Kinderkrankheiten mit Hauterscheinungen im System – Lernen nach Zeilen (Teil 1)
Shownotes
Die wichtigsten Inhalte dieser Folge:
- Lernen nach Zeilen: Erfahre, warum das Vergleichen von Kategorien (wie Erregern oder Übertragungswegen) effektiver ist als das reine Auswendiglernen einzelner Krankheiten.
- Der „Personalausweis“ der Krankheiten: Wir unterscheiden hochakute Verläufe (Meningokokken, Masern) von eher leichten Infektionen wie dem Dreitagefieber.
- Erreger-Check: Von Parvovirus B19 bis zum Humanen Herpes-Virus Typ 6 – wir ordnen die Viren und Bakterien (Streptokokken) den richtigen Krankheiten zu.
- Übertragungswege: Warum fast alles über Tröpfchen geht, du aber bei Windpocken und Impetigo besonders auf die Schmierinfektion achten musst.
- Sprinter vs. Langschläfer: Warum Bakterien bei der Inkubationszeit meist die Nase vorn haben, während Viren eher „langsam“ starten.
- Immunität & Impfungen: Wir klären, welche Krankheiten lebenslang immun machen und was die STIKO aktuell (z.B. für Meningokokken B) empfiehlt.
- Das rechtliche Fundament: Ein tiefer Blick in das Infektionsschutzgesetz – die Bedeutung der Paragrafen 6, 7, 24 und 34 für deine Praxis und die Prüfung.
- Die „Falle“ Behandlungsverbot: Warum du Scharlach und Impetigo unbedingt auf dem Schirm haben musst, auch wenn sie nicht im Paragraf 6 oder 7 stehen.
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Nimm dir eine leere Tabelle und versuche, die Kategorien dieser Folge (z.B. Übertragungswege oder Inkubationszeiten) aus dem Gedächtnis für alle besprochenen Krankheiten auszufüllen. Das schult den vergleichenden Blick, der in der mündlichen Heilpraktikerprüfung so oft den Ausschlag gibt.
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Transkript anzeigen
00:00:00: LUKAS: Hallo und Willkommen zur nächsten Folge der Heilpraktiker-Hacks.
00:00:03: SARAH: Ja, auch von mir ein herzliches Willkommen.
00:00:06: LUKAS: In dieser Folge sind wir schon fast wir selbst geworden. Was aber das eigentlich besondere ist, ist die Struktur, die Stefan uns hier an die Hand gibt.
00:00:15: SARAH: Ja, er nennt es Lernen nach Zeilen.
00:00:17: LUKAS: Und dabei geht man nicht eine Krankheit nach der anderen durch, sondern man nimmt ein ganzes Set an Krankheiten -
00:00:22: SARAH: Hier sind es die Kinderkrankheiten mit Hauterscheinungen.
00:00:26: LUKAS: und bearbeitet sie jeweils alle für einen bestimmten Lernaspekt, also zum Beispiel zum Erreger oder zur Übertragung. Das finde ich wirklich sehr aufregend und hilfreich.
00:00:35: SARAH: Ja, geht mir genauso. Und dann geht es ja hier um Erkrankungen aus dem Infektionsschutzgesetz. Da unterscheidet Stefan auch noch die Basisdaten von den eigentlichen Krankheitsdaten.
00:00:46: LUKAS: In diesem Teil geht es um die Basisdaten. Im nächsten dann um die Krankheitsdaten. Wir wissen ja, er mag Struktur einfach zu gern.
00:00:54: SARAH: Das tut er. Komm, lass uns loslegen.
00:00:56: LUKAS: Ja, los geht`s.
00:01:00: SARAH: Du, ich hab hier diese riesige Tabelle mit den Kinderkrankheiten mit Hauterscheinungen vor mir. Das ist eine Menge Holz für die Prüfung. Wollen wir mal versuchen, ein System reinzubringen? Aber lass uns nicht einfach die Krankheiten runterbeten, sondern eher wie bei einem Quiz nach Kategorien gehen.
00:01:16: LUKAS: Oh ja, sehr gerne! Das hilft auch, die Zusammenhänge zu verstehen. Okay, ich fange mal an. Erste Kategorie: Der "Personalausweis" der Krankheiten – die Kurzdefinition. Wenn ich dir sage: „Ein Kind kommt mit einem hochakuten Verlauf zu dir“, welche Verdächtigen hast du da auf dem Schirm?
00:01:34: SARAH: Hm, hochakut... Da denke ich sofort an zwei Extreme. Einmal die viralen Masern, die sind ja wirklich kein Pappenstiel. Wobei sie natürlich oft für 1-2 Tage ein Prodromalstadium haben, bei dem das Fieber noch nicht so hoch ist. Und auf der bakteriellen Seite könnte ich den Scharlach erwähnen, weil er auch schnell höheres Fieber macht. Aber nnatürlich sticht eine Erkrankung heraus: Die Meningokokken. Da zählt ja jede Minute, oder?
00:02:00: LUKAS: Absolut, das ist ein medizinischer Notfall. Und was ist mit dem Rest? Röteln, Ringelröteln, Dreitagefieber, Windpocken?
00:02:08: SARAH: Die laufen meistens unter der Kategorie „eher leicht“. Klar, das Kind fühlt sich unwohl, aber es ist nicht dieser dramatische Verlauf wie bei den Masern oder einer Sepsis durch Meningokokken.
00:02:19: LUKAS: Genau. Bleiben wir kurz bei den Erregern. Ich nenne dir ein Virus und du sagst mir, welche Krankheit dahintersteckt. Was ist mit dem Parvovirus B19? Kurz nachdenken...
00:02:30: SARAH: Ah, das ist die Nummer mit dem "B" – Ringelröteln! Das darf man nicht mit den normalen Röteln verwechseln.
00:02:38: LUKAS: Richtig. Und was ist mit dem Humanen Herpes-Virus Typ 6?
00:02:42: SARAH: Das ist das Dreitagefieber. Ich merke mir das immer so: Herpes-Viren bleiben ja oft im Körper, aber hier ist es dieses typische Fieber bei den Kleinen. Apropos Bakterien: Da haben wir zwei Krankheiten, die sich fast denselben Erreger teilen, nämlich die Streptokokken. Welche sind das?
00:02:57: LUKAS: Das müssten Scharlach und die Impetigo contagiosa sein. Bei der Impetigo können es aber auch Staphylokokken sein. Da haben wir also eine richtige Bakterien-Mischung auf der Haut.
00:03:11: SARAH: Okay, nächstes Thema: Übertragungswege. Wenn man sich die Tabelle ansieht, könnte man fast meinen, man müsste im Winter eine Taucherglocke tragen. Warum?
00:03:17: LUKAS: Weil fast alles über Tröpfchen geht! Masern, Röteln, Ringelröteln, Dreitagefieber, Scharlach, Meningokokken... alles Tröpfchen. Aber pass auf, jetzt kommt eine Fangfrage: Bei welchen Krankheiten ist die Schmierinfektion, also der direkte Kontakt, so richtig entscheidend?
00:03:34: SARAH: Oh, ich weiß es! Windpocken – die heißen ja nicht umsonst so, weil sie auch "fliegen", aber der Inhalt der Bläschen ist eben auch hochinfektiös. Und natürlich die Impetigo contagiosa, die Schmierinfektion steckt da ja schon fast im Namen. Ein bisschen auch Scharlach, aber primär ist es die Impetigo.
00:03:52: LUKAS: Korrekt. Und vergiss nicht: Röteln und Ringelröteln können "diaplazentar" übertragen werden. Das ist das Fachwort für „über die Plazenta auf das ungeborene Kind“. Deshalb ist das in der Schwangerschaft so ein großes Thema.
00:04:06: SARAH: Wahnsinn. Lass uns mal zu den Zahlen kommen – die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum ersten Symptom. Da gibt es eine Faustformel, die mir aufgefallen ist.
00:04:15: LUKAS: Lass hören!
00:04:16: SARAH: Viren sind eher die "Langschläfer". Masern brauchen ein bis zwei Wochen, Röteln sogar zwei bis drei Wochen und Windpocken meistens glatte zwei Wochen. Weißt du, wer die Sprinter sind?
00:04:29: LUKAS: Die Bakterien! Scharlach und Meningokokken fackeln nicht lange – zwei bis vier Tage, dann geht's los. Nur das Dreitagefieber tanzt aus der Reihe, das braucht als Virus nur drei bis sieben Tage. Also fast so schnell wie ein Bakterium.
00:04:43: SARAH: Stimmt auffallend. Jetzt wird es knifflig: Die Infektiosität. Das ist ja das Problem im Kindergarten. Wann sind die Kinder am gefährlichsten für andere?
00:04:52: LUKAS: Das ist das Tückische. Bei Masern und Röteln fängt das schon vier beziehungsweise zwei Tage vor dem Ausschlag an. Da weiß man noch gar nicht, dass man es hat! Bei Windpocken ist es ähnlich, ein bis zwei Tage vorher.
00:05:03: SARAH: Aber es gibt einen Lichtblick bei den Bakterien, oder?
00:05:07: LUKAS: Ja, Scharlach! Wenn das Kind Antibiotika bekommt, ist nach 24 Stunden die Party für die Bakterien vorbei – zumindest was die Ansteckung angeht. Bei der Impetigo dauert es meist, bis die Krusten abgeheilt sind, außer man gibt auch da konsequent Antibiotika.
00:05:24: SARAH: Okay, vorletzte Runde: Immunität. Kann ich das Zeug mehrmals kriegen?
00:05:26: LUKAS: Bei den Viren kannst du meistens einen Haken dranmachen: Einmal durch, lebenslang Ruhe. Masern, Röteln, Ringelröteln, Dreitagefieber – alles lebenslang. Wobei man bei Windpocken sagen muss: Das Virus bleibt im Körper und kann später als Gürtelrose wiederkommen. Also "immun" gegen Windpocken ja, aber das Virus ist noch da.
00:05:46: SARAH: Und bei den Bakterien? Kann ich da auch einen Haken dranmachen?
00:05:51: LUKAS: Leider nein. Scharlach kannst du theoretisch öfter bekommen, weil es verschiedene Gifte, also Toxine, gibt. Und Impetigo gibt dir gar keine Immunität. Das ist wie ein Schnupfen für die Haut, das kann immer wieder kommen.
00:06:02: SARAH: So, jetzt der Endspurt: Die STIKO-Impfungen. Das ist ja oft Prüfungsstoff. Wenn wir in den Impfkalender schauen – was wird im ersten Lebensjahr empfohlen?
00:06:12: LUKAS: Da hat sich ja was geändert! Ganz neu ist die Empfehlung für Meningokokken B. Die startet schon im ersten Lebensjahr, ab dem zweiten Monat.
00:06:19: SARAH: Und der Rest? Die klassische MMRV-Impfung – also Masern, Mumps, Röteln, Varizellen?
00:06:25: LUKAS: Die kommt im zweiten Lebensjahr. Die Empfehlung sagt oft "ab dem 11. Monat", was ja technisch noch zum ersten Jahr gehört, aber im Kalender wird es meist zum zweiten Lebensjahr gezählt. Meningokokken C kommt dann auch erst im zweiten Jahr dazu.
00:06:39: SARAH: Und für den Rest? Scharlach? Ringelröteln?
00:06:43: LUKAS: Fehlanzeige. Keine Impfung im Kalender. Da hilft nur Händewaschen und Abstand halten.
00:06:47: SARAH: Du, ich glaube, jetzt hab ich das System echt verstanden. Die Viren brauchen lange, machen aber immun. Die Bakterien sind schnell, aber man kann sie öfter kriegen. Und die Impfungen decken vor allem die schweren Sachen ab.
00:07:01: LUKAS: Perfekt zusammengefasst! Damit sind wir fit für den nächsten Test.
00:07:03: SARAH: Meinst Du nicht, wir haben noch einen wichtigen Punkt der Grunddaten vergessen?
00:07:07: LUKAS: Hm, jetzt stehe ioch auf dem Schlauch. Oder - nein! Jetzt weiß ich es!
00:07:12: SARAH: Genau, es sind die Gesetze. Die meisten Kinderkrankheiten stehen ja im Infektionsschutzgesetz. Fangen wir deshalb mal mit der Frage an: Welche unserer Erkrankungen hier stehen denn nicht drin?
00:07:22: LUKAS: Naja, da haben wir eigentlich nur die Ringelröteln, das 3-tägige Fieber und die Handfußmundkrankheit. Alle anderen stehen im Infektionsschutzgesetz.
00:07:31: SARAH: Welche Paragraphen sind denn dabei für uns interessant?
00:07:34: LUKAS: Da gibt es drei Aspekte, die wir berücksichtigen müssen. Zum einen die Meldepflicht. Dafür ist der Paragraf 6 und 7 wichtig. Dann gibt es das Behandlungsverbot nach Paragraf 24. Der zeigt dann aber auf die Paragrafen 6 und 7. Also sind auch hier diese beiden Paragrafen wieder wichtig.
00:07:51: SARAH: Ja, und der dritte Paragraf ist dann wohl der Paragraf 34, wo es um den Besuch in Gemeinschaftseinrichtungen geht.
00:07:58: LUKAS: Genau dort wird auch noch mal eine Liste mit Krankheiten aufgeführt, bei denen schon der Verdacht ausreicht, dass die Gemeinschaftseinrichtungen nicht besucht werden dürfen.
00:08:07: SARAH: Dann fangen wir doch mit diesem Paragrafen an. Welche Krankheiten stehen denn hier im Paragraf 34 von unseren Kinderkrankheiten mit Hauterscheinungen?
00:08:15: LUKAS: Hm, das sind schon einige. Also zuerst fallen mir die Beta-hämolysierenden Streptokokken ein. Im §34 steht: Scharlach und andere Erkrankunegn durch Streptokokkus pyogenes. Was ist denn nochmal die zweite Erkrankung hier, die auch von dem Erreger verursacht wird?
00:08:17: SARAH: Das war Impetigo contagiosa. Die beiden stehen auch nicht im §6 oder 7. Und weil wir vorhin das behandlungsverbot angesprochen hatten: Der §24 bezieht sich nicht nur auf die Paragraphen 6 und 7, sondern auch auf den §34. Alles, was da steht, fällt unter das Behandlungsverbot.
00:08:49: LUKAS: Wow, dann ist es wirklich wichtig, diese beiden auf dem Schrim zu haben, wenn sie nicht im 6er und 7er vorkommen.
00:08:55: SARAH: Ja, genau so ist es! Die anderen Erkrankungen hier aus unserem Zusammenhang stehen alle in allen dreo Paragraphen. Also Masern, Röteln, Windpocken und Meningokokken stehen alle im Paragraphen 6, 7 und 34.
00:09:08: LUKAS: Oh mann, und das hätten wir fast ausgelassen! Das kommt inder Prüfung sicher nicht so gut.
00:09:13: SARAH: Nein, wenn wir eine krankheit behandeln wollen, die dem Behandlungsverbot unterliegt, dann ist die Prüfung wohl gelaufen. Deshlab...
00:09:20: LUKAS: Ja! Deshalb sind wir super! Denn wir haben noch dran gedacht.
00:09:26: SARAH: Und, wie hat DIR (!) die HERAN(!)gehensweise Lernen nach Zeilen gefallen, lieber Zuhörer? Das kannst Du auch mal selbst ausprobieren.
00:09:34: LUKAS: Ja, geh einfach mal den ganzen Paragraphen 6 im IfSG nach einzelnen Aspekten durch. Das bringt wirklich viel.
00:09:41: SARAH: Und jetzt machen wir weiter mit den Krankheitsdaten, also dem Verlauf und den Symptomen und so weiter.
00:09:46: LUKAS: Ich bin noch fit. Ich mache mit. Und Du lieber Zuhörer?
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