS: Lass hören. Jetzt bin ich wirklich gespannt.

00:08:38: SARAH: Die Konvergenzreaktion. Die beschreibt, dass sich bei Naheinstellung beide Augen nach innen wenden und - und jetzt kommt es - dass sich die Pupille dabei verengt. Warum, Lukas?

00:08:49: LUKAS: Das ist cool! Ich bekomme es zusammen: Naheinstellung bedeutet, die Linse wird kugelig. Das heisst, der Ziliarmuskel zieht sich zusammen. Und das macht der Parasympathikus. Naja, und was macht er eben auch? Er kontrahiert den Sphincter pupillae und macht die Miosis.

00:09:05: SARAH: Jetzt haben wir es komplett zusammen: die zwei großen Funktionen. Akkommodation – Linse, Oculomotorius parasympathisch. Adaptation – Pupille, je nachdem Parasympathikus über Oculomotorius oder Sympathikus über Spinalnerv. Lukas, fehlt noch was?

00:09:24: LUKAS: Es fehlt noch der Kreislauf vom Kammerwasser, weil das in Folge 40 bei der Pathologie wichtig wird – Stichwort Glaukom. Und der Ziliarkörper hat ja gleich mehrere Aufgaben, das verdient nochmal einen genauen Blick.

00:09:36: SARAH: Genau, der Ziliarkörper ist ein Multitalent. Zur Erinnerung: Er entsteht vorne aus der Aderhaut, ist also sehr gut durchblutet. Und ganz vorne geht er in die Iris über, die wir unter der durchsichtigen Hornhaut sehen können. Drei Aufgaben hat er.

00:09:36: LUKAS: Erstens: Er hat einen Muskelanteil – den ringförmigen Ziliarmuskel. Den hatten wir gerade besprochen, der macht die Akkommodation. Zweitens: Er hat die Zonularfasern, an denen die Linse aufgehängt ist. Die Speichen von vorhin. Und drittens – und das kommt jetzt noch dazu – er hat einen Drüsenanteil. Die sogenannte Ziliardrüse.

00:10:11: SARAH: Und in dieser Ziliardrüse wird das Kammerwasser produziert. Auch das eine klassische Prüfungsfrage: "In der Ziliardrüse wird das Kammerwasser produziert." Wahr oder falsch?

00:10:22: LUKAS: Wahr! Das sollten wir wissen. Das Kammerwasser entsteht im Ziliarkörper, im Drüsenanteil.

00:10:27: SARAH: Und dann fließt es einen ganz bestimmten Weg. Von hinten nach vorne. Es entsteht im Ziliarkörper und wird in die hintere Augenkammer abgegeben. Die wird nach hinten durch die Linse und nach vorne durch die Iris gebildet. Dann fließt es durch die Pupille nach vorne in die vordere Augenkammer und dann durch kleine Kanäle wieder ab.

00:10:27: LUKAS: Die Kanäle heißen Schlemm-Kanäle. Da fließt das Kammerwasser ab ins venöse Blutsystem. Und wenn dieser Abfluss gestört ist, wenn die Schlemm-Kanäle verstopfen oder der Winkel zu eng ist – dann staut sich das Kammerwasser. Und das ist der Weg zum Glaukom. Aber dazu wirklich in Folge 40 mehr.

00:11:04: SARAH: Und nochmal zur Augenkammer eine Prüfungsfrage: "Die Augenkammer ist mit Tränenflüssigkeit gefüllt." Wahr oder falsch?

00:11:12: LUKAS: Falsch! Die Augenkammern sind mit Kammerwasser gefüllt. Die Tränendrüse und die Tränenflüssigkeit ist außen am Auge. Das müssen wir sauber trennen.

00:11:20: SARAH: Und noch eine Frage: "Die Augenkammer ist durch die Iris in vordere und hintere Augenkammer geteilt." Wahr oder falsch?

00:11:27: LUKAS: Wahr! Die Iris teilt in vorne und hinten. Merken!

00:11:30: SARAH: Liebe Hörer, wer beim Lernen sowas wie Akkommodation und Adaptation oder Miosis versus Mydriasis sauber vergleichen will, dem kann ich die Videotrainings von Stefan Barres und Heilpraktikerausbildung24 wirklich empfehlen.

00:11:46: LUKAS: Stimmt! Da entstehen wirklich viele AHA-Momente, weil die Themen so klar erklärt werden. Und wenn ihr in einen Live-Kurs reingehen wollt – da haben Sarah und ich uns übrigens kennengelernt – auch das ist eine super Sache zur Prüfungsvorbereitung. Ein echter roter Faden für die letzten Monate.

00:12:01: SARAH: So, Leute, ich glaube wir haben das Auge jetzt physiologisch richtig durchleuchtet. Zur Erinnerung: Die beiden Funktionen: Akkommodation – Linse – Oculomotorius parasympathisch. Adaptation – Pupille – Miosis über Parasympathikus und Oculomotorius, Mydriasis über Sympathikus und Spinalnerv.

00:12:01: LUKAS: Atropin als Parasympatholytikum macht beide platt – Mydriasis und Akkommodationsstörung.

00:12:01: SARAH: Und der Ziliarkörper als Multitalent mit drei Aufgaben: Muskel, Fasern, Drüse für das Kammerwasser.

00:12:35: LUKAS: Und in der nächsten Folge, Folge 40, geht's dann um die Pathologie des Auges. Glaukom, Katarakt, Konjunktivitis, Kurz- und Weitsichtigkeit – also alles, worauf wir heute und in Folge 38 schon ein bisschen vorgegriffen haben, das vertiefen wir dann.

00:12:50: SARAH: Bringt eure Kollegen und Kolleginnen mit, das wird spannend! Und in diesem Sinne: Macht's gut und viel Erfolg beim Lernen, ihr Lieben!

00:12:57: LUKAS: Ciao, bis bald!

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