Pathologie des Auges Teil 2: Kurz- und Weitsichtigkeit, Grauer Star, Grüner Star und Netzhautablösung
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Die wichtigsten Inhalte dieser Folge
- Kurz- und Weitsichtigkeit verstehen: Der Brennpunkt entscheidet alles - bei Myopie liegt er vor der Netzhaut (Augapfel zu lang), bei Hyperopie dahinter (Augapfel zu kurz oder Linse zu flach)
- Die zwei Stare unterscheiden: Grauer Star = Linsentrübung ohne Druck, Grüner Star = Augendruckerhöhung mit Sehnervschaden - völlig verschiedene Krankheiten
- Akuter Glaukomanfall erkennen: Weite starre Pupille (nicht eng!), steinharter Bulbus, Farbringe als Vorboten, plus Übelkeit/Erbrechen - sofortiger Notfall
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Weitere Inhalte dieser Folge
- Netzhautablösung als schmerzloser Notfall: Lichtblitze, Schatten und Schleier - einseitig aber ohne Schmerzen oder Rötung, besonders bei Kurzsichtigkeit
- Glaukom-Therapie gezielt einsetzen: Pilocarpin verengt die Pupille, Betablocker drosseln die Kammerwasserproduktion - pupillenerweiternde Mittel sind tabu
- Diabetes als roter Faden: Verbindet grauen Star, Glaukom und Netzhautablösung über Gefäßschäden - deshalb jährliche Augenkontrollen nötig
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00:00:00: SARAH: Hallo zusammen! Willkommen zurück bei den Heilpraktiker-Hacks! Hier sind wieder eure Prüfungsknacker Sarah und Lukas. Heute kommt Teil zwei zur Pathologie des Auges — die großen Brocken.
00:00:12: LUKAS: Genau, und das sind die Themen mit den meisten Prüfungsfragen: Kurz- und Weitsichtigkeit, der graue Star, der grüne Star — also das Glaukom mit dem akuten Anfall — und die Netzhautablösung.
00:00:12: SARAH: Und unser Werkzeug von letztem Mal aus der Folge vierzig nehmen wir mit, oder?
00:00:28: LUKAS: Unbedingt: einseitig oder beidseitig, schmerzhaft oder schmerzlos? Legen wir los mit der Kurz- und Weitsichtigkeit.
00:00:37: SARAH: Da stellen wir aber zentral eine andere Frage: Wo liegt der Brennpunkt der Lichtstrahlen, vor oder hinter der Netzhaut? Fangen wir mit der Kurzsichtigkeit an — was passiert da?
00:00:47: LUKAS: Bei der Kurzsichtigkeit, der Myopie, wird das Licht schon vor der Netzhaut gebündelt — der Brennpunkt liegt also vor der Netzhaut. In der Ferne sieht man schlecht, in der Nähe gut.
00:00:59: SARAH: Da kann es zwei Ursachen geben. Und genau da setzen die Prüfer an: Bei Myopie sei der Augapfel zu kurz — das ist —
00:01:07: LUKAS: — falsch! Zu lang muss es heißen. Merkt euch: Myopie, Augapfel zu lang, Brennpunkt vor der Netzhaut. Der lange Augapfel schiebt die Netzhaut nach hinten. Die Lichtstrahlen treffen zu früh aufeinander. Und was wäre die zweite mögliche Ursache für die Kurzsichtigkeit?
00:01:23: SARAH: Wenn die Lichtstrahlen schon vor der Netzhaut zusammentreffen, könnte auch die Brechkraft der Linse zu stark sein. Also wenn die Linse dauerhaft zu kugelig wäre. Das kommt aber selten vor.
00:01:35: LUKAS: Und wieso werden so viele Kinder im Schulalter kurzsichtig?
00:01:39: SARAH: Die Schulmyopie. Säuglinge kommen erstmal weitsichtig zur Welt, der Augapfel ist noch zu kurz. Dann wächst er. Wird er zu lang — gerade bei viel Naharbeit, viel Bildschirm und wenig Tageslicht —, dann kippt das Kind in die Kurzsichtigkeit. Jetzt zur Weitsichtigkeit. Wie ist es da?
00:01:57: LUKAS: Da ist es genau das Gegenteil. Bei der Weitsichtigkeit, der Hyperopie, liegt der Brennpunkt hinter der Netzhaut. Wieder kann es zwei Ursachen geben.
00:02:06: SARAH: Ja, jetzt könnte der Augapfel zu kurz sein - wie bei den Säuglingen. Häufiger ist aber die zweite Möglichkeit: die Linse kann nicht mehr stark genug brechen.
00:02:15: LUKAS: Das ist dann die Alterssichtigkeit, die Presbyopie. Im Alter verliert die Linse ihre Elastizität, die Akkommodationsfähigkeit lässt nach — das Scharfstellen in die Nähe. Deshalb hält man die Zeitung immer weiter weg.
00:02:15: SARAH: Die Nah-Akkommodation — das Scharfstellen über die Linse. Das bedeutet, die Linse zieht sich nicht mehr kugelig zusammen. Ihre elastischen Fasern haben die Zugkraft verloren. Und genau so wird die Presbyopie abgefragt — welche Aussage stimmt?
00:02:43: LUKAS: Richtig ist nur: die Akkommodationsfähigkeit der Linse nimmt ab. Und die vier Ablenker sind dann unsere anderen Augenthemen — eine getrübte Linse wäre der graue Star, ein zu langer Augapfel die Kurzsichtigkeit, ein erhöhter Augeninnendruck, das Glaukom, und der Keratokonus, bei dem sich die Hornhaut kegelförmig vorwölbt.
00:03:04: SARAH: Kurz- und Weitsichtigkeit wird immer wieder auf diese Weise gefragt: Bei Myopie ist der Augapfel zu kurz. Was sagst Du jetzt dazu, Lukas?
00:03:13: LUKAS: Ich sage: Falsch, er ist zu lang. Die Lichtstrahlen treffen schon vor der Netzhaut aufeinander.
00:03:18: SARAH: Exakt. Ich glaube, jetzt ist das klar.
00:03:21: LUKAS: Ja. Dann gehen wir zu den nächsten Krankheiten weiter.
00:03:24: SARAH: Gute Idee, die zwei Stare. Sie werden gerne verwechselt. Was ist der graue Star?
00:03:24: LUKAS: Der graue Star oder Katarakt, ist eine Trübung der Augenlinse. Die sonst glasklare Linse wird mit dem Alter trüb — grau. Man sieht wie durch Milchglas: verschwommen, und man wird blendempfindlich.
00:03:42: SARAH: Und wen trifft es?
00:03:42: LUKAS: Vor allem die Älteren, jenseits der sechzig — der Altersstar ist die häufigste Form. Weltweit ist der graue Star sogar die häufigste Erblindungsursache.
00:03:53: SARAH: Zum Glück kann man ihn sehr gut operieren.
00:03:55: LUKAS: Ja. Man tauscht die trübe Linse gegen eine künstliche, eine Intraokularlinse.
00:04:01: SARAH: Und die typische Frage zu den Symptomen?
00:04:03: LUKAS: Gefragt wird, was zur altersbedingten Linsentrübung gehört: eine Visusminderung, also nachlassende Sehschärfe, eine Blendungsempfindlichkeit und eine verminderte Kontrastwahrnehmung.
00:04:03: SARAH: Visus runter, Blendung rauf, Kontrast weg. Notiert.
00:04:19: LUKAS: Und eine zweite, beliebte Frage: Welche Aussagen sprechen für einen grauen Star? Richtig sind dabei: Auftreten nach dem sechzigsten Lebensjahr, Linsentrübung und Abnahme der Sehschärfe.
00:04:32: SARAH: Und was begünstigt einen grauen Star — außer dem Alter?
00:04:35: LUKAS: Da soll man zwei Faktoren kennen: Kortisontherapie und Diabetes mellitus. Die Ablenker in der Prüfungsfrage waren: Vollwertkost, vegetarische Kost und Heuschnupfen — die haben aber gar nichts mit dem grauen Star zu tun. Es gibt auch einen angeborenen grauen Star. Der klassische Auslöser ist eine Rötelninfektion in der Schwangerschaft.
00:04:56: SARAH: Das sind jetzt alles Punkte, die uns direkt zum grünen Star, zum Glaukom bringen. Denn Kortison, Diabetes und Rötelnembryopathie sind alles auch mögliche Ursachen für das Glaukom.
00:05:07: LUKAS: Tatsächlich. Das stimmt. Aber zuerst: Was ist ein Glaukom?
00:05:11: SARAH: Beim Glaukom kommt es zu einem erhöhten Augen-Innendruck. Beim Druck vorne auf das Auge, ist der Bulbus hart.
00:05:18: LUKAS: Genau das ist die Trennlinie: Der graue Star ist die Linsentrübung, der grüne Star ist die Augen-Innendruck-Erhöhung.
00:05:25: SARAH: Und das Glaukom ist jetzt die Krankheit, die am meisten gefragt wird.
00:05:28: LUKAS: Jetzt die Definition, die etwas überrascht: Ein Glaukom ist eine Schädigung des Sehnervs, meist durch einen erhöhten Augeninnendruck. Aber eben nur meist.
00:05:28: SARAH: Wieso nur meistens?
00:05:39: LUKAS: Weil es auch ein Glaukom mit normalem Druck gibt — das Normaldruckglaukom. Da ist der Druck im Normbereich, und der Sehnerv nimmt trotzdem Schaden. Fürs Grobe merken wir uns aber: Glaukom gleich Druck rauf. So wollen es die Prüfer von uns hören.
00:05:54: SARAH: Dann erklär mir das mit dem Druck — woher kommt der?
00:05:57: LUKAS: Im Auge zirkuliert das Kammerwasser: produziert im Ziliarkörper, fließt in die hintere Augenkammer, an der Linse vorbei in die vordere Kammer, und im Kammerwinkel über den Schlemm-Kanal wieder ins venöse Blut ab.
00:06:10: SARAH: Verstanden — wie ein kleiner Bachlauf.
00:06:12: LUKAS: Genau. Und beim Glaukom ist dieser Bachlauf gestört: Entweder wird zu viel Kammerwasser gebildet, oder es fließt nicht richtig ab. Wie ein Staudamm — der Druck steigt.
00:06:23: SARAH: Und welche Werte sind normal?
00:06:23: LUKAS: Normal sind vierzehn bis zwanzig Millimeter Quecksilbersäule. Beim akuten Anfall kann der Druck auf fünfzig bis achtzig hochschießen — dann wird der Augapfel steinhart.
00:06:34: SARAH: Welche Formen gibt es?
00:06:36: LUKAS: Drei. Das primäre Glaukom entsteht aus sich selbst heraus, dem sekundären liegt eine andere Erkrankung zugrunde, und das dritte ist angeboren. Beim primären unterscheidet man wieder zwei: das Weitwinkelglaukom mit offenem Kammerwinkel — das Glaucoma chronicum simplex, der schleichende Klassiker im Alter. Und das Engwinkelglaukom mit verschlossenem Kammerwinkel — die akute Form, aus der der Glaukomanfall entsteht, weil das Kammerwasser schon anatomisch gesehen schlechter abfließen kann.
00:07:06: SARAH: Also: Weitwinkel — chronisch und schleichend. Engwinkel — akut und dramatisch.
00:07:12: LUKAS: Genau. Das Weitwinkelglaukom ist so tückisch, weil es lange keine Beschwerden macht. Erst spät fällt das Gesichtsfeld aus — und der Schaden ist dann nicht mehr rückgängig zu machen.
00:07:22: SARAH: Das kommt, weil der Druck nicht nur nach vorne geht - Stichwort harter Bulbus - sondern auch nach hinten. Über den Augapfel auf die Netzhaut bis zur Netzhautablösung. Und eben auch auf den Austrittspunkt vom Sehnerv, der dadurch dann geschädigt wird. Und das sekundäre Glaukom, wodurch entsteht das?
00:07:39: LUKAS: Da staut sich der Abfluss durch eine andere Erkrankung. Klassiker: der Diabetes mellitus. Der Zucker verschlechtert die Durchblutung der Netzhaut. Dadurch werden neue Blutgefäße in der Aderhaut gebildet. Auch weit vorne im Kammerwinkel. Mit den Gefäßen vermehrt sich aber auch das Bindegewebe und führt zu einer Verstopfung der Schlemmkanäle. Kennst Du auch noch Ursachen, Sarah?
00:08:00: SARAH: Ja, ich habe es vorhin ja schon gesagt: Eine lange Kortisongabe. Der Stoffwechsel in den Zellen des Schlemmkanals wird verändert. Sie produzieren mehr Zucker und Proteine und die verkleben die Kanäle.
00:08:12: LUKAS: Und dann fällt mir noch ein lokaler Tumor ein, der die Schlemmkanäle zudrücken kann.
00:08:17: SARAH: Okay. Jetzt aber zu dem, was am häufigsten gefragt wird: der akute Glaukomanfall. Das ist ein Notfall, oder?
00:08:24: LUKAS: Ja, ein echter Notfall — hier gilt „Notfall zuerst": sofort erkennen und den Patienten umgehend in die Klinik bringen lassen. Er sollte nicht selbst fahren oder gehen.
00:08:34: SARAH: Wie kündigt sich der Anfall an?
00:08:36: LUKAS: Es gibt Vorboten, oft nicht ernst genommen: Nebel oder Schleier — von einem Hornhautödem, weil Kammerwasser in die Hornhaut drückt. Und farbige Ringe um Lichtquellen, gerade abends — die Regenbogen- oder Newton-Ringe.
00:08:49: SARAH: Farbringe um Lichter — super Erkennungszeichen. Und dann der Anfall selbst?
00:08:49: LUKAS: Dann kommt es knüppeldick, und zwar einseitig. Der Augapfel wird steinhart, stärkste Schmerzen im Auge und im Kopf, das Auge stark gerötet, das Sehen sackt ab. Und ganz wichtig: die Pupille ist weit und lichtstarr.
00:09:08: SARAH: Moment, Moment — die Pupille ist weit? Nicht eng?
00:09:11: LUKAS: Genau das fragen die Prüfer so ab. Beim akuten Glaukomanfall ist die Pupille weit — eine Mydriasis. Nicht eng, keine Miosis. Merkt euch: Glaukomanfall, weite, starre Pupille. Hast Du eine Idee warum?
00:09:11: SARAH: Naja, wenn es zuviel Kammerwasser gibt, wird das ganze Auge ja aufgebläht. Stell Dir einen Luftballon vor. Wenn Du da einen Ring drauf malst und pustest ihn dann auf, dann wird der Ring...
00:09:36: LUKAS: ... größer. Klar. Das macht Sinn. Außerdem machen die Schmerzen natürlich den Sympathikus aktiv. Auch das führt zur Mydriasis.
00:09:36: SARAH: Und jetzt kommts: Auch der Parasympathikus springt an. Der Druck reizt über den Nervus ophthalmicus im Brechzentrum den Vagusnerv, und dann kommen Übelkeit, Erbrechen, manchmal heftige Bauchschmerzen dazu — so heftig, dass man an einen Magen-Darm-Infekt denkt und das Auge übersieht.
00:10:01: LUKAS: Das erinnert mich an die kleinen Kinder, die bei Ohrenproblemen auch oft über Bauchweh klagen.
00:10:01: SARAH: Ja, da wird der Vagusnerv ja direkt am Ohr gereizt, weil ein kleiner Ast von ihm auch zum Ohr zieht. Aber bleiben wir beim Glaukom. Fasst Du nochmal die wichtigen Symptome zusammen?
00:10:16: LUKAS: Gern. Richtig sind: der steinharte Bulbus, die weite, lichtstarre Pupille, das gerötete Auge, stärkste Schmerzen und das Nebelsehen durchs Hornhautödem.
00:10:27: SARAH: Und die Ablenker, die gern in die Prüfungsfragen reingemischt werden?
00:10:27: LUKAS: Gleich vier. Ein weicher Augapfel — falsch, er ist hart. Eine enge Pupille, eine Miosis — falsch, sie ist weit. Ein nicht eingeschränktes Sehvermögen — falsch, das Sehen sackt ab. Und die Protrusio bulbi, das Hervortreten des Augapfels — auch falsch.
00:10:47: SARAH: Das Hervortreten, das gehört doch woanders hin?
00:10:50: LUKAS: Genau, das ist der Exophthalmus, der gehört zur Schilddrüse. Beim Glaukom tritt nichts hervor, da wird es hart.
00:10:58: SARAH: Und es gibt ja auch Fragen zum Glaukom allgemein, nicht nur zum Anfall.
00:11:02: LUKAS: Ja. Richtig sind zwei: Unbehandelt entsteht ein Gesichtsfeldausfall, am Ende droht die Erblindung. Und im akuten Anfall kommen die Magen-Darm-Symptome dazu.
00:11:13: SARAH: Und die Fallen?
00:11:14: LUKAS: Drei lehrreiche. Das Glaukom tritt vor allem im Kindes- und Jugendalter auf — falsch, es ist ein Thema des höheren Alters. Beim Glaukom handelt es sich um eine Linsentrübung — falsch, das ist der graue Star. Und die Pupille sei im Anfall verengt — falsch, sie ist weit.
00:11:32: SARAH: Da stecken alle unsere Trennlinien drin: nicht im Kindesalter, keine Linsentrübung, keine enge Pupille. Gibt es auch ein Fallbeispiel?
00:11:41: LUKAS: Ein richtig schönes. Ein Patient sieht Farbringe, klagt über Augenschmerzen, Erbrechen, Übelkeit und starke Kopfschmerzen. Bei der Untersuchung ist der Augapfel extrem hart, und die Pupille reagiert nur verzögert.
00:11:55: SARAH: Das ganze Bild auf einmal. Was macht man?
00:11:57: LUKAS: Man stellt die Verdachtsdiagnose akuter Glaukomanfall und sorgt für die umgehende Behandlung — sofort in die Klinik.
00:12:04: SARAH: Und die falschen Antworten waren bestimmt Wohlfühl-Sachen?
00:12:07: LUKAS: Genau die Heilpraktiker-Fallen: eine Augenmassage gegen den Druck, Entspannungstechniken, Wärme und Massage gegen eine angebliche Nackenverspannung. Alles grundfalsch — bei einem Notfall nichts herumprobieren, sofort per Eins eins zwei in die Klinik.
00:12:07: SARAH: Notfall zuerst — und Finger weg vom Herumdoktern.
00:12:26: LUKAS: Und ein letzter Block, den die Prüfer lieben: die Therapie. Man will den Druck senken, und das geht auf zwei Wegen. Erstens: die Pupille eng stellen, damit der Kammerwinkel frei wird und das Wasser abfließt — mit Pilocarpin, einem Miotikum.
00:12:41: SARAH: Miotikum — von Miosis, der engen Pupille. Und der zweite Weg?
00:12:46: LUKAS: Weniger Kammerwasser produzieren lassen — das machen die Betablocker, die drosseln die Produktion.
00:12:46: SARAH: Also: Pilocarpin engt die Pupille, Betablocker drosseln die Produktion. Die zwei nicht vertauschen.
00:12:59: LUKAS: Das ist der Merksatz. Und ganz wichtig: Beim Glaukom sind pupillenerweiternde Mittel gefährlich — Atropin, Anticholinergika oder trizyklische Antidepressiva. Die weiten die Pupille und können einen Anfall auslösen.
00:13:13: SARAH: Vorsicht bei allem, was die Pupille weit macht — beim Glaukom tabu. Damit ist der größte Brocken geschafft.
00:13:19: LUKAS: Weiter geht es nach hinten ins Auge — zur Netzhaut. Und da wartet der zweite Notfall.
00:13:19: SARAH: Die Netzhautablösung, die Ablatio retinae. Erzähl.
00:13:29: LUKAS: Die Netzhaut löst sich von ihrer Unterlage ab — wie eine Tapete, die sich von der Wand schält. Und wo sie sich gelöst hat, kann man nicht mehr sehen.
00:13:36: SARAH: Wie macht sich das bemerkbar?
00:13:38: LUKAS: Typische Zeichen: Lichtblitze, ein Flimmern, dann ein dunkler Schatten oder Schleier, der von einer Seite ins Bild wandert. Manche sehen auch einen Rußregen, schwarze Pünktchen.
00:13:48: SARAH: Lichtblitze, Schatten, Schleier. Und jetzt unser Werkzeug — einseitig oder beidseitig, schmerzhaft oder schmerzlos?
00:13:57: LUKAS: Genau da liegt der Schlüssel: Die Netzhautablösung ist einseitig und vor allem schmerzlos. Und das Auge ist nicht gerötet — wichtig, weil die Prüfer genau da Fallen bauen.
00:14:07: SARAH: Schmerzlos und keine Rötung — obwohl es ein Notfall ist. Gemein, weil man bei Notfall an Schmerz denkt.
00:14:14: LUKAS: Genau das nutzen sie aus. Eine Frage lautet: Welche Symptome stützen den Verdacht? Richtig sind die Lichtblitze, der Schatten und der Schleier. Und die zwei Fallen?
00:14:24: SARAH: Lass mich raten — eine heftige Rötung und starke Schmerzen?
00:14:24: LUKAS: Punktgenau. Eine einseitige heftige Augenrötung und starke Schmerzen — beides falsch. Die Netzhautablösung tut nicht weh und rötet nicht.
00:14:36: SARAH: Und es gibt eine zweite Variante der Frage, oder?
00:14:39: LUKAS: Ja, eine Einfachauswahl. Richtig ist nur, dass sie Lichtblitze, Schleier- und Schattensehen machen kann. Aber eine Falle ist richtig fies: Eine Netzhautablösung entwickle sich vor allem bei starker Weitsichtigkeit. Und das ist —
00:14:53: SARAH: — falsch! Es ist die Kurzsichtigkeit, nicht die Weitsichtigkeit.
00:14:57: LUKAS: Genau, und das ergibt sogar Sinn: Bei der Kurzsichtigkeit ist der Augapfel ja zu lang. Dadurch ist die Netzhaut hinten gedehnt und dünn und reißt leichter ein. Besonders ab etwa fünf Dioptrien steigt das Risiko.
00:15:08: SARAH: Da schließt sich der Kreis zum Anfang! Augapfel zu lang, Netzhaut dünn, reißt leichter. Noch Ablenker?
00:15:15: LUKAS: Zwei: dass sie ohne Behandlung von allein zur Ruhe komme — nein, das ist ein Notfall. Und dass sie einen isolierten Verlust des Farbensehens mache — auch falsch.
00:15:25: SARAH: Also: Lichtblitze, Schatten, Schleier, einseitig, schmerzlos, keine Rötung, Risiko bei Kurzsichtigkeit. Und behandelt wird wie?
00:15:25: LUKAS: Mit Laser oder mit Kälte, der Kryokoagulation — damit heftet man die Netzhaut wieder an. Aber schnell muss es gehen, sonst droht die Erblindung.
00:15:44: SARAH: Und weil wir gerade hinten im Auge sind — der Diabetes hinterlässt da auch Spuren.
00:15:48: LUKAS: Genau, die diabetische Retinopathie. Der hohe Zucker schädigt über die Jahre die kleinen Gefäße der Netzhaut. Man unterscheidet zwei Stufen: die nichtproliferative Form ohne Gefäßneubildung und die proliferative Form, bei der neue, brüchige Gefäßchen sprießen.
00:15:48: SARAH: Proliferativ — da wuchert etwas. Und das ist die gefährlichere?
00:16:09: LUKAS: Ja. Und schau, wie alles zusammenhängt: Diese Gefäßneubildung kann auch vorne den Kammerwinkel verlegen — dann haben wir ein neovaskuläres Glaukom. Vorne das Glaukom, hinten die Netzhautablösung.
00:16:21: SARAH: Wahnsinn — der Diabetes verbindet die ganze Folge: grauer Star, Glaukom und Netzhautablösung.
00:16:27: LUKAS: Genau, der Diabetes ist der rote Faden. Deshalb sollen Diabetiker einmal im Jahr zum Augenarzt.
00:16:33: SARAH: Apropos schwarze Pünktchen — es gibt auch die harmlosen fliegenden Mücken, die Mouches volantes.
00:16:39: LUKAS: Stimmt, und Achtung: Die kommen aus dem Glaskörper, nicht aus der Linse. „Mouches volantes als Ausdruck einer Linsentrübung" ist also falsch.
00:16:47: SARAH: Glaskörper, nicht Linse. So, der letzte Block, kompakt: der Sehnerv und die Doppelbilder.
00:16:54: LUKAS: Genau. Eine Entzündung des Sehnervs, die Neuritis nervi optici, macht einen plötzlichen, einseitigen Sehverlust — und sie ist ein häufiges Frühsymptom der Multiplen Sklerose.
00:17:04: SARAH: Und die Doppelbilder?
00:17:04: LUKAS: Die sind ein Muskel- und Nerventhema: Stehen die Augen nicht mehr parallel, sieht man doppelt. Dahinter stecken die drei Augenmuskelnerven — der dritte, vierte und sechste Hirnnerv. Kernbeispiele: die Multiple Sklerose und der Botulismus, die Lebensmittelvergiftung mit Doppeltsehen als typischem Frühzeichen.
00:17:23: SARAH: Beide haben aber unterschiedliche Probleme. Bei der Multiplen Sklerose liegt das Problem entweder direkt am Sehnerv oder, wenn es um die Augenmuskeln geht, dann im Kleinhirn, das die Muskeln nicht mehr richtig koordinieren kann.
00:17:36: LUKAS: Stimmt. Beim Botulismus - und übrigens auch bei der Myasthenia gravis - geht es dagegen um die Übertragung vom Acetylcholin, das die Nerven an der motorischen Endplatte abgeben um die Muskeln zu aktivieren, auf ihre Rezeptoren. Das klappt da nicht mehr.
00:17:51: SARAH: MS, Botulismus und Myasthenia gravis — Doppelbilder. So, ihr Lieben, dann machen wir den Sack zu. Die wichtigsten Punkte im Schnelldurchlauf.
00:18:00: LUKAS: Leg los.
00:18:01: SARAH: Brennpunkt vor der Netzhaut heißt Kurzsichtigkeit, Augapfel zu lang oder Linse zu kugelig. Brennpunkt dahinter heißt Weitsichtigkeit, Augapfel zu kurz oder Linse zu flach. Und die Alterssichtigkeit ist die flache Linse, die sich nicht mehr kugelig zusammenziehen kann.
00:18:01: LUKAS: Dann die zwei Stare: Der graue Star ist die Linsentrübung im Alter — Visus runter, Blendung rauf, kein Druck. Der grüne Star, das Glaukom, ist Druck und Sehnervschaden — keine Linsentrübung.
00:18:31: SARAH: Der akute Glaukomanfall, unser erster Notfall: einseitig, steinharter Bulbus, weite starre Pupille — nicht eng! —, stärkste Schmerzen, Farbringe als Vorboten, dazu Übelkeit und Erbrechen. Sofort in die Klinik.
00:18:46: LUKAS: Der zweite Notfall, die Netzhautablösung: Lichtblitze, Schatten, Schleier, einseitig, schmerzlos, keine Rötung, Risiko bei Kurzsichtigkeit. Und der Diabetes als roter Faden verbindet beides über die Gefäßneubildung.
00:19:00: SARAH: Und wenn beim Auge die Bilder im Kopf noch wackeln — bei Brennpunkt, Linse und Kammerwasser muss man sich ja richtig etwas vorstellen —, dann schaut euch die Videotrainings von Stefan Barres bei Heilpraktikerausbildung24 an. Die zeigen diese Zusammenhänge richtig anschaulich.
00:19:16: LUKAS: Die Kombination hat sich bewährt: solche Folgen für den Überblick, die Videotrainings für die Vertiefung. Schaut mal rein unter Heilpraktikerausbildung24.
00:19:16: SARAH: Damit ist unser großes Augen-Doppel komplett. Macht's gut und viel Erfolg beim Lernen, ihr Lieben!
00:19:31: LUKAS: Ciao, bis bald!
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