Gehirn Teil 3: Die Pathophysiologie von Apoplex, MS, Parkinson und Chorea

Shownotes

Die wichtigsten Inhalte dieser Folge

  • Schlaganfall-Alarm erkennen: Lerne die BE-FAST-Regel und was bei plötzlichen neurologischen Ausfällen zu tun ist – jede Minute zählt!
  • Parkinson und Chorea Huntington verstehen: Entdecke die Gegensätze dieser extrapyramidalen Erkrankungen, von Bewegungsarmut und Ruhetremor bis hin zu unkontrollierten Überbewegungen.
  • Multiple Sklerose (MS) und das Kleinhirn: Erfahre, wie Schäden an den Myelinscheiden zu Ataxie und dem typischen Intentionstremor führen.

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Weitere Inhalte dieser Folge

  • Die Pyramidenbahn-Lähmung durchschauen: Verstehe, warum ein Schlaganfall eine spastische Lähmung über Kreuz verursacht und welche Symptome dazugehören.
  • Tremor-Typen clever unterscheiden: Dein Prüfungs-Hack, um Ruhetremor (Parkinson) und Intentionstremor (Kleinhirn) sicher auseinanderzuhalten.
  • Die Demenz-Verbindung: Erkenne, wie viele neurologische Erkrankungen des Gehirns am Ende zu einer sekundären Demenz führen können.

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00:00:00: SARAH: Hallo zusammen und willkommen zurück bei den Heilpraktiker-Hacks! Hier sind wieder eure Prüfungsknacker Sarah und Lukas. Das ist Teil zwei zum Gehirn — und wir lösen direkt den Cliffhanger vom letzten Mal auf.

00:00:14: LUKAS: Genau, wir hatten aufgehört bei der gefährlichen Einklemmung am Hinterhauptsloch. Erinnert ihr euch? Bei einem raumfordernden Prozess im Gehirn entsteht auch Druck nach unten. Das Kleinhirn wird runtergedrückt und kann im Hinterhauptsloch eingeklemmt werden. Aber eben nicht nur das Kleinhirn. Lukas, was sitzt da unten noch, das es so brenzlig macht?

00:00:34: SARAH: Die Medulla oblongata — das unterste Stück des Hirnstamms, der Übergang ins Rückenmark. Und in der sitzen lebenswichtigen Zentren.

00:00:43: LUKAS: Welche Zentren genau?

00:00:44: SARAH: Die Steuerung von Herz, Kreislauf und Atmung. Wird die gequetscht, fallen Atmung und Kreislauf aus — deshalb ist die Einklemmung so lebensbedrohlich.

00:00:54: LUKAS: Jetzt wird der Cliffhanger klar: Oben drückt es, das Kleinhirn rutscht ins Hinterhauptsloch, und genau darunter sitzt die Schaltzentrale fürs Überleben.

00:01:02: SARAH: Und das ist eine Prüfungsfrage, die ihr geschenkt bekommt: „Die Medulla oblongata enthält wichtige Steuerungszentren von Herz, Kreislauf und Atmung." Das stimmt.

00:01:13: LUKAS: Aber Achtung, die Prüfer drehen das gern um.

00:01:16: SARAH: Genau. Dann heißt es: „Die zentrale Steuerung des Herz-Kreislauf-Systems befindet sich im Bereich des Kleinhirns." Und das ist falsch — sie sitzt in der Medulla, nicht im Kleinhirn.

00:01:28: LUKAS: Merke: Herz, Kreislauf, Atmung — Medulla oblongata, ganz unten. Nicht das Kleinhirn.

00:01:34: SARAH: Und genau da steigen wir heute ein. In Teil eins ging es um den Bauplan, heute geht es um „wer macht was". Welche Region ist für welche Aufgabe zuständig?

00:01:45: LUKAS: Fangen wir oben an, bei der Großhirnrinde. Da müssen wir zwei Begriffe sauber auseinanderhalten, oder?

00:01:50: SARAH: Unbedingt: die Lappen und die Rindenfelder. Die darf man nicht verwechseln. Die Lappen sind die anatomische Einteilung.

00:01:58: LUKAS: Die orientieren sich an den Schädelknochen: vorne der Stirnlappen, der Frontallappen; oben der Scheitellappen; an der Seite der Schläfenlappen; und hinten der Hinterhauptlappen.

00:02:08: SARAH: Und die Rindenfelder sind die funktionelle Einteilung — also nicht „wo liegt es", sondern „was macht es". Und davon gibt es viele.

00:02:16: LUKAS: Fangen wir mit dem berühmtesten an: das primär motorische Rindenfeld.

00:02:21: SARAH: Das liegt wie ein Kopfhörerbügel quer über den Kopf, von einem Ohr zum anderen — genau an der Grenze zwischen Stirn- und Scheitellappen. Von dort startet unsere Willkürmotorik.

00:02:32: LUKAS: Und gleich daneben, der zweite Bügel, sitzt das primär sensorische Rindenfeld — da kommt die Wahrnehmung an. Motorik raus, Sensorik rein, direkt nebeneinander.

00:02:43: SARAH: Und zu diesem Bügel gehört ein wunderbarer Begriff: der Homunculus.

00:02:47: LUKAS: Oh ja, das kleine Männchen! Erzähl.

00:02:50: SARAH: Auf diesem Streifen ist der ganze Körper abgebildet — aber völlig verzerrt. Je feiner ein Körperteil gesteuert wird, desto mehr Rindenfläche bekommt es.

00:03:00: LUKAS: Also riesige Hände, dicke Lippen, eine fette Zunge — und winzige Füße. Ein echtes Karikaturmännchen. Das merkt man sich sofort.

00:03:08: SARAH: Genau. Hände und Mund brauchen viel Feinsteuerung, also viel Rinde.

00:03:08: LUKAS: Welche Rindenfelder sollten wir noch kennen?

00:03:15: SARAH: Drei wichtige: das Sehzentrum, das Hörzentrum und die Sprachzentren. Fangen wir mit dem Sehzentrum an — und das ist eine echte Prüfungsfalle.

00:03:15: LUKAS: Lass raten — die fragen, ob das Sehzentrum im Stirnlappen liegt?

00:03:29: SARAH: Genau das. „Das Sehzentrum liegt im Stirnlappen." Und das ist falsch.

00:03:34: LUKAS: Wo liegt es wirklich?

00:03:34: SARAH: Ganz hinten, im Hinterhauptlappen. Am weitesten weg von den Augen, aber genau dort wird das Bild verrechnet. Spannend dabei: Im Chiasma opticum, der sogenannten Sehnervenkreuzung, werden die Sehnerven etwas kompliziert verschaltet: Die Impulse der innen liegenden Anteile der Netzhaut kreuzen die Seite, während die Impulse der äußeren Anteile auf ihrer Seite bleiben.

00:04:00: LUKAS: Die rechte Gehirnhälfte verarbeitet also nur Sehimpulse von der jeweils rechten Netzhautseite, die linke Gehirnhälfte nur solche von der linken Netzhautseite. Warum?

00:04:00: SARAH: So kann jede gehirnseite eine Sehseite verarbeiten und es müssen nicht beide Seiten beide Sehseiten zusammenbringen. Aber das ist nur eine Idee.

00:04:18: LUKAS: Okay. Dann das Hörzentrum? Wo liegt das?

00:04:22: SARAH: Das liegt da, wo man es vermutet: am Schläfenlappen, in der Nähe der Ohren.

00:04:26: LUKAS: Sehen hinten, Hören an der Seite beim Ohr. Und die Sprache?

00:04:30: SARAH: Dafür gibt es zwei Areale, und die müssen wir auseinanderhalten. Das Broca-Areal ist das motorische Sprachzentrum.

00:04:38: LUKAS: Motorisch heißt — das Sprechen selbst?

00:04:41: SARAH: Genau. Wenn ich sage „ich möchte Hallo sagen", dann muss das in Bewegung übersetzt werden: Stimmbänder, Zunge, Kiefer, Atemluft. Diese ganze Sprech-Motorik organisiert das Broca-Areal.

00:04:53: LUKAS: Und das zweite?

00:04:53: SARAH: Das Wernicke-Areal. Das ist für das Sprachverständnis zuständig — dass das, was wir hören, nicht nur Geräusch bleibt, sondern Sinn ergibt.

00:04:53: LUKAS: Also Broca macht das Sprechen, Wernicke das Verstehen. Und was passiert, wenn das Broca-Areal kaputtgeht?

00:04:53: SARAH: Das ist die Broca-Aphasie — aber die heben wir uns für Teil drei auf, wenn wir die Krankheiten besprechen. Was beim Broca-Areal noch spannend ist, ist, dass wir nur eines haben. Es sitzt auf der dominanten Gehirnseite. Bei den meisten also links. Nah beim Hörzentrum.

00:04:53: LUKAS: Beim Wernicke-Areal ist es genauso. Nur eins auf der dominanten Gehirnseite. Etwas weiter hinten seitlich. Gehen wir jetzt eine Etage tiefer — ins Zwischenhirn. Das hatten wir letztes Mal schon ausführlich.

00:05:38: SARAH: Stimmt, deshalb nur die zwei Prüfungsschätze daraus. Erstens der Thalamus — das Tor zum Bewusstsein.

00:05:45: LUKAS: Das heißt, alle Sinneseindrücke müssen erst durch dieses Tor, bevor sie uns bewusst werden?

00:05:50: SARAH: Genau. Der Thalamus filtert: Was ist wichtig genug, um zur Großhirnrinde durchgelassen zu werden? Und in einer Prüfungsfrage soll man den Thalamus einordnen — er gehört ins Gehirn, genauer ins Zwischenhirn.

00:06:03: LUKAS: Nicht zu den Geschlechtsorganen oder zum Verdauungstrakt, wie es die Ablenker in den Prüfungsfragen uns angeboten haben.

00:06:09: SARAH: Richtig. Und der zweite Schatz: der Hypothalamus. „Im Hypothalamus werden Hormone gebildet" — das stimmt, er ist die Brücke vom Nervensystem zum Hormonsystem.

00:06:19: LUKAS: Den hatten wir letztes Mal ja als den heimlichen King gefeiert. Dann fehlt jetzt noch unser vierter großer Bereich.

00:06:19: SARAH: Das Kleinhirn — der Blumenkohl hinten dran. Und mit dem machen wir Jetzt einen großen Funktionsbereich auf, der tatsächlich auch nochmal das Großhirn mit einbezieht, nämlich die Motorik.

00:06:38: LUKAS: Das ist wirklich ein super wichtiger Bereich, um in der nächsten Folge die Entstehung der krankheitssymptome richtig zu verstehen.

00:06:44: SARAH: Also fangen wir vorne an. Wenn wir an Motorik denken, denken wir an unsere bewussten Bewegungen. Ich möchte den Arm hochheben. Dieser bewusste Impuls ist der erste Aspekt der Motorik.

00:06:56: LUKAS: Ja, und wenn es nur diesen Impuls gäbe und ich hebe jetzt den Arm hoch, was würde dann passieren? Dann würde ich vom Stuhl fallen, weil sich mein Körperschwerpunkt verlagert. Deshalb hat unser Körper Bewegungsprogramme aufgebaut. Das ist der zweite Aspekt der Motorik. Man spricht dabei von der Stütz- und Haltefunktion der Muskulatur. Beim Arm hochheben wird nämlich nicht nur der Delta-Muskel für die willkürliche Bewegung benutzt, sondern zahllose weitere Muskeln stabilisieren unseren Körper.

00:07:23: SARAH: Ja, und dann macht es natürlich einen Unterschied, ob ich beim Arm hochheben sitze oder stehe, ob ich an einem abschüssigen Hang stehe oder auf Glatteis. Unsere Motorik muss die ganzen Umstände mit einbeziehen und dann die bewussten und die Programmimpulse auf diese konkrete Situation koordinieren.

00:07:41: LUKAS: Das ist also der dritte Aspekt der Motorik, die Koordination aller Muskeln aufeinander Und in der konkreten Situation.

00:07:48: SARAH: Und jetzt kommt der Knüller. Diese drei Aspekten der Motorik sind drei absteigende Nervenbahnen zugeordnet. Der willkürliche Impuls entspringt in der Großhirn-Rinde im primärmotorischen Rindenfeld, da wo wir den Homunculus kennengelernt hatten. Die Bahn nennt man die Pyramidenbahn.

00:08:06: LUKAS: Und die Programme, die mit der Stütz- und Haltemuskulatur die bewusste Bewegung umrahmen, entspringen in den subkortikalen Basalganglien. Die Bahn, die dazugehört, ist die extrapyramidale Bahn. Man spricht vom extrapyramidalen System, wenn man an diese Basalganglien denkt.

00:08:22: SARAH: Und dann die Koordination, das macht das Kleinhirn. Das Kleinhirn ist mit allen Sinnesorganen verbunden — mit den Augen, den Ohren, dem Gleichgewichtssinn und der Tiefensensibilität. Es bringt also all die Aspekte mit ein, die Pyramidenbahn und extrapyramidale Bahn noch nicht besitzen.

00:08:40: LUKAS: Es ist also der Regisseur im Hintergrund, der dafür sorgt, dass die Bewegung rund läuft und das Gleichgewicht und die Abstimmung stimmt.

00:08:47: SARAH: Schön gesagt. Was passiert also, wenn das Kleinhirn geschädigt ist?

00:08:51: LUKAS: Dann läuft die Bewegung nicht mehr rund?

00:08:51: SARAH: Genau, dann kommen die Kleinhirn-Zeichen. Das typischste ist der Intentionstremor — ein Zittern, das gerade dann losgeht, wenn man gezielt nach etwas greift, zum Beispiel nach einem Glas.

00:09:05: LUKAS: Also kein Zittern in Ruhe, sondern beim Zielen.

00:09:08: SARAH: Richtig. Mehr dazu dann im nächsten Teil, wenn wir besprechen, was bei Problemen mit diesen bahnen passiert.

00:09:14: LUKAS: Und welche Prüfungsfragen gibt es zum Kleinhirn?

00:09:17: SARAH: Eine sehr typische. Richtig ist: „Das Kleinhirn spielt eine Rolle für das Gleichgewicht und die Bewegungskoordination." Das ist sein Job.

00:09:26: LUKAS: Und die Fallen?

00:09:27: SARAH: Zwei lehrreiche. Erstens: „Kleinhirnläsionen sind durch Hemiparesen charakterisiert." Also durch Lähmungen. Das ist falsch.

00:09:35: LUKAS: Warum falsch? Lähmung klingt doch nach Bewegung.

00:09:35: SARAH: Weil eine Lähmung daher kommt, dass der Bewegungsbefehl gar nicht erst ankommt — und das ist das Großhirn mit dem motorischen Rindenfeld und der Pyramidenbahn. Das Kleinhirn befiehlt die Bewegung nicht, es koordiniert sie nur. Ein kaputtes Kleinhirn heißt: unkoordiniert, nicht gelähmt.

00:09:56: LUKAS: Stark. Koordination weg, aber nicht gelähmt. Und die zweite Falle?

00:10:01: SARAH: „Die Blutversorgung des Kleinhirns erfolgt hauptsächlich über die Arteria carotis externa." Auch falsch — und da kommt unser Wissen aus Teil eins zurück.

00:10:11: LUKAS: Die Externa zieht ja nach außen, an den Schädel und ins Gesicht.

00:10:11: SARAH: Genau. Ins Gehirn ziehen die Karotis interna und die Vertebralis. Die Externa versorgt das Gehirn gar nicht — also gleich doppelt falsch.

00:10:23: LUKAS: So, dann machen wir den Sack zu. Die wichtigsten Punkte im Schnelldurchlauf.

00:10:27: SARAH: Ganz unten die Medulla oblongata — Herz, Kreislauf, Atmung. Die lebenswichtigen Zentren, nicht das Kleinhirn.

00:10:34: LUKAS: In der Großhirnrinde die Rindenfelder: der motorische und der sensorische Bügel mit dem Homunculus, das Sehzentrum ganz hinten — nicht im Stirnlappen! —, das Hörzentrum am Schläfenlappen, und die Sprachzentren Broca fürs Sprechen und Wernicke fürs Verstehen.

00:10:50: SARAH: Im Zwischenhirn der Thalamus als Tor zum Bewusstsein und der Hypothalamus, der Hormone bildet.

00:10:57: LUKAS: Und das Kleinhirn als motorischer Koordinator: Gleichgewicht und Feinabstimmung. Bei Schädigung zum Beispiel Intentionstremor, aber keine Lähmung. Die Kleinhirnbahn. Dazu dann noch die Pyramidenbahn aus der Großhirnrinde mit den bewussten Bewegungsimpulsen und die Extrapyramidale Bahn aus den Basalganglien mit den motorischen Programmen für Stütz- und Haltemuskulatur.

00:11:21: SARAH: Und wenn ihr merkt, dass sich diese ganzen Felder und Zentren im Kopf noch nicht richtig sortieren — gerade beim Homunculus und den Rindenfeldern hilft ein gutes Bild enorm —, dann schaut euch die Videotrainings von Stefan Barres bei Heilpraktikerausbildung24 an.

00:11:35: LUKAS: Die Kombination hat sich bewährt: solche Folgen hier für den Überblick, die Videotrainings für die Vertiefung. Schaut mal rein unter Heilpraktikerausbildung24.

00:11:35: SARAH: Da gibt es übrigens auch Live-Onlinekurse, die es richtig in sich haben.

00:11:48: LUKAS: Ja, da haben sich Lukas und ich auch kennengelernt und unsere Lerngruppe gebildet.

00:11:52: SARAH: Ja, wie gut! Und jetzt der Ausblick — denn der nächste Schritt ist der spannendste.

00:11:57: LUKAS: Wir wissen jetzt, wer was macht. In Teil drei drehen wir es um: Was passiert, wenn es ausfällt?

00:12:02: SARAH: Genau. Wir steigen ein mit dem Schlaganfall und der Eselsbrücke BE-FAST, und dann schauen wir die drei großen Bahnen an — die Pyramidenbahn, die extrapyramidale Bahn und die Kleinhirnbahn — mit ihren typischen Krankheiten.

00:12:17: LUKAS: Da schließt sich dann der ganze Kreis. Bis dahin: Macht's gut und viel Erfolg beim Lernen, ihr Lieben!

00:12:22: SARAH: Ciao, bis bald!

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