Rheumatischer Formenkreis Teil 2: Seronegative Erkrankungen, HLA-B27 und Vaskulitiden
Shownotes
Die wichtigsten Inhalte dieser Folge
- Ohne Rheumafaktor: Wir tauchen tiefer ein in die große Gruppe der seronegativen rheumatischen Erkrankungen und entdecken, wie wir hier den Überblick behalten.
- HLA-B27 als Schlüssel: Erfahre, was das "Fähnchen" HLA-B27 bedeutet und wie es uns hilft, die Bechterew-Krankheit, Psoriasis-Arthritis und reaktive Arthritis zu identifizieren.
- Dein Rheuma-Raster komplett: Lukas und Sarah fassen die vier entscheidenden Fragen zusammen, mit denen du den rheumatischen Formenkreis sicher durchschaust.
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Weitere Inhalte dieser Folge
- Reiter-Krankheit verstehen: Merke dir die klassische Trias aus Konjunktivitis, Urethritis und Arthritis – und den passenden Merkspruch, der sofort sitzt.
- Akutes Rheumatisches Fieber: Lerne den spannenden Mechanismus hinter dieser Zweiterkrankung nach Streptokokken-Infektion kennen und die typischen wandernden Gelenkschmerzen.
- Vaskulitiden im Fokus: Was sind Gefäßentzündungen im Rahmen rheumatischer Erkrankungen? Wir beleuchten die wichtige Arteriitis temporalis.
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Transkript anzeigen
00:00:00: LUKAS: Hallo zusammen! Willkommen bei den Heilpraktiker-Hacks! Hier sind wieder eure Prüfungsknacker Lukas und Sarah.
00:00:00: SARAH: Und heute kommt Teil zwei zum rheumatischen Formenkreis. Im ersten Teil haben wir uns das Ordnungssystem gebaut.
00:00:00: LUKAS: Kurz zur Erinnerung: Frage eins war — entzündlich, degenerativ oder funktionelles Weichteilrheuma? Das sagen uns B-S-G, C-R-P und die Leukozyten.
00:00:00: SARAH: Frage zwei war der Rheumafaktor, also ein Antikörper gegen einen anderen Antikörper. Ist er da, sind wir seropositiv.
00:00:28: LUKAS: Und da standen die rheumatoide Arthritis und die Kollagenosen, dazu als Frage drei die Autoantikörper — bei den Kollagenosen die Anas.
00:00:37: SARAH: Heute nehmen wir uns die andere Seite vor: die seronegativen Erkrankungen, also alles ohne Rheumafaktor. Und das ist die größere Baustelle. Ohne Rheumafaktor wird die Liste nämlich deutlich länger, oder?
00:00:48: LUKAS: Ja. Deutlich voller. Zum Glück können wir auch die seronegativen Erkrankungen in zwei Gruppen einteilen. Und hier kommt Frage vier ins Spiel: Finden wir H-L-A-B-27?
00:01:00: SARAH: Jetzt muss ich einhaken. Was ist denn H-L-A-B-27?
00:01:04: LUKAS: Stell dir Fähnchen vor, Markierungen, die eine Zelle auf ihrer Oberfläche hisst. Damit sagt sie dem Immunsystem: Ich gehöre dazu, lass mich in Ruhe.
00:01:04: SARAH: Ah, wie ein Ausweis am Revers.
00:01:14: LUKAS: Sehr schönes Bild. Und wenn dieser Ausweis nicht sauber lesbar ist, wenn die Zelle also ein Fähnchen wie H-L-A-B-27 hisst, ist das ein Hinweis, dass das Immunsystem irgendwann gegen diese Zellen vorgehen könnte.
00:01:27: SARAH: Diese Fähnchen weisen also darauf hin, dass die Person ein höheres Risiko hat, spezielle rheumatische Erkrankungen zu bekommen.
00:01:34: LUKAS: Ganz genau so ist es. Top-Kandidat mit H-L-A-B-27 ist die Bechterew-Krankheit.
00:01:40: SARAH: Den Bechterew müssen wir können, so viel weiß ich.
00:01:43: LUKAS: Er wird gerne und oft gefragt. Und schau, was wir über ihn schon wissen, ohne die Krankheit gelernt zu haben: entzündlich, kein Rheumafaktor, aber H-L-A-B-27.
00:01:53: SARAH: Drei Informationen allein aus dem Raster.
00:01:56: LUKAS: Bei den Gelenken geht es beim Bechterew eigentlich gar nicht um Gelenke im engeren Sinne, sondern um Sehnen und Bänder, vor allem an der Lendenwirbelsäule.
00:02:04: SARAH: Und das Leitsymptom?
00:02:06: LUKAS: Tiefsitzender Rückenschmerz, der in Ruhe schlechter wird und bei Bewegung besser. Deshalb das frühmorgendliche Erwachen mit Schmerzen — Liegen ist ja Ruhe.
00:02:14: SARAH: Das ist ein wunderbares Unterscheidungsmerkmal: Beim Verschleiß, also der Arthrose, tut Bewegung weh, hier tut Ruhe weh.
00:02:21: LUKAS: Schön auf den Punkt gebracht. Dazu: Männer sind häufiger betroffen, meist auch jüngere zwischen 20 und 40, und neben der Wirbelsäule können die Fersen und Augen mitbetroffen sein.
00:02:21: SARAH: Die Augen wieder — Bindegewebe eben. Und wer steht sonst noch in dieser Schublade?
00:02:36: LUKAS: Dazu kommen die Psoriasis-Arthritis, die reaktive Arthritis und die enteropathische Arthritis.
00:02:43: SARAH: Psoriasis ist die Schuppenflechte — da können also auch Gelenke mitmachen.
00:02:47: LUKAS: Meist kleine Gelenke. Und wichtig: Die Hauterscheinung kann fehlen oder erst später kommen.
00:02:52: SARAH: Und die reaktive Arthritis? Reaktiv heißt ja, sie reagiert auf irgendetwas.
00:02:57: LUKAS: Auf eine Infektion an anderer Stelle. Zwei Wege: gastrointestinal, etwa nach Salmonellen, Shigellen oder Campylobacter jejuni. Und bei sexuell übertragbaren Erregern, klassisch Neisseria gonorrhoeae oder Chlamydia trachomatis.
00:03:12: SARAH: Moment — der Erreger sitzt im Darm oder im Urogenitaltrakt, und das Gelenk entzündet sich trotzdem?
00:03:18: LUKAS: Und deshalb steht sie hier und nicht bei den Infektionen. Es sind meist nicht die Erreger selbst, die das Bindegewebe angreifen, sondern eine immunologische Reaktion — und da ist wieder H-L-A-B-27 im Spiel.
00:03:31: SARAH: Jetzt fügt sich das zusammen. Die Gonorrhoe hat doch auch ein typisches Gelenkbild?
00:03:31: LUKAS: Da denken wir an eine Monarthritis, ein einzelnes Gelenk, gern das Knie. Deshalb Gon - orrhoe: Gon ist das Knie.
00:03:31: SARAH: Und wenn es richtig dick kommt, hat das Ganze einen eigenen Namen: die Reiter-Krankheit.
00:03:46: LUKAS: Das ist das Vollbild der reaktiven Arthritis, mit einer Trias: Konjunktivitis, Urethritis und Arthritis, häufig an den Fußgelenken. Also auch wieder die Augen mit dabei.
00:03:57: SARAH: Dazu gibt es diesen englischen Merkspruch.
00:03:59: LUKAS: Can't see, can't pee, can't climb a tree. Auge, Harnröhre, Gelenk. Ist die Trias nicht komplett, sprechen wir schlicht von einer reaktiven Arthritis.
00:04:09: SARAH: Der sitzt sofort. Bleibt die enteropathische Arthritis.
00:04:13: LUKAS: Da ziehen wir nur eine Verbindung: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Wenn ihr die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen lernt, lernt ihr die extraintestinalen Symptome mit — und die Gelenke gehören dazu.
00:04:26: SARAH: Enteropathisch, weil der Darm die Grundlage ist — entero für Darm.
00:04:29: LUKAS: Richtig. Und hier taucht ein Laborbegriff auf, der uns gleich nochmal begegnet: Anca.
00:04:35: SARAH: Nimm den bitte gleich mit, bevor ich ihn mit Ana verwechsle.
00:04:38: LUKAS: Sehr berechtigt, die Namen liegen dicht beieinander. Anca sind ebenfalls Autoantikörper, aber sie richten sich gegen Enzyme in neutrophilen Granulozyten und Monozyten.
00:04:48: SARAH: Also gegen Bestandteile unserer eigenen Abwehrzellen.
00:04:51: LUKAS: Genau. Uns reicht: Ana gegen den Zellkern, typisch für Kollagenosen. Anca gegen Enzyme in Abwehrzellen, typisch für einen Teil der Vaskulitiden — und auch bei den Darmerkrankungen zu finden.
00:05:03: SARAH: Das merke ich mir so. Und damit fehlt noch die letzte Gruppe: seronegativ und ohne H-L-A-B-27. Wer steht da drin?
00:05:11: LUKAS: An erster Stelle das akute rheumatische Fieber.
00:05:14: SARAH: Das ist die Krankheit nach der Streptokokken-Angina, oder?
00:05:14: LUKAS: Ganz genau, beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A. Und der Mechanismus ist schön zu verstehen, deshalb wird er auch gerne gefragt.
00:05:25: SARAH: Dann erklär ihn mir mal, Lukas.
00:05:27: LUKAS: Sehr gern. Die Bakterien produzieren Toxine. Dagegen bildet der Körper Antikörper. Toxin und Antikörper bilden Immunkomplexe, die sich im Gewebe ablagern — und gegen diese Ablagerungen geht dann unser Immunsystem vor.
00:05:27: SARAH: Also eine Zweiterkrankung. Der Erreger ist längst weg, das Problem ist die Reaktion.
00:05:45: LUKAS: Perfekt formuliert. Ins Labor passt dazu der Antistreptolysin-Titer. Man findet Antikörper gegen die Streptokokken. Dann weiss man: Es gab die Infektion.
00:05:54: SARAH: Und die Gelenke?
00:05:55: LUKAS: Sehr typisch: große Gelenke, und sie wandern. Heute die Schulter, morgen die Hüfte, übermorgen das Knie.
00:06:02: SARAH: Wandernd und groß — bei der rheumatoiden Arthritis aus dem ersten Teil dagegen symmetrisch und klein. Da sieht man, wie viel die Gelenke verraten.
00:06:10: LUKAS: Sehr gut gegenübergestellt. Und wir sollten wissen, wo das akute rheumatische Fieber überall zuschlägt: Haut, Herz, Nerven und Gelenke.
00:06:19: SARAH: Das Herz ist das Gefährliche daran.
00:06:21: LUKAS: Absolut, deshalb wird die Krankheit so ernst genommen. An der Haut subkutane Knötchen, an den Nerven die Chorea minor. Betroffen sind gern junge Menschen.
00:06:30: SARAH: Du hattest vorhin die Vaskulitiden erwähnt — die stehen auch in dieser Schublade.
00:06:35: LUKAS: Genau. Vaskulitiden sind immunologisch bedingte Entzündungen der Gefäße. Vas ist das Gefäß, itis die Entzündung.
00:06:42: SARAH: Und Gefäßwände sind auch wieder Bindegewebe. Der rote Faden hält.
00:06:46: LUKAS: Der hält den ganzen Formenkreis zusammen. Wichtig ist für uns vor allem die Arteriitis temporalis, die Entzündung der Schläfenarterie. Pulsiert Deine wieder, Sarah?
00:06:46: SARAH: Hahaha, nein, wir haben ja ein bisschen Pause gemacht zwischen den beiden Teilen. Danke der Nachfrage. Und weisst Du auch das Leitsymptom zur Arteriitis temporalis?
00:07:04: LUKAS: Kopfschmerz im Schläfenbereich und eine stark erhöhte B-S-G. Sie kann zusammen mit der Polymyalgia rheumatica auftreten, von der wir im ersten Teil gesprochen haben.
00:07:14: SARAH: Die beiden gehören also zusammen. Gut zu wissen.
00:07:16: LUKAS: Andere Vaskulitiden wie die Polyarteriitis nodosa oder die Wegener-Granulomatose sind für uns keine große Baustelle. Namen kennen reicht erstmal.
00:07:25: SARAH: Dann lass uns die vier Fragen einsammeln. Ich glaube, jetzt sitzen sie.
00:07:29: LUKAS: Mach du, ich ergänze.
00:07:29: SARAH: Frage eins: Ist es entzündlich? Das sagen mir B-S-G, C-R-P und die Leukozyten. Wenn nein, denke ich an Arthrose oder Weichteilrheuma.
00:07:29: LUKAS: Genau so.
00:07:29: SARAH: Frage zwei: Finde ich einen Rheumafaktor? Wenn ja, bin ich bei der rheumatoiden Arthritis oder den Kollagenosen.
00:07:47: LUKAS: Seropositiv. Weiter.
00:07:47: SARAH: Ich ziehe jetzt Frage vier vor: Wenn kein Rheumafaktor — finde ich H-L-A-B-27? Wenn ja, denke ich zuerst an Bechterew, dann an Psoriasis-Arthritis, reaktive Arthritis und die Darm-Variante.
00:08:01: LUKAS: Und wenn nein?
00:08:02: SARAH: Dann bin ich beim akuten rheumatischen Fieber oder bei den Vaskulitiden.
00:08:06: LUKAS: Fehlt noch die dritte Frage.
00:08:06: SARAH: Frage drei: Welche Autoantikörper finde ich? Ana gegen den Zellkern spricht für die Kollagenosen, Anca für einen Teil der Vaskulitiden, Anti-C-C-P für die rheumatoide Arthritis.
00:08:18: LUKAS: Das war lupenrein. Und wenn wir dann noch nach den betroffenen Gelenken fragen — klein und symmetrisch, Lendenwirbelsäule, springend oder groß und wandernd —, kommen wir der einzelnen Krankheit schon sehr nahe.
00:08:30: SARAH: Und das Ganze passt auf ein Blatt. Genau die Tabelle hat Stefan dazu gebaut.
00:08:35: LUKAS: Die hilft wirklich. Wenn ihr merkt, dass ihr bei dem Thema noch Lücken habt: Die Videotrainings von Stefan Barres bei Heilpraktikerausbildung24 gehen genau diesen Weg — erst die Struktur, dann die Krankheit. Gerade beim Rheuma ist das Gold wert, weil man sonst in der Menge untergeht.
00:08:50: SARAH: Ja, die Kombination hat sich bewährt: so eine Folge für den Überblick, die Videotrainings für die Vertiefung. Schaut mal rein unter Heilpraktikerausbildung24.
00:09:00: LUKAS: Und mein Tipp für euch zum Weiterlernen: Drei Krankheiten aus dem Formenkreis lohnen wirklich Zeit, weil sie detaillierter gefragt werden — die rheumatoide Arthritis, die Bechterew-Krankheit und das akute rheumatische Fieber. Der Rest lässt sich über unser Raster und ein paar Schlagworte gut halten.
00:09:17: SARAH: Und ganz zum Schluss die zwei Sätze, die heute wirklich hängenbleiben sollen. Erstens: Rheuma ist keine Gelenkkrankheit, sondern eine Bindegewebskrankheit — deshalb greift sie auch innere Organe an.
00:09:17: LUKAS: Und zweitens: Rheumafaktor, H-L-A-B-27 und Autoantikörper sind drei verschiedene Dinge. Der Rheumafaktor ist ein Antikörper gegen einen Antikörper, H-L-A-B-27 ein Fähnchen auf der Körperzelle — eine Neigung, keine Diagnose — und Autoantikörper gehen direkt gegen eigenes Gewebe.
00:09:48: SARAH: Wer die drei sauber trennt, hat beim Rheuma schon halb gewonnen. Und danach können wir mit gutem Gewissen in die einzelnen Krankheiten reingehen.
00:09:55: LUKAS: Darauf freue ich mich. Bis dahin: Nehmt euch die Tabelle, hängt sie euch an die Wand und geht die vier Fragen ein paarmal durch.
00:10:01: SARAH: Das war's von uns für heute. Macht's gut und viel Erfolg beim Lernen, ihr Lieben!
00:10:05: LUKAS: Ciao, bis bald!
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