Keuchhusten, RSV & Co. – Kinderkrankheiten mit Atemproblemen Teil 1
Shownotes
Die wichtigsten Inhalte dieser Folge:
- Lernen nach Zeilen: Wir vergleichen Keuchhusten, Diphtherie, Epiglottitis, Pseudokrupp und RSV systematisch in ihren wichtigsten Kategorien.
- Bakterien vs. Viren: Erfahre, warum die Unterscheidung zwischen Bordetella pertussis und dem RS-Virus für die Therapie und die Meldepflicht entscheidend ist.
- Übertragungswege: Warum die Tröpfcheninfektion dominiert, du aber bei RSV und Diphtherie zwingend an die Schmierinfektion denken musst.
- Inkubationszeit & Quarantäne: Wir klären, warum Keuchhusten mit bis zu 20 Tagen die "lahme Ente" ist und Diphtherie extrem schnell zuschlägt.
- Das Infektionsschutzgesetz (IfSG): Ein tiefer Drill in die Meldepflicht nach § 6 und die brandneue Meldepflicht für RSV nach § 7.
- Behandlungsverbot nach § 24: Warum für fast alle besprochenen Krankheiten (außer Pseudokrupp) für uns Heilpraktiker ein Diagnose- und Therapie-Stopp gilt.
- Prävention & STIKO: Alles zur Standardimpfung, Auffrischungen und der neuen Antikörper-Prophylaxe (Nirsevimab) gegen RSV bei Säuglingen.
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Dein Wissensnetz-Tipp:
Erstelle dir eine Tabelle mit den fünf Krankheiten in den Spalten und den Kategorien Erreger, Meldepflicht, Behandlungsverbot und Inkubationszeit in den Zeilen. Versuche, die Felder aus dem Kopf auszufüllen. Das ist die beste Vorbereitung auf die Fangfragen in der mündlichen Heilpraktikerprüfung.
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Transkript anzeigen
00:00:00: LUKAS: Hey zusammen und willkommen zum nächsten Heilpraktiker-Hack! Ich sitze hier mit der wunderbaren SARAH: und wir sind gerade mitten in der heißen Phase für die Heilpraktiker-Überprüfung.
00:00:04: SARAH: Hallo zusammen. Ja, und wir wollen mit den Kinderkrankheiten weiter machen, die wir in den letzten beiden Folgen angefangen haben.
00:00:12: LUKAS: Ja, diesmal schauen wir uns die Kinderkrankheiten mit Atemproblemen an.
00:00:22: SARAH: Und dabei gehen wir auch wieder nach dem "Lernen nach Zeilen"-Prinzip vor. Also der gleiche Krankheitsaspekt für mehrere Krankheiten. Was steht also genau auf dem Programm, Lukas?
00:00:33: LUKAS: Hey zusammen und willkommen zum Med-Check! Ich sitze hier mit der wunderbaren
00:00:36: SARAH: und wir sind gerade mitten in der heißen Phase für die Heilpraktiker-Überprüfung.
00:00:43: SARAH: Hi Lukas! Ja, mein Kopf raucht, aber heute haben wir uns was richtig Gutes vorgenommen: Die „Big Five“ der respiratorischen Infekte mit Fokus auf Kinder. Also alles, was im Hals und in der Lunge so richtig Stress macht.
00:00:56: LUKAS: Genau! Wir schauen uns heute den Keuchhusten, die Diphtherie, die Epiglottitis, den Pseudokrupp und das RSV an. Aber – und das ist der Clou – wir kauen nicht eine Krankheit nach der anderen durch, sondern wir gehen Aspekt für Aspekt vor. So wie das Gesundheitsamt in der mündlichen Prüfung auch mal gerne springt!
00:01:17: SARAH: Perfekt. Dann fangen wir mal direkt mit der Visitenkarte an: Die Erreger. Lukas, wer sind die Übeltäter?
00:01:24: LUKAS: Also, wir haben eine bunte Mischung. Keuchhusten ist bakteriell, das ist die Bordetella pertussis. Diphtherie ebenfalls: Corynebacterium diphtheriae. Und bei der Epiglottitis, also der gefährlichen Kehldeckelentzündung, ist es primär das Bakterium Hämophilus influenzä Typ b – kurz Hib.
00:01:44: SARAH: Und jetzt der Switch zu den Viren! Pseudokrupp wird meist durch Viren ausgelöst, oft Parainfluenza. Und RSV trägt den Erreger ja schon im Namen: das Respiratorische Synzytial-Virus. Also: Bakterien bei den ersten dreien, Viren eher bei den letzten beiden.
00:02:04: LUKAS: Merke ich mir! Nächster Punkt: Wie stecken wir uns an?
00:02:06: SARAH: Das ist fast ein Heimspiel, oder? Alle fünf lieben die Tröpfcheninfektion. Husten, Niesen, Sprechen – zack, übertragen. Aber Achtung beim RSV und bei der Diphtherie: Da lauert zusätzlich die Schmierinfektion. Hände waschen ist also Pflicht!
00:02:22: LUKAS: Und bei Diphtherie gibt’s noch dieses fiese Extra, die Zoonose über Haustiere, wenn es der Erreger Corynebacterium ulcerans ist. Und, Sarah, hast du die Zahl zum Keuchhusten im Kopf?
00:02:34: SARAH: Oh ja! Die Kontagiosität ist der Wahnsinn. 80 bis 90 Prozent! Wenn einer im Raum Keuchhusten hat, gehen fast alle anderen mit nach Hause. Das ist fast so ansteckend wie Masern.
00:02:47: LUKAS: Krass. Okay, lass uns über die Inkubationszeit reden. Wie lange müssen wir warten, bis das Drama losgeht?
00:02:49: SARAH: Diphtherie ist am schnellsten: 2 bis 5 Tage. Da fackelt der Erreger nicht lange. RSV und Pseudokrupp liegen auch so im Bereich bis zu einer Woche. Und Keuchhusten ist die lahme Ente: meistens 9 bis 10 Tage, kann aber bis zu 20 Tage dauern! Das ist wichtig für die Quarantäne-Überlegungen.
00:03:11: LUKAS: Wo wir gerade bei Zeit sind: Wie lange ist man infektiös? Das ist ja für die Praxis entscheidend.
00:03:16: SARAH: Beim Keuchhusten ist es tückisch: Man ist schon ansteckend, bevor der erste richtige Hustenanfall kommt. Und ohne Behandlung bleibt man es bis zu drei Wochen nach Beginn der Anfälle.
00:03:27: LUKAS: Aber – kleiner Lifehack für die Prüfung – mit Antibiotika verkürzen wir das bei Keuchhusten und Diphtherie massiv auf nur ein paar Tage, meistens so 3 bis 7. Ohne Behandlung wäre man bei Diphtherie sogar zwei bis vier Wochen eine Gefahr für andere.
00:03:42: SARAH: Okay, nächster Block: Epidemiologie. Wer kriegt’s? Ich dachte immer, das sind alles reine Kinderkrankheiten.
00:03:50: LUKAS: Weit gefehlt! Schau dir mal den Keuchhusten an. In Deutschland hatten wir 2024 einen massiven Anstieg, über 22.000 Fälle! Und zwei Drittel davon waren Erwachsene über 18. Aber – und das ist der emotionale Punkt – für Säuglinge ist es lebensgefährlich.
00:04:06: SARAH: Stimmt. Beim Pseudokrupp ist es klassischer: Das sind meistens die Kleinen zwischen 6 Monaten und 3 Jahren. Und RSV? Das ist weltweit der wichtigste Erreger für untere Atemwegsinfekte bei Säuglingen. Da gibt es richtige Wellen von Oktober bis März.
00:04:21: LUKAS: Und wie sieht’s mit der Immunität aus? Kann ich das Thema abhaken, wenn ich es einmal hatte?
00:04:29: SARAH: Schön wär’s! Nur die Epiglottitis hinterlässt eine lebenslange Immunität. Bei allen anderen – Keuchhusten, Diphtherie, RSV – kannst du dich leider wieder anstecken. Der Schutz hält beim Keuchhusten zum Beispiel nur 10 bis 20 Jahre.
00:04:42: LUKAS: Okay, jetzt wird’s prüfungsentscheidend. Der „Heilpraktiker-Endgegner“: Das Infektionsschutzgesetz (IfSG). Ssrah, leg los!
00:04:52: SARAH: Okay, tief durchatmen. Meldepflicht nach § 6: Bei Keuchhusten und Diphtherie müssen wir namentlich melden, wenn ein Verdacht besteht, die Krankheit ausbricht oder jemand stirbt.
00:05:02: LUKAS: Und neu auf dem Schirm: RSV! Da gibt es seit Juli 2023 die namentliche Meldepflicht für den Erregernachweis nach § 7. Das ist brandneu und bestimmt eine beliebte Fangfrage! In den §7 gehört auch der Hib, also die Epiglottitis. Namentlich meldepflichtig bei Erregernachweis durch das Labor. Aber eben nicht für uns Heilpraktiker.
00:05:26: SARAH: Absolut! Und was ist mit dem Behandlungsverbot für uns Heilpraktiker?
00:05:30: LUKAS: Ganz klar nach § 24: Da alle diese Krankheiten (außer Pseudokrupp) namentlich im IfSG genannt werden oder zu den übertragbaren Krankheiten gehören, die im Gesetz stehen, gilt für uns: Finger weg von der Therapie und der Diagnose! Wir stellen den Verdacht fest, sichern uns vielleicht noch durch ein oder zwei Fragen ab, so dass unser Verdacht auch begründet ist und schicken sie dann zum Arzt und melden ans Gesundheitsamt, wenn es der §6 war.
00:05:51: SARAH: Genau. Und dann gibt es noch den § 34 für Gemeinschaftseinrichtungen. Also Schulen, Kitas. Bei Keuchhusten, Diphtherie und Hib gibt es ein striktes Besuchsverbot, bis der Arzt grünes Licht gibt. Bei RSV ist es eher eine Empfehlung, dass man zu Hause bleibt, bis die Symptome weg sind.
00:06:16: LUKAS: Super zusammengefasst. Letzter Punkt für heute: Prävention. Was sagt die STIKO?
00:06:22: SARAH: Impfen, impfen, impfen! Gegen Keuchhusten, Diphtherie und Hib gibt es Standardimpfungen im ersten Lebensjahr. Für die Diphtherie braucht es übrigens Aufrischungsimpfungen alle 10 Jahre und für Keuchhusten immerhin noch zwei weitere Impfungen als Kind und Jugendlicher.
00:06:37: LUKAS: Und ganz frisch für RSV gibt es jetzt die Prophylaxe für Säuglinge – diesen Antikörper Nirsevimab. Wird man im Winter geboren, wird er direkt verabreicht, sonst kurz vor der neuen RSV-Saison. Und für die Ü60-Jährigen gibt’s jetzt auch eine RSV-Impfung.
00:06:54: SARAH: Da fallen mir noch zwei Sachen zum Keuchhusten ein: In der Schwangerschaft wird die Impfung im 3. Trimenon empfohlen und - das hättest Du jetzt nicht gewusst, oder - für Haushaltskontaktopersonen von Neugeborenen wird die Impfung auch empfohlen.
00:07:07: LUKAS: Wahnsinn, Sarah. Ja, das hätte ich jetzt tatsächlich nicht gewusst. Und jetzt haben wir die fünf Krankheiten gerade einmal komplett horizontal durchleuchtet. Erreger, Übertragung, IKZ, Gesetz – alles drin!
00:07:21: SARAH: Ich fühle mich jetzt richtig fit für die Session. Wenn man das so vergleicht, bleiben die Unterschiede viel besser hängen, oder?
00:07:26: LUKAS: Absolut. Leute, wenn ihr das im Auto oder beim Joggen hört: Macht euch keinen Stress. Geht die Punkte im Kopf nochmal durch. Bakterien vs. Viren, Meldepflicht vs. Behandlungsverbot. Das ist genau das Lernen nach Zeilen, das Stefan so gerne empfiehlt.
00:07:41: SARAH: Genau! Jetzt machen wir für heute Schluss. Viel Erfolg beim Lernen und bis zum nächsten Mal bei den Heilpraktiker-Hacks! Wir sind die Prüfungsknacker.
00:07:50: LUKAS: Yeah! Viel Erfolg! Ciao!
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